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Großmetzgerei Sieber:Listerien: SPD übt scharfe Kritik am Vorgehen der Behörden

Fleischfirma Sieber

Vor Ostern waren in einem Schweinefleisch-Produkt von Sieber Listerien nachgewiesen worden.

(Foto: dpa)
  • Die Landtags-SPD kritisiert das Vorgehen der Behörden im Fall der Großmetzgerei Sieber.
  • Die Gesundheitsbehörden wussten dem Verbraucherschutzexperten Florian von Brunn zufolge schon seit Monaten, dass sich in Süddeutschland immer mehr Menschen mit dem gleichen Bakterienstamm infizieren.
  • Die Untersuchungen allerdings haben sich offenbar sehr lang hingezogen.

Das bayerische Umweltministerium und das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) geraten beim Thema Listerien unter Druck. Der SPD-Verbraucherschutzexperte Florian von Brunn wirft den Behörden vor, bei der Bekämpfung der Erkrankungswelle "an der Grenze zur Fahrlässigkeit" operiert zu haben. Denn die Gesundheitsbehörden wussten schon seit Monaten, dass sich in Süddeutschland immer mehr Menschen mit dem gleichen Bakterienstamm infizieren - doch die Untersuchungen hätten sie offenbar nicht mit der gleichen Akribie bei den Lebensmittelherstellern fortgesetzt.

"Ich habe Zweifel, ob Ministerium und LGL alle Möglichkeiten ausgeschöpft haben", sagt von Brunn. 76 Menschen sind seit 2012 bei dem Ausbruch erkrankt, acht starben. Erst vor vier Wochen konnten die Behörden eine Verbindung zur Großmetzgerei Sieber in Geretsried herstellen.

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Was haben Ministerium und Landesamt zuvor getan, um der Ursache für die Erkrankungswelle - immerhin die bislang größte in Deutschland - auf die Spur zu kommen? Das hatte der Landtagsabgeordnete im Plenum angefragt. Die Antwort des Umweltministeriums fällt aus seiner Sicht "arg dünn" aus, denn die Behörden erfuhren spätestens im Juli 2015 durch das Robert-Koch-Institut in Berlin von der Erkrankungswelle. Spätestens Anfang November 2015 gab es ein Muster, welche Lebensmittel und damit auch welche Hersteller infrage kommen.

Schon damals war auffällig, dass die Patienten selten Fisch, Käse, Tiefkühlprodukte und Fertigsalate essen - sondern am liebsten Fleisch, manche auch Milchprodukte und Gemüse. Das erklärten die Berliner Epidemiologen. Zudem vermuteten die Autoren eines wissenschaftlichen Artikels, darunter ein LGL-Mann, dass sich die Listerien über Waren einer Supermarktkette verbreiten, die nur in Süddeutschland in den Kühlregalen liegen. Geschehen ist nichts: Zu wenig Daten für ein gezieltes Untersuchungsprogramm, darauf beharrt das Umweltministerium. Erst als im Januar zwei Patienten von ihrer Vorliebe für rohen Schinken berichteten, nahm das LGL zusätzliche Proben des Produkts - in ganz Bayern zehn an der Zahl, alle frei von Listerien.

Die Maschinerie kam erst in Gang, als im März ein hoch belastetes Wacholderwammerl von Sieber in einem Supermarkt bei Nürnberg auftauchte. Seit November 2015 erkrankten zehn Menschen, zwei starben. Für von Brunn ist die Listerien-Welle damit wohl durch einen "Zufallsfund" aufgeklärt worden. Die Behörden hätten offenbar nie erwogen, welche Betriebe als Auslöser infrage kommen. "Sie haben die Sache als großen Erfolg dargestellt", sagt von Brunn, "aber jetzt sieht es nicht mehr danach aus."

In Alling (Landkreis Fürstenfeldbruck) ist am Mittwochein weiterer Fall von Wurstwaren bekannt geworden, die mit Listerien verunreinigt sind. Dabei handelt es sich um Produkte, die vom Besitzer eines Hofladens für den eigenen Verkauf hergestellt werden. Der Laden bleibt vorerst geschlossen. Ob es einen Zusammenhang mit anderen Listerienfunden gibt, ist derzeit noch nicht bekannt.

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