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Gymnasium in Bayern:Intresse an Zusatzjahr unklar

"Das klingt in der Theorie sehr anspruchsvoll", sagt Walter Fronczek, Referent im bpv und Schulleiter eines Gymnasiums im Spessart. In der Praxis sei es aber organisatorisch und finanziell nicht machbar, das Flexijahr an ein und derselben Schule in allen drei Jahrgangsstufen anzubieten. Da würden bei Eltern und Schülern Erwartungen geweckt, die sich dann nicht erfüllen ließen. "Alles auf einmal ist unmöglich", sagt auch Heinz-Peter Meidinger. Nach Ansicht von Max Schmidt, dem Vorsitzenden des Bayerischen Philologenverbands, wird das Zusatzjahr an den meisten Schulen lediglich nach der zehnten Klasse angeboten werden, damit Schüler ihre Lücken schließen können, bevor sie in die Oberstufe kommen oder wie früher im G 9 ein Jahr ins Ausland gehen.

Dabei ist auch nach der Erprobungsphase unklar, wie viele Schüler überhaupt Interesse haben, das Zusatzjahr in Anspruch zu nehmen. "Die Datenbasis ist sehr gering", sagt Schmidt. Der Beschluss, das Flexijahr einzuführen, wurde erst kurz vor den Sommerferien gefasst. Die zwölf Schulen, auf deren Erfahrungen die jetzigen Vorschläge in der Information des KM unter anderem beruhen, konnten frühestens im August 2012 mit der Arbeit beginnen. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten potenziellen Flexischüler aber schon im Urlaub.

Die Schulen haben sich deshalb vor allem auf die Erprobung unterschiedlicher Modelle der individuellen Förderung konzentriert: Das Johann-Michael-Sailer-Gymnasium in Dillingen hat unter anderem Ferienkurse angeboten, in denen die Schüler bis zum Beginn des nächsten Schuljahres nachholen konnten, was sie verpasst hatten. Das Tassilo-Gymnasium in Simbach am Inn hat ein "Modulares Konzept" erarbeitet, das unter anderem aus einem "Motivationsseminar", einem "Schnellkurs Grundwissen" und "Mentorengesprächen" besteht.

Am Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium in Schwandorf gibt es ein "Coachingteam", das sich um Schüler kümmert, "die akuten Förderbedarf im Sinne kürzerer Intensivierungsphasen haben". "Vor allem Modelle, in denen die Schüler in Kleingruppen mit drei bis fünf Teilnehmern gefördert wurden, waren in der Erprobungsphase sehr erfolgreich", sagt Fronczek. "Doch was passiert, wenn nächstes Jahr sehr viele Schüler eine solche individuelle Förderung beantragen?", fragt er. "Sollen wir dann die Gruppen wieder größer und damit auch ineffektiver machen? Oder Schüler abweisen? Und wie wird sich das auf das Schulklima auswirken?" Viele Fragen, bei denen die bunte Broschüre aus dem Kultusministerium auch nicht weiterhilft.

© SZ vom 11.03.2013/wib
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