Gewerbegebiet in Tuntenhausen Wenig Materialien, freundliche Optik, funktional

Die Gebäude sind funktional gegliedert in Büro-, Produktions- und Werkstattbereiche, was auch in der Materialwahl deutlich wird: In den Büro- und Eingangsbereichen wurden unbehandeltes Lärchenholz und Glaselemente verwendet, während die Werkstatt- und Produktionsbereiche in Sichtbeton und Glas ausgeführt sind.

Die freundliche Optik profitiert von der Reduzierung auf wenige Materialien. "Glas, Holz, Sichtbeton, mehr gibt's nicht", sagte Gaigl. Auch die Außenanlagen sind durch Materialwechsel gekennzeichnet: Asphaltdecke für die Fahrbahn, Steinpflaster für Aufenthalts- und Parkflächen, dazu landschaftlich passende Baumgruppen. Weil es keine Parkplatzbeleuchtung und keinen Zaun gibt, verläuft der Übergang in die Hügel harmonisch und ohne Brüche.

"Natürlich ist bei einer solchen geografischen Lage mehr Planung nötig", sagte Gaigl. Dafür zeigen die Gebäude, dass ein Gewerbegebiet nicht zwangsweise hässlich sein muss. Die Anwohner sind ebenso wie die Menschen, die hier arbeiten, umgeben von guter Architektur.

Visueller Terror: Die üblichen Gewerbegebiete in Bayern sind meist schrill, schräg, hässlich.

(Foto: Stephan Rumpf)

Bedrohung durch den "visuellen Terror"

Der landesübliche Standard aus Billigbauten und Containerarchitektur mitsamt Reklameschildern verströmt hingegen Trostlosigkeit. Der frühere Erdinger Kreisheimatpfleger Uwe Wilsdorff sprach diesbezüglich einmal von einem "visuellen Terror".

Einige Gemeinderäte, die an der Begehung in Hohenthann teilnahmen, warfen ein, dass man gute Gewerbegebiete mit dem Instrument Bebauungsplan nicht herbeizaubern könne. In Zeiten, in denen Gemeinden allein über Baugestaltung entscheiden, brauche man einfach gute Vorbilder und gute Architekten, entgegnete Lauer.

Lauer verwies auf skandinavische Länder wie Schweden und Dänemark, in denen Architekten grundsätzlich in die Konzeption von Gewerbegebieten eingebunden seien. Sogar im Schulunterricht hätten Architektur und Ästhetik dort einen wichtigen Stellenwert. Überdies könne man von alten Bauernhäusern jede Menge lernen, sagte Lauer. Dort sehe man idealtypisch, wie man wirtschaftlich, ästhetisch und rationell baut. "Das ist gebaute Erfahrung aus Jahrhunderten, die leider in der Zeit der Baumärkte von der Beliebigkeit abgelöst wurde. Heute ist gestalterisch alles möglich, und deshalb entstehen so viele Schlösser für Zwergenkönige."