Jedes Jahr im September wird die niederbayerische Kleinstadt Abensberg zur politischen Arena. Auf dem Gillamoos-Volksfest messen sich die Parteien in parallel stattfindenden Bierzelt-Reden. Die SZ berichtete an diesem Montag im Liveblog:
Wichtige Updates
Nachhilfe von den Grünen für Söder beim Thema Flaschendeckel
Aiwanger hält ein Plädoyer für Naturheilkunde
Söder gibt Habeck die Schuld an der Wirtschaftskrise
Katrin Ebner-Steiner (AfD): "Abschieben, bis die Startbahnen in München glühen"
Auf dem Volksfestplatz in Abensberg leeren sich langsam die Zelte. Im Härteis-Zelt verschwinden die SPD-Fähnchen von den Tischen, dafür kommen Familien mit Kinderwagen zum Mittagessen.
Ein erstes Fazit: Es ging schon mal wilder zu am Gillamoos.
Damit verabschieden wir uns auch aus diesem Live-Blog. Danke fürs Mitlesen und bis zum nächsten Jahr!
Ein erstes Fazit: Es ging schon mal wilder zu am Gillamoos.
Damit verabschieden wir uns auch aus diesem Live-Blog. Danke fürs Mitlesen und bis zum nächsten Jahr!
Seitenhieb von den Grünen: Wohnungsnot und Söder-Kebab
Bei den Grünen lästert auch Katharina Schulze lustvoll auf Söders Essgewohnheiten ab. „Söder-Kebab wird den Menschen nicht helfen, bezahlbare Wohnungen zu finden“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen bayerischen Landtag. Seine Politik sei Ablenkung von dem, was wirklich getan werden müsse.
Nicht ohne Sonnenblume: Grünen-Chef Banaszak und Landtagsfraktionsvorsitzende Katharina Schulze. Nina von Hardenberg
Der Trachtenjanker als kulturelle Aneignung?
Und wir hier im SZ-Hochhaus fragen uns, was das für ein Viecherl sein soll zu Banaszaks Füßen. Ein Erdmännchen-Gag? Ein Stehaufmännchen-Symbol?
Die Kollegin Nina von Hardenberg hat sich natürlich umgehört. Das Ergebnis? Niemand weiß es. Dekoration. Dafür erzählte Banaszak noch, dass er sich den Janker extra in einem bayerischen Trachtenladen in Berlin gekauft habe. Ist das schon kulturelle Aneignung?
Im Weißbierstadl feiern sie den "Hubert" Hubert! Hubert"
Zum Schluss warnt Hubert Aiwanger davor, dass Deutschland bald „in einer islamistischen Diktatur aufwachen“ könnte. Dann ist seine Rede zu Ende, nach fast einer Stunde. Die Blaskapelle „D‘Spreißler“ spielt „Gott mit dir, du Land der Bayern“, danach die Deutschlandhymne. Das Weißbierstadl singt mit, dann Sprechchöre: „Hubert! Hubert! Hubert!“
„Der mit der Wurst tanzt“
Auch der Gast aus Berlin, Grünen-Chef Felix Banaszak, stichelt gegen den, „der mit der Wurst tanzt“. Er habe ein bisschen Mitleid mit Friedrich Merz entwickelt, sagte Banaszak. „Der hat‘s nicht leicht, der muss dauernd Markus Söder im Koalitionsausschuss treffen."
Nina von Hardenberg
Nachhilfe von den Grünen für Söder beim Thema Flaschendeckel
Katharina Schulze und auch ihre Vorrednerin, die Landtagsabgeordnete Mia Goller, arbeiten sich lustvoll an Markus Söder und seinen Problemen mit den Flaschendeckel ab. Nachdem er kein Ampel-Bashing mehr betreiben kann, hat der Ministerpräsident zuletzt immer wieder die EU und ihre vermeintlich sinnlosen Vorschriften ins Visier genommen. Er sei verzweifelt über die Coladeckel, die ihm ins Auge stechen, klagte er bei jeder Gelegenheit. Man muss dem Söder das nachsehen, er ist Franke, ätzte Goller und ploppte eine Bierflasche mit Schnappverschluss auf. In Niederbayern käme man mit den integrierten Verschlüssen schon sehr lange, sehr gut zurecht. „Ich kann nur sagen, trink statt deiner Cola öfter mal ein Schnapperl-Bier“.
