Giftmüll am Schliersee:"Eine Umwelt-Sauerei sondergleichen"

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PVC-Reste, Batterien, Stromkabel: Am Schliersee wurde ein Weg mit schadstoffhaltigem Restmüll gebaut. Die Genehmigung kam vom Landratsamt Miesbach. Dort wurde wurde zunächst alles abgewiegelt - nun räumt die Behörde Fehler ein.

Von Korbinian Eisenberger, Miesbach

Müll im Wald abzuladen gilt seit jeher als Frevel, vor allem in Bayern wünscht man den Übeltätern sämtliche Gschertheiten an den Hals. Die Schuldigen werden zwar selten erwischt - in Miesbach, einem jüngeren Tatort, scheinen die Verschmutzer jedoch überführt. Tatsächlich hat dort das Landratsamt höchstselbst die Genehmigung erteilt, eine verdächtig unsortierte Ladung Schutt für einen Wegbau in den Bergwald über dem Schliersee zu kippen.

Erst jetzt, sieben Monate später, haben die Verantwortlichen eingeräumt, dass dabei "kein vorher zertifiziertes und gütegesichertes Bauschuttrecyclingmaterial verwendet" wurde. "Das ist eine Umwelt-Sauerei sondergleichen", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn. Laut Umweltbundesamt hätte das Material von vornherein "nicht in die Natur sondern in die Müllverbrennung" gehört.

PVC-Reste, Batterien und Stromkabel

Unter den Schutt-Materialien, die zur Befestigung eines Waldwegs verwendet wurden, hatte ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks zuvor PVC-Reste, Batterien und Stromkabel ausgemacht. Laboruntersuchungen im Auftrag des BR hätten ergeben, dass Teile des Materials mit krebserregenden, umweltschädlichen Stoffen belastet seien.

Unter Druck geriet das Landratsamt Miesbach jedoch vor allem aufgrund seiner widersprüchlichen Stellungnahmen. Noch vor kurzem hatte die Behörde verkündet, eine "gewisse technisch bedingte Verunreinigung des aufbereiteten Bauschuttes" sei "unvermeidbar". Bezogen auf die Gesamtmenge an Schutt sei diese "Verunreinigung" jedoch unproblematisch. Bis zum Wochenende blieben die Verantwortlichen aber bei ihrer Behauptung, dass der zulässige Schadstoffgrenzwert dabei nicht überschritten wurde.

Weitere Probe für diese Woche geplant

Tatsächlich ist es durchaus üblich und ökologisch sinnvoll, Wege mit Bauschutt zu befestigen. Dabei gilt jedoch - und dies schreibt auch das "Merkblatt zur Verwendung von Bauschutt beim Wegebau" des Landratsamts Miesbach vor - dass der Schutt entsprechend aufbereitet, getrennt und vor der Freigabe überprüft wurde.

Dass es im Miesbacher Fall zu einer solchen Prüfung nie kam, ist nach Angaben des Landratsamts auf einen im Landkreis ansässigen Betrieb zurückzuführen. Der Unternehmer habe zwei Analysen und ein Zertifikat vorgelegt, welches sich "im Nachhinein allerdings für den vorliegenden Fall als unbrauchbar erwies." Dieser Umstand sei "den zuständigen Mitarbeitern des Landratsamts zunächst nicht ersichtlich" gewesen, heißt es in einer Presseerklärung vom Montag. Darin heißt es: "Falls die Grenzwerte überschritten sind, wird umgehend eine Entfernung angeordnet."

Zweifel daran scheint kaum noch jemand zu haben. Um Klarheit zu schaffen, soll noch in dieser Woche eine weitere Probe genommen werden, die das Landratsamt in Absprache mit dem Landesamt für Umwelt und dem Umweltministerium in Auftrag gegeben hat. Dann dürfte endlich feststehen, wie schädlich der scheußliche Schutthaufen im Wald oberhalb des Schliersees tatsächlich für Mensch und Natur ist.

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