Gewerkschaft IG Metall protestiert gegen Werkverträge

Knapp 80 Prozent der bayerischen Unternehmen setzen Werkverträge ein - bei steigender Tendenz. Das ergab eine Befragung der IG Metall bei Betriebsräten in fast 600 Betrieben. Bezirksleiter Jürgen Wechsler sagte am Montag in München, dass die Gewerkschaft nichts gegen sachlich begründete Werkverträge habe, wenn etwa ein Unternehmen seine Hallen von einer externen Firma neu streichen lässt. Aber die konkreten Zahlen lassen für Wechsler nur den Schluss zu, "dass sich die Fremdvergabe als Instrument etabliert, Kosten zu senken und sich fairen Tarifverträgen zu entziehen - auf dem Rücken der Beschäftigten". Entgegen Behauptungen von Arbeitgeberseite würden Unternehmen Mitarbeiter mit Werkverträgen in der Produktion, in der Montage sowie in den Bereichen Logistik, Entwicklung oder Engineering einsetzen - Tätigkeiten, die zur Kernkompetenz der Betriebe gehören. Wechsler: "Dadurch werden Tarifverträge unterlaufen, Beschäftigte um Leistungen bei Entgelt oder Urlaub gebracht sowie Belegschaften gespalten". Die IG Metall will deshalb ihren Einsatz gegen den Missbrauch von Werkverträgen für Lohndumping verstärken. Am Donnerstag sind Tausende von Mitarbeitern zu Protestaktionen in ihren Betrieben aufgerufen.

Die bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber wiesen die Kritik umgehend zurück: Werkverträge seien seit mehr als einem Jahrhundert ein selbstverständlicher Teil des Wirtschaftslebens. Von Missbrauch oder Lohndumping könne keine Rede sein. Verbandschef Bertram Brossardt: "Werksvertragsnehmer haben dieselben Rechte wie alle Arbeitnehmer." Die rechtlichen Bestimmungen müssten konsequent umgesetzt werden. Brossardt: "Wer Werkverträge diskreditiert, redet Verlagerungen das Wort."