Sepp Daxenberger erliegt Krebsleiden:"Er hat sich an der Politik hochgezogen"

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Im Landtag haben sie ihn geschimpft dafür, dass er nicht kürzertrat, seine Kräfte für die Politik verschwendete. Aber Daxenberger wollte das so. Politik als Therapie, so hat er es gesehen. "Ich zeige meinem Körper, dass ich keine Zeit habe für so was", hat er mal gesagt.

Daxenbergers Beliebtheit ging weit über seine Partei hinaus. Als er am Tag nach seinem Rücktritt im Plenum ans Rednerpult trat, da klatschten die Abgeordneten fraktionsübergreifend Beifall. Als am Mittwoch die Nachricht von seinem Tod bekannt wird, da bekunden Politiker aller Parteien ihr Beileid. Die Anteilnahme geht weit über die politische Korrektness hinaus. Bayerns Politiker sind zutiefst erschüttert.

"Was ihn von vielen unterschieden hat, war, dass ihm die Politik nichts anhaben konnte", sagt Landtagsvizepräsident Franz Maget von der SPD. "Er ist einfach so geblieben, wie er war." So kam Daxenberger gerne mit seinem gestrickten Janker ins Parlament, im Anzug mit Krawatte sah man in nur zu ganz besonderen Anlässen. "Er hat sich nicht glatt rasiert und auch seine politischen Einstellungen nicht glatt gebürstelt", sagt Maget.

Und seine Sprache. Daxenberger pflegte seine oberbayerische Mundart, "zum Leidwesen des stenographischen Dienstes". An eine Episode kann sich Maget noch gut erinnern. Es muss vor beinahe 20 Jahren gewesen sein, als Daxenberger zum ersten Mal in den Landtag gewählt wurde. Damals habe er noch deutlich wilder ausgesehen, erzählt Maget, und auch seine Aussprache sei noch rustikaler gewesen. Da habe Daxenberger ein besonders derbes Sprichwort in Richtung CSU-Fraktion gebraucht und die forderte eine Rüge vom Präsidenten Wilhelm Vorndran, ebenfalls CSU. "Liebe Kollegen, ich kann ihn nicht rügen, weil ich ihn gar nicht verstehe", habe dieser geantwortet.

Eine Ausrede, glaubt Maget, weil auch Vorndran Daxenbergers Direktheit gut gefallen habe. Die Nachricht von Daxenbergers Tod nennt Maget "verheerend und niederschmetternd - obwohl man schon lange weiß, dass die Krankheit so schwer war".

"Eine Tragödie, die sprachlos macht"

Betroffen zeigt sich Ministerpräsident Horst Seehofer: "Eine Tragödie, die sprachlos macht. " Daxenberger sei eine Persönlichkeit gewesen, "wie sie typischer für unser Land nicht sein könnte. Selbstbewusst, kantig, willensstark und dabei erfüllt von einer tiefen Liebe zu seiner oberbayerischen Heimat." - "Ein auch für Außenstehende kaum zu ertragendes Drama", nennt es FDP-Landeschefin und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, dass Gertraud und Sepp Daxenberger innerhalb von drei Tagen dem Krebs erlagen.

Besonders verbunden fühlte sich Landtagspräsidentin Barbara Stamm ihrem Kollegen von den Grünen. Sie wusste, wie schwer sich Politik und Krankheit vereinen lassen, und hatte Daxenberger immer wieder im Landtag zur Seite genommen. "Er war ein bodenständiger, charismatischer, wertorientierter Mensch, der für seine Familie und Politik gelebt hat. Daraus hat er viel Kraft für seinen Kampf gegen seine schwere Krankheit geschöpft", sagt sie. Er habe sich die Wertschätzung des gesamten Parlaments erworben. "Sepp Daxenberger war ein Mensch, den man nur mögen konnte", sagt Hubert Aiwanger von den Freien Wählern.

Im Maximilianeum, Südbau, fünfter Stock, beginnt das Abschiednehmen. Im Besprechungszimmer S525 liegt ein Kondolenzbuch auf. Ebenso wie in der Grünen-Geschäftsstelle in der Sendlinger Straße in München. Der Besprechungstisch im Landtag steht jetzt am Fenster, eine grüne Tischdecke darauf, eine Kerze brennt, weiße Gladiolen, ein Foto aus besseren Tagen.

Ein paar Zimmer weiter, S511, ist Daxenbergers Büro. Da steht immer noch "Fraktionschef" auf dem Türschild. Ein Wahlplakat hängt an der Tür, Sepp Daxenberger lacht einen an: "Weiß-blaue Seele. Grünes Gewissen."

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