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Großmetzgerei Sieber:Auf der Jagd nach den Listeriose-Erregern

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Mikroskopische Aufnahme von Listerien

(Foto: imago/Science Photo Library)
  • Das Robert-Koch-Institut untersucht systematisch Listerien-Proben aus ganz Deutschland, um mögliche gemeinsame Infektionsquellen aufzuspüren.
  • Das Besondere an dem aktuellen Fall in Bayern ist nicht das Ausmaß, sondern dass nun endlich auch die Quelle nachgewiesen werden kann.
  • Wie die Bakterien in die Lebensmittel geraten konnten, sei derzeit noch unklar.

Die Fahndung nach den Erregern von bis zu 80 Listeriose-Fällen in Süddeutschland gestaltete sich wie eine kriminalistische Jagd. Neue Methoden der Erbgutanalytik hätten es überhaupt erst möglich gemacht, den Fall soweit aufzuklären, sagt Andreas Zapf, Leiter des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Nur mit dem neuen Verfahren gelang der Nachweis, dass Listerien-Proben von Patienten mit den Keimen identisch sind, die in Produkten der Großmetzgerei Sieber gefunden wurden.

Seit dem Jahr 2009 untersucht das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin Listerien-Proben aus ganz Deutschland systematisch mit dem Ziel, mögliche gemeinsame Infektionsquellen aufzuspüren. Weil zwischen Infektion mit dem Erreger und einem Ausbruch der Krankheit bis zu zwei Wochen vergehen können und Listeriosen von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich verlaufen, ist es meist sehr schwierig, den Ursprung zu finden. Der Keim des aktuellen Falls findet sich nach Angaben des RKI seit Ende 2012 bei einigen Listeriose-Patienten im süddeutschen Raum.

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Zusammen mit den zuständigen Landesbehörden versuchte das RKI, den Ursprung dieser Infektionen einzukreisen. Patienten, bei denen der fragliche Listerienstamm gefunden worden war, wurden mehrfach nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt, doch habe sich zunächst kein klares Bild gezeigt, sagt Zapf. Erst nachdem weitere Fälle aufgetaucht waren, hätten sich "vage Hinweise" auf Bauchspeck oder rohen Schinken als Quelle der Listerien ergeben. "Auch Experten brauchen Intuition und Glück, um solche schwachen Anzeichen überhaupt zu erkennen."

Seine Behörde habe daraufhin gezielt diese Produkte im Handel gekauft und Proben genommen. Die erste Erbgutanalyse zeigte dann bereits im März, dass die Krankheitserreger von etwa 40 Listeriose-Patienten identisch waren mit Keimen, die in einem "Original Bayerischen Wacholderwammerl" aus der Metzgerei Sieber nachgewiesen wurden. Nachfolgende Untersuchungen weiterer Sieber-Produkte führten zu weiteren Listerienfunden und am Montag schließlich dazu, dass der Großmetzger vorsorglich sein gesamtes Sortiment zurückrief.

"Wir gehen davon aus, dass Sieber-Produkte Ursprung der Infektion sind. Noch nicht klar hingegen ist die Zahl der Betroffenen", erklärt Zapf. Von den etwa 80 Verdachtsfällen stammen 22 aus Bayern, und bisher seien insgesamt erst etwa 40 molekulargenetisch untersucht worden. Bei einigen Fällen, die man zunächst der bayerischen Metzgerei zugeordnet hatte, stellte sich durch die Erbgutanalyse heraus, dass doch ein anderer Keim die Ursache war. "Es gibt viel mehr Fälle in Bayern", sagt Zapf, "bei den meisten wird aber der Ursprung nie gefunden." Das Besondere an dem aktuellen Fall sei nicht das Ausmaß, sondern dass "jetzt endlich mal die Quelle nachgewiesen werden kann".

Wie die Bakterien in die Lebensmittel geraten konnten, sei derzeit noch unklar, sagt Zapf. Die Erreger könnten mit der Rohware in die Metzgerei gelangt sein. Dann müssten aber wahrscheinlich auch andere Unternehmen betroffen sein. Dies werde laut Zapf zurzeit auch untersucht. Da bei der Verarbeitung Listerien durch Erhitzen abgetötet werden, gilt eine Kontamination zum Beispiel beim Verpacken der Ware als wahrscheinlicher.

Die Zahl der gemeldeten Listerien-Infektionen in Bayern ist in den vergangenen Jahren leicht angestiegen. Bis 2013 schwankten die Werte nach den Daten des RKI zwischen 74 und 40 Fällen pro Jahr, 2013 waren es 100 Fälle, im vergangenen Jahr 102. Eine Erklärung für den Anstieg in den vergangenen zwei Jahren hat Zapf nicht. Der Sieber-Fall könne nicht allein verantwortlich sein. Klar sei, dass sich das Meldeverhalten der Ärzte ändere, wenn solche Fälle publik werden. Auch in diesem Jahr rechnet Zapf mit höheren Meldezahlen. Nicht unbedingt, weil es mehr Erkrankte gibt, sondern weil die Aufmerksamkeit der Ärzte steigt.

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