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Grünen-Abgeordnete Ulrike Gote:"Es wurde eine Grenze überschritten"

Die Kirchenexpertin der Grünen, Ulrike Gote, über die christlichen Grundwerte ihrer Partei und darüber, warum die Grünen für manche Kirchenvertreter der Teufel der Neuzeit sind. Interview: Birgit Kruse

sueddeutsche.de: Bischof Mixa zielt ja nicht zum ersten Mal verbal auf die Grünen. Gilt Ihre Partei bei den Katholiken als der Teufel der Neuzeit?

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Ulrike Gote: "Wir haben das C zwar nicht im Namen aber wir haben es im Programm"

(Foto: Foto: privat)

Ulrike Gote: Das kann schon sein. Vielleicht brauchen manche Bischöfe ein neues Feindbild. Doch die Grünen sind dafür denkbar ungeeignet.

sueddeutsche.de: Das scheint Mixa aber anders zu sehen. Es ist nicht der erste Angriff auf die Grünen. Warum sind die Grünen so oft die Zielscheibe?

Gote: Wir Grüne sind diejenigen, die offene und kontroverse Debatten in der Gesellschaft vorantreiben. Ich denke, dass es der Kirche zunehmend schwerfällt, auf manche Entwicklungen in der Gesellschaft zu reagieren. Denn in manchen Punkten hat die Kirche ihre Entwicklung sehr verlangsamt. Ich denke da an das Familienbild, die Rolle der Frau in Gesellschaft und Kirche aber auch an das Verständnis von Demokratie und Transparenz. Und wir sind eben diejenigen, die in der Öffentlichkeit immer wieder die Finger in die Wunden legen. Und dadurch fühlt sich die Kirche offenbar selber in Frage gestellt.

sueddeutsche.de: Claudia Roth war mit ihren Äußerungen auch nicht gerade zimperlich.

Gote: Das ist harter Tobak. Aber ihre Äußerungen fallen nicht in die Kategorie, mit der zurückgeschlagen worden ist.

sueddeutsche.de: Sie selbst sind katholisch und sitzen für die Grünen im Landtag. Welche Gefühle lösen die Äußerungen bei Ihnen ganz persönlich aus?

Gote: Ich denke, da wurde ganz deutlich eine Grenze überschritten. Er muss ganz klar die Parallelen zum Nationalsozialismus zurücknehmen. Ich hoffe, dass es noch mal eine Aussprache oder eine Entschuldigung geben wird. Seit ich bewusst Christin bin, lebe ich ständig in einer Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche. Ich weiß sehr gut, dass die Bischöfe nicht meine Kirche sind. Kirche sind wir alle. Und das lass ich mir von einigen Bischöfen, die in manchen Punkten hinter der Welt sind und der Diskussion nicht standhalten können, auch nicht nehmen.

sueddeutsche.de: Denken Sie daran, Mixas Rücktritt zu fordern?

Gote: Nein. Ich sehe es als Politikerin nicht als meine Aufgabe an, den Rücktritt eines Bischofs zu fordern, da ich strikt für die Trennung von Kirche und Staat bin. Aber als Christin kann man sagen, dass Mixa nicht unbedingt geeignet ist, das Bischofsamt wahrzunehmen.

sueddeutsche.de: Welche Rolle spielen christliche Grundwerte bei grüner Politik?

Gote: Wir haben das C zwar nicht im Namen, aber wir haben es im Programm. Deswegen ist mir über solche Äußerungen, wie Mixa sie getan hat, überhaupt nicht bange. Denn wer sich mit unseren Inhalten beschäftigt, der wird eine große Übereinstimmung mit Themen wie Bewahrung der Schöpfung, der Natur oder der Würde des Menschen finden. Denken Sie nur an die Debatte um Gentechnik oder das Stammzellengesetz. Da sind wir sehr nahe an den Forderungen, die auch die Kirche vertritt.

Ulrike Gote ist kirchenpolitische Sprecherin der Landtags-Grünen und seit 2001 Mitglied im Landeskomitee der Katholiken.