Ehemaliges AKW GundremmingenDie Kühltürme sind gesprengt

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Das Gelände um die Kühltürme wurde weiträumig abgesperrt.
Das Gelände um die Kühltürme wurde weiträumig abgesperrt. (Foto: KARL-JOSEF HILDENBRAND/AFP)
  • Die beiden 160 Meter hohen Kühltürme des stillgelegten Kernkraftwerks Gundremmingen wurden pünktlich um 12 Uhr gesprengt.
  • Bei der Sprengung wurden 56 000 Tonnen Stahlbeton zerstört, der zu Recycling-Schotter aufbereitet werden soll.
  • Am Standort soll vier Tage nach der Sprengung der Spatenstich für Deutschlands aktuell größten Batteriespeicher gesetzt werden.
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Die beiden jeweils 160 Meter hohen Kühltürme des früheren Kernkraftwerks Gundremmingen sind gesprengt worden. Pünktlich um 12 Uhr fielen die aus insgesamt 56 000 Tonnen Stahlbeton bestehenden Kolosse in sich zusammen.

Sie waren jahrzehntelang eines der bekanntesten Wahrzeichen im schwäbischen Landkreis Günzburg. Und sie zeigten weithin, dass die kleine Gemeinde Gundremmingen einer der größten und wichtigsten Atomstandorte Deutschlands war. Nun sind die beiden 160 Meter großen Kühltürme planmäßig gesprengt worden.

Zahlreiche Schaulustige aus Bayern und dem nahen Baden-Württemberg sind trotz schlechten Wetters zu dem spektakulären Abriss gekommen. Sie waren schon früh angereist, den viele Straßen waren abgesperrt. Die wichtigsten Fragen zu der Aktion im Überblick:

Wofür wurden die Türme früher benötigt?

Kernkraftwerke nutzen angrenzende Flüsse, im Fall von Gundremmingen die Donau, um Kühlwasser zu entnehmen. Später wird das Wasser zurückgeleitet, dabei darf es aber nicht zu warm sein. In den Türmen wurde daher das im Kraftwerk bei der Stromproduktion erhitzte Wasser wieder heruntergekühlt. Dafür wurde das Wasser quasi in Regen verwandelt und mit Frischluft vermischt. Beim Abkühlen entstanden große Mengen Wasserdampf, der oben aus den Türmen austrat. Die so produzierten Wolken waren weithin sichtbar.

Der Betreiber RWE fasst die Funktion der Kühltürme so zusammen: „Sie dienten zu Betriebszeiten des ehemaligen Kernkraftwerks dazu, dass die Donau nicht zu stark mit Abwärme belastet wurde.“

Welche Dimensionen hatten die Kühltürme?

Nicht nur die Höhe war imposant. Die Kraftwerkstürme waren mit 160 Metern ähnlich hoch wie das Ulmer Münster, das bislang den höchsten Kirchturm der Welt hat. Auch der Durchmesser der Kühltürme war enorm: an der breitesten Stelle betrug er laut RWE 139 Meter, an der schmalsten – in 120 Metern Höhe – immer noch 76 Meter.

Bei der Zerstörung der zwischen 1977 und 1980 gebauten Türme sind enorme Schuttmengen angefallen – nach Angaben des Unternehmens handelte es sich um etwa 56 000 Tonnen Stahlbeton.  „Er soll im Anschluss zu Recycling-Schotter aufbereitet werden, der ein am Markt gefragter Baustoff ist.“

Welche Bedeutung hatte das Atomkraftwerk?

Gundremmingen hat in Deutschland die Geschichte der zivilen Atomnutzung maßgeblich mitbestimmt. Denn mit Block A begann dort im Jahr 1966 die industrielle Produktion von Atomenergie in der Bundesrepublik. Doch es kam zu schweren Störfällen. Im Jahr 1975 starben sogar zwei Schlosser bei einem Unfall, es waren die ersten Todesfälle in einem deutschen Kernkraftwerk. Eine Havarie der Anlage sorgte 1977 dann für die Stilllegung dieses Reaktors.

Zwischen 1976 und 1984 wurden die Blöcke B und C errichtet, zu denen die beiden Kühltürme gehören. Im Rahmen des deutschen Atomausstiegs wurde Block B Ende 2017 endgültig abgeschaltet, Block C folgte vier Jahre später.

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Wie geht es mit dem Standort weiter?

Der Rückbau der beiden Kernkraftwerksblöcke läuft seit Jahren. Das Milliardenprojekt wird aber auch noch viele weitere Jahre dauern. Die Atomwirtschaft hat bei den stillgelegten Atommeilern mehrfach das Jahr 2040 als Zieldatum für den Abschluss der Rückbaumaßnahmen genannt.

RWE hat daher in Gundremmingen immer noch mehr als 400 Mitarbeiter. Der Konzern beschäftigt sich aber längst auch damit, wie der Energiestandort künftig genutzt werden soll. Schon vier Tage nach der Sprengung soll in Gundremmingen der Spatenstich für einen Batteriespeicher gesetzt werden – laut RWE der aktuell größte Speicher in Deutschland. Solche Anlagen werden benötigt, um beispielsweise tagsüber bei Sonnenschein gewonnenen Solarstrom vorübergehend zu speichern und dann nachts abgeben zu können.

Auf lange Sicht wird in Gundremmingen auch das Zwischenlager für die alten Brennelemente der Reaktoren verbleiben. Dies wird erst geräumt werden können, wenn es in Deutschland ein Endlager für den strahlenden Müll der früheren Atomkraftwerke gibt.

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