Aiwanger hält ein Plädoyer für Naturheilkunde
Im Weißbierstadl blickt Hubert Aiwanger zurück auf die Corona-Pandemie. Er hält ein Plädoyer für die Naturheilkunde - und „gegen sogenannte Wissenschaftler“. Überhaupt, sagt Aiwanger: „Wir wollen wieder die Meinungsfreiheit und das freie Wort“, keinen „Maulkorb“. Und keine „politischen Strippenzieher, die sagen: Wir sollen kein Fleisch mehr essen.“ Die Menschen im Stadl sitzen über Schweinsbraten und Wurstsalat und klatschen. Sie machen einen zufriedenen Eindruck.
Andreas Glas
Söder hat noch eine Anmerkung zur Musik
Zum Ende von Söders Gillamoos-Rede ertönt wie bereits zum Anfang der Imperial March, der Soundtrack des Star-Wars-Bösewichts Darth Vader. Der CSU-Chef interveniert, die Musik stoppt. „Das Falsche an der Musik“, so Söder: „Die dunkle Seite der Macht sind die anderen."
Auf der Bühne erhält der CSU-Chef von den niederbayerischen Gastgebern noch ein Geschenk. Ein Schild, Söder hält es in die Höhe: „Mister President“, steht drauf. 2027 wird der nächste Bundespräsident gewählt, ein Hinweis? „Müssen wir im Landtag mal drüber beraten“, sagt Söder. Eigentlich werden ja einer Parteikollegin Söders Ambitionen auf das höchste Amt im Staat nachgesagt: Landtagspräsidentin Ilse Aigner.
Auf der Bühne erhält der CSU-Chef von den niederbayerischen Gastgebern noch ein Geschenk. Ein Schild, Söder hält es in die Höhe: „Mister President“, steht drauf. 2027 wird der nächste Bundespräsident gewählt, ein Hinweis? „Müssen wir im Landtag mal drüber beraten“, sagt Söder. Eigentlich werden ja einer Parteikollegin Söders Ambitionen auf das höchste Amt im Staat nachgesagt: Landtagspräsidentin Ilse Aigner.
Man dürfe "nicht überall Rassisten sehen", wenn einer seine Meinung sage
Die AfD hat auch den Aktivisten Serge Menga eingeladen, gebürtiger Kongolese, mit elf Jahren nach Deutschland gekommen. "Der schwarze Bomber aus dem Kongo", nennt er sich selbst, der heute "vor einer ganzen Menge Weißbrote" spricht. Er halte nichts von politischer Korrektheit, sagt er, man dürfe zum Beispiel einen "Neger" bestellen im Lokal, das Gemisch aus Bier und Cola. Man dürfe "nicht überall Rassisten sehen", wenn einer seine Meinung sage, und gleich mit der "Nazi-Keule" kommen. Er sei hier bei der AfD weder "Quoten-Neger" noch "Hofnarr".
Zur Migration seit 2015 findet Menga: "Die Liebe, die wir ihnen entgegengebracht haben, wurde verraten." Wobei diese Liebe bei den Politikern und Gästen hier noch nie so sonderlich ausgeprägt gewesen sein dürfte.
Johann Osel
Bei der SPD spielt wieder die Musik
Ruth Müller macht im Härteis-Zelt die Rausschmeißerin. Dass das Bierzelt gerockt werde, da habe man warten müssen, „bis einer aus Bremen kommt“, sagt die Generalsekretärin der Bayern-SPD. Klar, das ist hauptsächlich als Verweis gedacht auf die Queen-Einlage von Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Aber über Unterstützung im anstehenden Kommunalwahlkampf würde sich die bayerische SPD trotzdem freuen. Vielleicht sollte Bovenschulte mal für eine Woche herkommen, sagt Müller, „nimmst dir ein Zimmer“. Damit endet bei der SPD der politische Gillamoos 2025, auf der Bühne übernimmt die Kapelle.
Söder gibt Habeck die Schuld an der Wirtschaftskrise
Deutschlands Wirtschaft steckt seit Jahren in der Rezession, für Söder ist die Verantwortung klar. "Das ist schon die Ampel-Talfahrt", sagt der CSU-Chef, dessen Partei seit dem Frühjahr Teil der schwarz-roten Bundesregierung ist. „Schuld ist natürlich der Minister, mein Freund Robert Habeck.“ Söder wirft ihm verfehlte Förderpolitik vor, etwa wegen der abrupten Streichung der E-Auto-Prämie.
Nach dessen Abschied aus der Bundespolitik ruft Söder dem ehemaligen grünen Wirtschaftsminister hinterher: "Geh mit Gott, geh aber weit weg und komm nie wieder zurück in die Politik."
