Gillamoos-Spektakel Double schlägt Originale

Großer Auftritt: Beim Gillamoos-Volksfest in Niederbayern hat Stoiber-Imitator Krebs mehr Zuschauer ins Zelt gelockt als so mancher prominente Politiker - und wirkte zur großen Erheiterung des Publikums beinahe überzeugender als der Noch-Ministerpräsident.

Von Rolf Thym

Das im Jahr 1313 erstmals urkundlich erwähnte Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg hat seinen Namen von einer Wallfahrt zu Ehren des Heiligen Ägidius, im Volksmund "Gilg" genannt.

Gibt gern und gut den Stoiber: Wolfgang Krebs

(Foto: Foto: dpa)

Er gilt als Nothelfer in großer geistiger Not. Dies wiederum schlägt den inhaltlichen Bogen zu den Auftritten von Politikern, die nun schon im dritten Jahrzehnt jeweils am letzten Tag des großen Rummels mit höchst unterschiedlichem Erfolg in den diversen Bierzelten aufs Volk einreden - natürlich gleichzeitig und in fünffacher personeller Ausfertigung.

Solch einen geballten, auf einen Ort konzentrierten Auftrieb an mehr oder minder gehobener politischer Prominenz kann nicht einmal der viel berühmtere Politische Aschermittwoch im östlichen Niederbayern bieten - und erst recht nicht einen Redner, der im kabarettistischen Nebenerwerb den Edmund Stoiber gibt und dabei zur großen Erheiterung des Publikums beinahe überzeugender wirkt als das Original.

Wolfgang Krebs, den Zuschauern des BR-Fernsehmagazins "Quer" als Ministerpräsidenten-Schlussnummer bekannt, hat am Montag in Abensberg seinen bislang größten Live-Auftritt absolviert. 2000 Gäste lockte er dabei ins Ottenbräu-Zelt. Das war auf Anhieb Platz zwei in der Publikumsgunst nach Bundesagrarminister Horst Seehofer, der im Höfbräu-Zelt nebenan seine Rede hielt.

Auf dem dritten Rang - gnädig gezählt 1000 Zuschauer - landete beim Jungbräu die SPD mit dem Bundestagsabgeordneten und Ex-Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Walter Kolbow. Weit abgeschlagen blieben die Grünen im Weißbierstadl mit dem Landesvorsitzenden Sepp Daxenberger und dem Energiefachmann Hans-Josef Fell (geschätzt: 350 Gäste) sowie die FDP, deren anfangs 100 Anhänger während der Rede des bayerischen Generalsekretärs Martin Zeil nach und nach das Weinzelt flohen.

Beim Stoiber-Double aber gab es fortwährendes Johlen, Lachen und Klatschen, sehr zum Vergnügen des Brauereieigentümers Robert Neumaier, der Wolfgang Krebs verpflichtet hatte, "weil die Leute immer mehr die Nase voll haben von den Politikern". Der falsche Stoiber überzeugte mit einer hohen "Äh"-Dichte und einer für das Vorbild typischen Gedankenflut, der das gesprochene Wort meist nur noch mit sich überstürzenden Versprechern mühsam folgen kann.

Horst Seehofer sei, so befand Stoiber-Krebs, schon deswegen geeignet für den CSU-Vorsitz, weil er "umgehen kann mit dieser enormen Macht in den Lenden, ähähäh, Händen". Und was den Rücktritt angeht, so "ist das eine gestaffelte Übergabe von mir an mich".

Im Gegensatz zu den Realpolitikern kam Wolfgang Krebs so gut an, dass dies - wenn er denn will - nicht sein letzter Auftritt beim Gillamoos gewesen sein muss. Denn den Beckstein kann er auch schon.

Horst in Huber-Land

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