Mittelfranken Polizei nennt Details zum Vierfachmord in Gunzenhausen

  • In Gunzenhausen in Mittelfranken wurden eine 29-jährige Frau und ihre drei Kinder getötet.
  • Die Obduktion der Leichen ergab, dass sie mit einem Messer tödlich verletzt wurden.
  • Der 31-jährige Vater wurde verletzt vor dem Haus gefunden. Gegen ihn wurde Haftbefehl wegen vierfachen Mordes erlassen.
Von Claudia Henzler

Nach dem Tod einer Frau und ihrer drei Kinder im mittelfränkischen Gunzenhausen hat die Kriminalpolizei in Ansbach weitere Details bekanntgegeben. Der Vater und Ehemann steht im Verdacht, seine Familie getötet zu haben. Nach der Tat am Dienstag sprang der 31-Jährige vom Balkon der Wohnung im dritten Stock eines Mehrfamilienhauses und wurde schwer verletzt.

Nach Erkenntnissen der Polizei wollte sich die 29-jährige Ehefrau von ihrem Mann trennen. Offenbar, weil der die Kinder misshandelt haben soll. Dem Ehemann sei bereits am 21. Juni der Schlüssel für die gemeinsame Wohnung abgenommen und gegen ihn ein Kontakt- und Näherungsverbot ausgesprochen worden, nachdem eine Zeugin der Polizei erzählt hatte, dass der Vater die beiden sieben- und neunjährigen Söhne verprügelt habe. Am Montag, dem Tag vor der Tat, hatte die Frau bei der Polizei Anzeige gegen den Mann erstattet.

Einen Tag später soll der Tatverdächtige dann zurück zur Wohnung der Frau und seiner Kinder gekommen sein. Die Tat könnte sich nach Erkenntnissen der Kriminalpolizei Ansbach so abgespielt haben: Der Bruder der 29-jährigen Mutter hatte in der Nacht von Montag auf Dienstag bei der Familie übernachtet. Er und seine Schwester hatten mit dem Familienvater vereinbart, dass der am Dienstagfrüh ein paar Kleidungsstücke abholen dürfe, die er angeblich dringend brauchte. Der Bruder sollte sie in der Früh nach unten zur Straße bringen.

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Um 5.36 Uhr rief der Vater dann an, dass er gleich da sei, der Bruder ging nach unten, zündete sich eine Zigarette an und wartete. Was er nicht wusste: Sein Schwager war da längst im Haus. Er hatte sich offenbar durch einen Hausbewohner, der zur Arbeit ging, Zugang verschafft und auf dem Treppenabsatz zwischen dem vierten und fünften Stock gewartet. Von dort aus dürfte er wohl beobachtet haben, wie sein Schwager nach draußen ging.

Dann, so wird dem 31-jährigen Tatverdächtigen vorgeworfen, soll er auf Socken nach unten in die Wohnung gegangen sein. Das war offenbar leicht, die Wohnungseingangstür war laut Polizei schon vorher beschädigt und habe nicht mehr hundertprozentig sicher geschlossen. Der Bruder wartete unten vor dem Haus fünf bis zehn Minuten, bis er ein lautes Geräusch hörte, das ihn alarmierte. Er rannte hoch, sah die offene Tür, ging in die Wohnung. Dort habe sein Schwager gestanden, so hat es der Bruder der Polizei erzählt, in der Hand ein großes Küchenmesser, beide Hände voller Blut. Dann sei der Familienvater auf den Balkon gerannt und in die Tiefe gesprungen. Er brach sich das Becken und erlitt eine Lungenkompression.

Die Kinder wurden in ihren Zimmern, vermutlich im Schlaf, getötet. Als wahrscheinliche Tatwaffe gilt ein Messer, das der Vater vor der Tat extra gekauft haben soll. Es wurde vor dem Haus neben dem schwer verletzten Tatverdächtigen gefunden.

Der tatverdächtige Familienvater konnte bislang noch nicht vernommen werden. Er befindet sich derzeit noch zur Behandlung im Krankenhaus. Mittlerweile hat das Amsgericht Ansbach Haftbefehl wegen Mordes in vier Fällen erlassen.

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