Nach dessen Abschied aus der Bundespolitik ruft Söder dem ehemaligen grünen Wirtschaftsminister hinterher: "Geh mit Gott, geh aber weit weg und komm nie wieder zurück in die Politik."
„Große Geste, nichts dahinter, ihr kennt das aus der Landespolitik.“
Andreas Bovenschulte, SPD-Bürgermeister von Bremen, stellt die wirtschaftlichen Gemeinsamkeiten zwischen dem Freistaat und seinem Bundesland hervor. Beide seien zum Beispiel in der Raumfahrt stark. Beide belasteten aber auch dieselben Probleme. Es brauche bessere Rahmenbedingungen, etwa ein neues Zollabkommen mit den USA. Hier helfe das Eigenlob der EU-Kommission nicht weiter. „Große Geste, nichts dahinter“, sagt Bovenschulte, „ihr kennt das aus der Landespolitik.“
Bei anderen Themen gehen die Ansichten dafür umso weiter zwischen Bayern und Bremen auseinander. Ein Systemwechsel beim Sozialstaat, wie ihn Bayerns Ministerpräsident Söder und andere aus der Union gefordert haben, steht für Bovenschulte nicht zur Debatte: „Das lassen wir denen nicht durchgehen.“
Er kritisiert außerdem, dass sich Teile der Union so stark von rechter Hetze beeinflussen ließen. Dabei sei es mit der AfD wie mit Schimmel: „Sobald es ein bisschen feucht wird, breitet er sich aus.“ Sein Schlusswort? „Politik darf sich nicht in Schlagzeilen erschöpfen“, Politik müsse für die Zukunft sorgen. „Lasst uns anpacken, im Norden wie im Süden.“ Das reißt die Genossinnen und Genossen noch mal von den Bänken, diesmal ganz ohne Gesangseinlage.
Er kritisiert außerdem, dass sich Teile der Union so stark von rechter Hetze beeinflussen ließen. Dabei sei es mit der AfD wie mit Schimmel: „Sobald es ein bisschen feucht wird, breitet er sich aus.“ Sein Schlusswort? „Politik darf sich nicht in Schlagzeilen erschöpfen“, Politik müsse für die Zukunft sorgen. „Lasst uns anpacken, im Norden wie im Süden.“ Das reißt die Genossinnen und Genossen noch mal von den Bänken, diesmal ganz ohne Gesangseinlage.
Hubert Aiwanger grüßt die "lieben Boomer"
Hubert Aiwanger begrüßt explizit auch die „lieben Boomer“ im Publikum - und ledert direkt los. Gegen Bundeskanzler Friedrich Merz („Regierung der enttäuschten Hoffnungen“), gegen dessen Koalition („Berliner Chaos-Klub“) gegen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen („Liebe Uschi, fahr bitte den Rest deines Lebens in den Urlaub“) - und vor allem gegen Migranten. Gegen „nordafrikanische Migranten“, die andere mit Messern attackieren, gegen „Rumänen“, die „unsere Frauen“ angreifen. Hier beim Gillamoos sei „die Stunde, die Wahrheit beim Namen zu nennen“. Dafür, sagt Aiwanger, „brauchen wir keine anderen Parteien“. Er meint, logisch: die AfD.
Tino Chrupalla (AfD) fordert Stopp der Waffenlieferungen an die Ukraine
Bei der AfD spricht jetzt Bundeschef Tino Chrupalla, wenig Gags, viel Programmatik - "Klimawahn", Renten und Steuern, "Bürgergeld als Migrantengeld". Trotzdem bekommt er viel Zwischenapplaus. Am meisten bei der Forderung nach einem "Stopp der Waffenlieferungen an die Ukraine", dies seien "Milliarden für ein korruptes Land". Und man lasse nicht "unsere Kinder und Enkelkinder für diesen sinnlosen Krieg verheizen". Die Wiese ist inzwischen brechend voll, die langen Schlangen am Bierstand gehen quer durch das Areal.
Tino Chrupalla beim Gillamoos. dpa
Söder bezeichnet Erbschaftsteuer als "Neidsteuer“
In den vergangenen Wochen hat Söder wieder und wieder eine Reform der Erbschaftsteuer gefordert. Er will die Abgabe regionalisieren und in Bayern halbieren. Bundeskanzler Friedrich Merz hat der Idee bereits eine Absage erteilt, doch Söder lässt nicht locker. "Ich kämpfe weiter für eine Änderung der Erbschaftsteuer.“ Für viele, sagt Söder, sei sie eine "Neidsteuer".


