Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme":"Sie predigen Frieden und quälen ihre Kinder"

So konnte es geschehen, dass die Prügel trotz des Wissens der Behörden und trotz der staatlichen Aufsicht weitergingen. "Wir haben uns bemüht", sagt Landrat Rößle. "Aber die Kinder haben bei direkten Befragungen ohne Eltern gesagt, dass sie nicht geschlagen wurden." Er spricht von einem "unheimlichen Einfluss" der Eltern auf die Kinder: "Denen wurde beigebracht, dass alle Leute vom Landratsamt böse Menschen sind."

Angesichts der "erschütternden" Bilder kann sich Rößle "schwer vorstellen", dass die Kinder wieder zu ihren Eltern zurückgebracht werden. Den Eltern wurde das Sorgerecht vorläufig entzogen, die endgültige Entscheidung hierüber fällen die Familiengerichte in Nördlingen und Ansbach. Beide wollen noch in dieser Woche mit den Anhörungen der Eltern beginnen.

Von diesem Donnerstag an sollen alle schulpflichtigen Kinder eine staatliche Schule besuchen. Wann die Eltern ihre Kinder wieder sehen können, ist offen. "Das wird sehr behutsam vonstatten gehen müssen", sagt Rößle, "Wenn, dann wird das nur zeitlich begrenzt sein und wir werden dabei sein." Der Donauwörther Jugendamtsleiter Alfred Kanth zeigte sich beim Anblick der Prügelszenen "fassungslos": "Sie predigen Frieden und quälen ihre Kinder."

Von der Gemeinschaft der Zwölf Stämme in Klosterzimmern war am Dienstag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Unter der Telefonnummer der Gemeinschaft in Wörnitz (Kreis Ansbach) antwortete ein Mann, der seinen Namen nicht nennen wollte. Er bezeichnete den TV-Beitrag als Lüge und Fälschung. Auf ihrer Internetseite schreibt die Sekte von einem Vorwand, unter dem die Kinder "den liebenden, fürsorglichen Händen der Eltern entrissen" worden seien.

Auch das bayerische Kultusministerium hatte am Dienstag nur einen negativen Bescheid für die Gemeinschaft: Sie darf vorerst keine neue Privatschule aufmachen. Der Antrag der Gruppierung von Mitte August sei derzeit nicht genehmigungsfähig, sagte Sprecher Ludwig Unger. Den Lehrern fehle eine ausreichende Qualifikation. Außerdem müssten zunächst die massiven Vorwürfe gegen die Glaubensgemeinschaft geprüft werden.

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