Günter Grünwald war einer beliebtesten, durchaus provokantesten Kabarettisten Bayerns: 21 Jahre, 200 Folgen lang eine eigene Show im BR und die Hallen voll. Dann trat der Ingolstädter im Dezember 2024 überraschend zurück, um sich um Gesundheit und anderes Persönliches zu kümmern. Genauso überraschend ist er nun mit einem kurzfristig bekannt gegebenen Gastspiel wieder da. Der 68-Jährige folgt der Bitte des Tubisten und Kabarettisten Andreas Hofmeir, in „Assing 7“, der ehrenamtlich geführten Kulturscheune im Rupertiwinkel, einen Benefizabend zusammen mit der fränkischen Gaudikapelle Häisd’n’däisd vomm Mee! zu geben. Motto: „Das Comeback der guten Laune“.
SZ: Oasis sind zurück, und Günter Grünwald tritt auch wieder auf. Das kann doch kein Zufall sein! Schon Ihr alter Programmtitel „Definitiv vielleicht“ zeugt von einer Verbindung zum Britpop-Klassiker „Definitely Maybe“.
Günter Grünwald: Purer Zufall. Also der Britpop und diese zwei affektierten Affen, die sind mir immer auf den Keks gegangen. Aber ich finde deren Titel einfach wahnsinnig gut, und dann habe ich den gnadenlos geklaut. Das ist die einzige Überschneidung. Und ich hab’ früher mal einen Parka gehabt.
Und Sie machen ebenfalls Musik, Ihr Whatsapp-Bild zeigt eine E-Gitarre. Kommen Sie in Ihrer Kabarettrente jetzt mehr dazu?
Für die Gitarre habe ich immer Zeit gehabt. Der größere Unterschied ist: Jetzt ist mehr Zeit für Auftritte, meine Band-Kollegen sind ja auch alle in Rente.
Sie spielen jetzt immer öfter mit der Southern-Blues Rad Gumbo, dabei können Sie sich freilich auch die eine oder andere launige Ansage nicht verkneifen. Warum?
Es ist halt eine sehr angenehme Sache, wenn ich mit richtigen Freunden, die ich seit Kindertagen kenne, auf der Bühne stehe, nicht mit irgendeinem zusammengewürfelten Haufen. Da macht enorm viel Spaß.

Was stellen Sie sonst mit der vielen Freizeit an?
Ich habe festgestellt, dass man Kreativität nicht beliebig an- und ausschalten kann. Von dem her schreibe ich. Also ich sitz’ gern da, schaue zum Fenster raus und denke mir was aus. Das mache ich auch zweckgebunden.
Für was denn?
Ich arbeite schon eine Zeit lang an einer Art Autobiografie. Und ich schreibe schon Nummern für den Fall, dass ich doch irgendwann sage: Ach, ich mach’ noch mal ein neues Programm.
Doch der Rücktritt vom Rücktritt?
Also, das war immer der Plan, dass ich mich nicht vollkommen auflöse, sondern ab und zu einen Benefizauftritt mache. Und vielleicht irgendwann wieder richtig einsteige.
Als Fastenprediger auf dem Nockherberg haben Sie sich aber nicht beworben?
Nein, sicher nicht. Das war absolut nie meine Baustelle. Das Singspiel ist nichts, wo ich wochenlang drauf hinfiebere. Gut, die Fastenpredigt habe ich schon gern angeschaut, von den Leuten, die ich gut finde, das ist zum Beispiel der Maxi Schafroth. Bin gespannt, was der Stephan Zinner draus macht. Aber das kann ich mir für mich absolut nicht vorstellen, da auf der Bühne stehen und vor mir hocken der Söder und diese ganzen anderen Gipsköpfe, und die muss man dann anschauen und sagen: Ja, he, und was du da gemacht hast, gell, also ich muss schon sagen … !

Tut aber vielleicht ganz gut, wenn man angestautem Ärger auf der Bühne Luft macht. Ging Ihnen das Kabarett nicht als selbst therapeutisches Ventil ab?
Tatsächlich war das so, das ist bestimmt ein Ventil für mich. Der Zimmerschied hat mal gesagt, wenn er nicht auf die Bühne gehen könnte, würde er mit der Spitzhacke durch die Nachbarschaft ziehen. Gut, so schlimm war’s bei mir nicht. Aber es hat schon was Befreiendes, auf der Bühne rumzubrüllen, was das alles für Arschlöcher ringsum sind.
Boris Becker hat einmal erzählt, es habe ihn nach seiner Tenniskarriere befreit, mit Perücke verkleidet in Monaco irgendwelche Leute anzuschnauzen, Kellner im Café etwa. So weit ist es aber bei Ihnen nicht, dass Sie als Ihre Figuren Bonzo oder Vinzenz Bamberger durch Ingolstadt marodieren?
Ich bin ein großer Fan von Ricky Gervais’ Sitcom „Afterlife“. Grandios, wie er da dem Range-Rover-Fahrer, der ihn am Zebrastreifen geschnitten hat, den Blumentopf in die Scheibe schmeißt. Aber ich habe gemerkt: Ich bin das nicht. Wenn ich in einem Lokal bin, und das Fressen war grauenhaft und der Keller kommt her und fragt, wie es geschmeckt hat, dann sage ich natürlich: „Sehr gut.“ Ich habe eine Grundpanik vor Auseinandersetzungen.
Denkt man gar nicht, wenn man Ihre durchaus derben Nummern kennt. Über welchen menschlichen Makel haben Sie sich zuletzt so aufgeregt, dass Sie’s auf die Bühne bringen würden?
Ich habe kürzlich einen gesehen, der wirklich in ein Auto gelaufen ist mit dem Handy in der Hand. Der war vollkommen überrascht, dass er im Freien ist. Das Thema ist noch nicht ganz ausgereizt, dass die Menschen sich in sich selber zurückziehen, sich vereinzeln.

Sie zumindest begeben sich nach wie vor unter die Leute. Ein Comeback im Fernsehen mit eigener Show ist jetzt aber nicht geplant, wie es zuletzt Stefan Raab gemacht hat?
Nein, sicher nicht. Gast in irgendwelchen Sendungen – jederzeit. Aber nichts Eigenes, da habe ich Thomas Gottschalk als mahnendes Beispiel vor Augen, wie das böse in die Hose gegangen ist, da habe ich Respekt davor. Wenn jemand saft- und kraftvoll abgetreten ist, wie Stefan Raab, und kommt dann zurück und hat eine furchtbar runde Birne auf und schaut so operiert aus – keine Ahnung, warum man sich so etwas antun sollte.
Aber ein Kabarettauftritt gemeinsam mit der fränkischen Gaudikapelle Häisd’n’däisd vomm Mee! in einer Scheune auf dem Land, „das nach Ingwer riecht“, wie in der Ankündigung steht – so kriegt man Sie?
Als mich der Andreas Hofmeir, ein sehr angenehmer Kollege, angerufen und mir erläutert hat, dass das für Kinder ist und die Organisation „Orienthelfer“ vom Christian Springer bedacht werden soll, da war die Tür soweit offen, die hat er in keiner Weise einrennen müssen. So kann man mich kriegen.

