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Grünen-Initiative:Offensive für Agroforstwirtschaft

Hutewälder und Waldweiden, in denen die Bauern ihr Vieh fressen lassen, Streuobstwiesen, aber auch Hecken und Baumreihen zwischen den Feldern haben über Jahrhunderte ganz selbstverständlich zur Landwirtschaft gehört. Erst im Zuge der Spezialisierung und Technisierung der vergangenen 50 Jahre haben die Bauern die allermeisten dieser klassischen Elemente der Kulturlandschaft aufgegeben. So sind von 1955 bis 2010 vier Fünftel der Streuobstwiesen in Bayern verschwunden. Die Landtags-Grünen fordern jetzt eine Offensive für diese sogenannten Agroforstsysteme, wie die Kombination von land- und forstwirtschaftlicher Produktion neumodisch heißt. Als Grund nennen die Abgeordneten Gisela Sengl und Hans Urban die vielen positiven Effekte der Agroforstwirtschaft in Zeiten der Klimakrise.

Spezialisten wie der Agrarwissenschaftler Rico Hübner, der an der TU München arbeitet, oder der Forstwissenschaftler Frank Burger von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft predigen es seit langem: Agroforstsysteme sind wichtig für den Schutz von Feldern vor Erosion und Wind, sie verbessern das Klima in ihrem Umfeld, sie fördern den Humusaufbau und die Artenvielfalt. Deshalb plädieren auch sie für eine verstärkte Kombination von Land- und Forstwirtschaft. Die bisherigen Initiativen des Freistaats betrafen nur sogenannte Kurzumtriebplantagen, kurz Kups. Das sind Äcker, auf denen statt Mais oder Getreide schnell wachsende Gehölze wie Pappeln angepflanzt werden. Nach drei Jahren können die ersten abgeschnitten und zu Hackschnitzel verarbeitet werden. In Zeiten knapper und teurer Brennstoffe galten Kups als Zukunftsperspektive für die Landwirtschaft. Seit aber immer mehr Brennholz zu Spottpreisen angeboten wird, rentieren sich die Kups nicht mehr. Ihre Fläche stagniert bayernweit bei etwa 2000 Hektar - bei 3,1 Millionen Hektar Agrarland im Freistaat insgesamt. Den Grünen geht es in ihrer jetzigen Initiative denn auch nicht um Kups. Sondern darum, dass sich mit Agroforstwirtschaft der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und die Erzeugung von Lebensmitteln sehr effizient verbinden lassen, wie Sengl und Urban betonen. Dazu braucht es aus ihrer Sicht freilich spezielle Förderprogramme, mehr Forschung sowie eine gezielte Beratung und Ausbildung der Bauern.

© SZ vom 26.05.2020 / cws

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