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Post auf Instagram:Fußballer löscht Israel von virtueller Landkarte

16.06.2020 - Fussball - Saison 2019 2020 - 2. Fussball - Bundesliga - 32. Spieltag: SpVgg Greuther Fürth ( Kleeblatt ) -

Innenverteidiger Mergim Mavraj von Greuther Fürth.

(Foto: Wolfgang Zink/Imago)

Mergim Mavraj von Greuther Fürth steht in der Kritik wegen antisemitischer Äußerungen im Netz. Der Verein distanziert sich von seinem Beitrag, er selbst weist die Vorwürfe zurück.

Von Dietrich Mittler

Wieder einmal hat Mergim Mavraj, Innenverteidiger des Fußball-Zweitligisten Greuther Fürth, öffentlich seine israelfeindliche Haltung zur Schau gestellt - dieses Mal auf seinem Instagram-Account. Dort hat er unter dem Hashtag "FreePalestine" den Staat Israel kurzerhand von der Landkarte gelöscht. Stattdessen stand dort nun Palästina, geschmückt mit Rosen und anderen Blumen sowie dem Felsendom als einem der ältesten Sakralbauten des Islam in der Mitte. "Blumige Vernichtungsfantasie", sagt der Nürnberger Publizist und Historiker Jim Tobias, der den Vorfall über das deutschsprachige jüdische Onlineportal "haGalil" öffentlich gemacht hat. Mavraj habe kurzerhand den jüdischen Staat ausgelöscht - "zumindest virtuell", sagt Tobias.

Der deutsch-albanische Fußballer drückt nach Angaben des Nürnberger Publizisten "damit nicht zum ersten Mal seine Sympathie für fundamentalistisch-islamische Positionen aus". So etwa habe Mavraj in seiner Zeit beim 1. FC Köln auf seiner Webseite zum Beispiel ein Video der "Generation Islam" geteilt, in dem den Medien und dem deutschen Staat Hetzpropaganda gegen Muslime und den Islam vorgeworfen wird. In der Nürnberger Zeitung, die als erste Zeitung über den neuerlichen Eklat berichtete, hatte sich der Abwehrspieler von Greuther Fürth damit gerechtfertigt, er sei der Falschmeldung aufgesessen, dass Google und Apple Palästina als Staat von ihren Online-Landkarten entfernt hätten.

Mavraj hat seine Landkartenversion zwar bereits nach wenigen Stunden entfernt, was aber die öffentliche Empörung nicht geringer macht. Ludwig Spaenle, der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung, betonte am Freitag: "Es ist erschreckend, dass ein Spieler der zweiten deutschen Bundesliga auf Instagram eine Horrorvision der Gestaltung des Nahen Ostens gepostet hat, in der er das Existenzrecht Israels grundlegend in Frage gestellt hat." Mavraj gilt im Kreis der Sportjournalisten als jemand, der über den Fußballplatz hinaus durchaus Einfluss hat. Nach Spaenles Ansicht ist genau das aber das Problem. Mavraj missachte die Vorbildfunktion, "die Fußballspieler dieser Klasse in der Öffentlichkeit haben". Das sieht Daniela Eisenstein, die Leiterin des jüdischen Museums in Fürth, ganz genauso: "Mavraj repräsentiert den Fußballsport, doch da haben solche antisemitischen Beiträge nichts zu suchen. Denn Fußball verbindet Menschen weltweit."

Den Nürnberger Nachrichten erklärte Mavraj, er sei kein Antisemit. Der Rückschluss, dass er ein solcher sei, sei "in unseren Zeiten primitiv". Spaenle betont indes: "Er spricht dem Staat Israel das Existenzrecht ab." Mavrajs Beitrag belege eindeutig die Rolle des vermeintlich anonymen Internets als Brandbeschleuniger. "Das ist nicht zu tolerieren. Hier ist vor allem die Vereinsführung gefordert", sagte Ludwig Spaenle.

Greuther Fürth hat sich inzwischen von Mavrajs Instagram-Beitrag distanziert. "Als Verein stehen wir für Toleranz, Diversität und Gleichberechtigung und sind gegen Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung, was wir auch mit der Aktion #Vielfalt gewinnt regelmäßig zum Ausdruck bringen", heißt es in einer Stellungnahme. Diese Grundhaltung lasse sich auch an den Mannschaften erkennen, "in denen wir vielen Nationalitäten und Religionen eine fußballerische Heimat geben".

Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Bayern (RIAS Bayern), die Meldungen über antisemitische Vorfälle aufnimmt und von Antisemitismus Betroffene unterstützt, weiß aus ihren Beobachtungen, dass antisemitische Inhalte insbesondere über das Internet kursieren. Annette Seidel-Arpaci, die Leiterin von Rias Bayern, zeigt in ihren öffentlichen Vorträgen aber auch immer wieder auf, wie judenfeindliche Inhalte vom Internet auf die Straße getragen werden. "Aktuell erleben wir das auch im Zusammenhang mit der Corona-Krise, dass in abstrusen Verschwörungstheorien Juden beleidigt und verunglimpft werden." Was Mergim Mavraj und seine am 16. Juli gepostete Grafik betrifft, steht für Seidel-Arpaci fest: "Mavraj scheint sich mit dieser Grafik eine Welt zu wünschen, in der Juden dem Antisemitismus schutzlos ausgeliefert wären." Die Gefahr: Mit 128 000 Abonnenten auf Instagram und fast einer halben Million auf Facebook habe Mavraj eine große Reichweite.

© SZ vom 25.07.2020/syn
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