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Gesundheitsminister:Impfstrategie geändert

Coronavirus - Impfung

Derzeit werden Bewohner von Altenheimen geimpft.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Reserve wird verkleinert, um mehr Menschen zu schützen

Von Dietrich Mittler

Da die Lieferungen mit Corona-Impfstoff an die Kommunen nach wie vor nicht im erwarteten Umfang erfolgen, hat sich Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) entschieden, von der bisherigen Impfstrategie abzuweichen. Wurde bislang nur die Hälfte der gelieferten Biontech-Dosen verabreicht und die andere Hälfte für die notwendige zweite Impfung zurückgehalten, so sollen von nun an die gelieferten Mengen sofort verimpft werden. "Wir haben in der Tat beschlossen, bis auf eine Reserve für unvorhergesehene Lieferausfälle oder sonstige Bedarfe künftig die gesamten Lieferungen von Impfstoff zur Verfügung zu stellen", teilte Holetschek auf Anfrage mit. Dies geschehe, "um mehr Menschen impfen zu können". Bayern verfüge "aktuell über eine Reserve von rund 100 000 Impfstoffdosen".

Aus Sicht der Landtagsopposition birgt die neue, seit Freitag umgesetzte Strategie aber Risiken. "Wenn der richtige Impfstoff nicht zur rechten Zeit da ist, kann die Zweitimpfung nicht durchgeführt werden", hieß es. Diese sollte möglichst am 21. Tag nach der ersten Impfung stattfinden, um den Immunschutz sicher zu gewährleisten. Dies ist auch Gesundheitsminister Holetschek bewusst. "Wir setzen dabei natürlich darauf, dass der Impfstoffnachschub nicht abreißt und die Lieferungen nun verlässlich und vor allem regelmäßig kommen", sagte er. Genau das war aber gleich zu Jahresbeginn nicht geschehen. Erst nach dem Protest mehrerer Bundesländer traf dann am 8. Januar - wenn auch Tage später - doch noch eine Lieferung ein.

Um mehr Menschen mit Impfstoff versorgen zu können, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch erwogen, dem Beispiel Großbritanniens folgend die zweite Impfspritze auf später zu verschieben. Bei der Ständigen Impfkommission (Stiko) stieß dies jedoch auf starke Bedenken. Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens warnte eindringlich: "Durch nur eine Impfung können rascher gefährliche Mutationen Verbreitung finden." Aus Sicht der Stiko muss die Zweitimpfung allerspätestens am 42. Tag stattfinden.

In Bayerns Ärzteschaft wird Holetscheks Vorstoß nicht von vornherein verworfen: "Wenn es verlässliche Zusagen gibt, dass der Nachschub stabil gewährleistet ist, dann kann man das schon machen." Am Dienstag waren in Bayern die ersten 9600 Dosen des zweiten für Deutschland zugelassenen Corona-Impfstoffs vom US-Hersteller "Moderna" eingetroffenen. Minister Holetschek geht davon aus, dass von Ende Februar an größere Mengen zur Verfügung stehen. So könne das Impfangebot "kontinuierlich ausgebaut werden".

© SZ vom 16.01.2021
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