Gewerbegebiete an der A 8Die Route der Goldgräber

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Die A8 bei Irschenberg. Für den Ort interessieren sich viele Autofahrer nicht. Sie kennen nur den exponiert gelegenen Rasthof.
Die A8 bei Irschenberg. Für den Ort interessieren sich viele Autofahrer nicht. Sie kennen nur den exponiert gelegenen Rasthof.
Claus Schunk

Heimatminister Söder will mehr Gewerbegebiete in Bayern zulassen. Entlang der Autobahn von München nach Salzburg herrscht längst Goldgräberstimmung - hier gibt es fast alles vom Outdoor-Erlebnispark bis zur Kaffeerösterei.

Von Heiner Effern, Anne Kratzer und Mike Szymanski, Holzkirchen

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Hinter der Autobahnausfahrt A 8 bei Holzkirchen liegt ein Versprechen. Nicht auf Berge. Sondern auf Geschäfte. Big Business. 15 Hektar sind frisch hergerichtet. Ein Baukran steht hier in der Landschaft, eine Halle wächst aus dem Boden. Zu Orten wie diesen sagt man ja gerne mal: grüne Wiese. Geht es danach, dann gedeiht hier, rechts und links der Autobahn von München nach Salzburg vor allem eines: Gewerbe. Diese Pflanze ist grau, braucht offenbar nicht besonders viel zum Leben. Und wenn sie erst einmal Wurzeln geschlagen hat, bleibt sie sehr, sehr lange.

Auch Elisabeth Dasch, die Zweite Bürgermeisterin von Holzkirchen, gehört zu den Züchtern: "Gewerbegebiet Föching", heißt deren Schöpfung. "Wir haben die Lage bewusst so gewählt, sehr attraktiv, direkt an der Autobahn", sagt die Lokalpolitikerin. "So schnell wollten wir das Gewerbegebiet gar nicht vollkriegen. Aber manche Firmen kann man gar nicht ablehnen." Die Firma Bosch will hier ihre Ingenieure tüfteln lassen, Zulieferer für die Automobilbranche lassen sich nieder, ein Schraubenhersteller plant ein Auslieferungslager. Ein "Glücksfall", sagen die Politiker in Holzkirchen. Wer sein Gewerbegebiet voll hat, muss alles richtig gemacht haben.

Überblick über die Gewerbegebiete.
Überblick über die Gewerbegebiete.
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Überhaupt scheint Goldgräberstimmung entlang der A 8 zu herrschen. Die Verkehrsachse kommt einem in den Sinn, wenn man über die jüngste Vision von Heimatminister Markus Söder (CSU) nachdenkt. Er will mehr Gewerbegebiete in Bayern zulassen. Die Gemeinden sollten selbst Geld verdienen, dann müsse der Freistaat ihnen weniger geben. An der A 8 hat man nur auf solch einen Vorstoß gewartet. "Wir sind in den Startlöchern", sagt Thomas Gasser, Bürgermeister von Teisendorf.

Der Ortsteil Neukirchen liegt direkt an der Autobahn, und wer Gasser eine Zeit lang zuhört, bekommt den Eindruck: Wer hier beim Geschäftemachen mit einem eigenen Gewerbegebiet nicht mitmacht, ist schön blöd. "Tanken, Einkaufen, Konsum" - das ist moderner Handel an dieser Verkehrsachse. Wer die Autobahn schon vor der Nase hat, der möchte auch die Vorteile, nicht nur die Nachteile. Das heißt für den Bürgermeister: Aufmerksamkeit. Sie wünschen sich hier einen "Outdoor-Erlebnispark" samt Hotel, für gut 30 Millionen Euro. Wenn die anderen fleißig bauen könnten, dann müsse das auch in Neukirchen möglich sein, heißt es hier.

Autobahnausfahrten werden zu Konsumstätten

Im gesamten Verlauf der Autobahn von München nach Salzburg wächst seit etwa 15 Jahren ein Gewerbegebiet nach dem anderen aus dem Boden. Autobahnausfahrten werden zu Konsumstätten. Gut 20 Kilometer südlich von Holzkirchen liegt auf einer Anhöhe das Dorf Irschenberg. Doch für diesen Ort interessieren sich viele nicht. Sie kennen nur den berühmten, exponiert gelegenen Rasthof, das Schnellrestaurant daneben, die Kaffeerösterei, den Fan-Shop des FC Bayern, ein Modegeschäft.

Bürgermeister Hans Schöner wirbt seit Jahren mit dem gleichen Slogan: "Wer in Irschenberg seinen Betrieb ansiedelt, hat in acht Wochen eine Baugenehmigung." Da muss auch was dran sein. Eine ganze Reihe von Mittelständlern hat sich jedenfalls hier in den vergangenen etwa zehn Jahren angesiedelt. Gut 3000 Menschen wohnen im Dorf und den Weilern der Gemeinde. Auf jeden von ihnen kommen 25 Quadratmeter Gewerbefläche an der Autobahn.

In Rosenheim kann man Möbel und Baubedarf an der Autobahn kaufen. In Frasdorf überlegen sie noch, wie sie ihre Flächen an der Autobahn vermarkten. Am Chiemsee sind die Orte schon weiter. In Bernau entsteht neben dem Outlet einer regionalen Modemarke gerade eine neue Halle, in direkter Nachbarschaft zur Ortstankstelle, die aber schon Autobahndimensionen aufweist.

Am anderen Ende des Sees, direkt hinter dem einzigartigen Naturschutzgebiet der Tiroler Achen, leuchten die Schilder einer Fastfood-Kette, daneben hat groß ein Uhren- und Brillenproduzent sein Hauptquartier errichtet. Die Tankstelle heißt hier aus guten Gründen Tankzentrum.

Sie gehört Alois Lex, 46, der mit seiner Tankstelle vor zwei Jahren vom Ortsinneren von Grabenstätt an die Autobahnausfahrt gezogen ist. Natürlich der Geschäfte wegen. Seither tanke "ganz Europa" bei ihm, erzählt er. Zehn Zapfsäulen statt zwei hat er mittlerweile, und während er früher allein hinter der Kasse stand, besteht sein Team nun aus 15 Leuten.

Das Argument, das kleine Gewerbegebiet versaue die Landschaft, hört er selten. Im Gegenteil. Die Leute fänden seine Tankstelle ganz toll, erzählt er. Dann steigen sie wieder ins Auto und fahren weiter. Sie sind ja auch nur auf der Durchreise. Der Bürgermeister Georg Schützinger (CSU) freut sich darüber, dass sein Dorf schuldenfrei ist.

Das Gewerbegebiet ist voll - wie sollte es auch anders sein.

© SZ vom 12.08.2014 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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