bedeckt München 26°

Gesundheit - München:Hausärzte: Nächste Woche alle Corona-Impfstoffe freigegeben

Bayern
Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration (Foto: dpa)

Direkt aus dem dpa-Newskanal

München (dpa) - Bayerns Hausärzte dürfen Patienten ab nächste Woche unabhängig von der Impf-Reihenfolge mit sämtlichen Corona-Impfstoffen impfen. Die Priorisierung bei den Hausärzten werde "im Laufe der nächsten Woche" aufgehoben, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Mittwoch nach einer CSU-Fraktionsklausur im Landtag in München. Zugleich kündigte er für 21. Mai die Öffnung von Freibädern und grünes Licht für Kulturveranstaltungen bis 250 Personen im Freien an, aber nur in Regionen mit niedrigen Corona-Zahlen und mit Auflagen wie einer Testpflicht. Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) forderte umgehend noch mehr Lockerungen schon zu Pfingsten.

Bislang sind lediglich die Impfstoffe von Astrazeneca und Johnson & Johnson unabhängig von der Priorisierung freigegeben. Für die anderen Impfstoffe hatte dies der Bund für Juni in Aussicht gestellt - Söder setzt nun die Ankündigung, dass Bayern schneller vorangehe, in die Tat um. Die Ärzte brauchten aber noch etwas Zeit, sich vorzubereiten - deshalb erfolge die Freigabe erst im Laufe der nächsten Woche. Das Vorgehen sei durch die Impf-Verordnung des Bundes gedeckt. In den Impfzentren soll es laut Söder aber bei dem bisherigen Verfahren mit Priorisierungen anhand von Vorerkrankungen und Berufsgruppen bleiben.

Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte zur Aufhebung der Priorisierung: "Die Ärzte kennen ihre Patienten und können am besten einschätzen, wer die Corona-Schutzimpfung am dringendsten braucht. Diese Entscheidung sorgt für eine noch flexiblere und raschere Verimpfung der vorhandenen Impfstoffe." Holetschek bat aber "um Verständnis, dass in den Praxen zunächst anstehende Zweitimpfungen durchgeführt werden müssen und dass die Umsetzung der neuen Strategie auch in den Praxen noch etwas Vorlauf braucht". Impfstoff sei zudem immer noch ein sehr knappes Gut - auch wenn in den kommenden Wochen steigende Mengen für die Praxen vom Bund angekündigt worden seien.

In Regionen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 sollen nach Worten Söders ab dem 21. Mai Freibäder unter Auflagen wieder öffnen dürfen, nämlich mit Tests und Termin-Slots. Ebenso sollen in Landkreisen und kreisfreien Städten mit weniger als 100 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche ab dem 21. Mai Kulturveranstaltungen im Freien erlaubt werden, mit bis zu 250 Personen, mit fester Bestuhlung, mit Tests und Hygienekonzepten.

Nach Pfingsten werde man dann überprüfen, welche Möglichkeiten es für weitere Innenbereiche geben, etwa die Innengastronomie und Fitnessstudios, kündigte Söder an. Söders Vize Aiwanger erklärte, er begrüße die angekündigte Öffnung von Freibädern, er verlangte aber noch mehr: "Genauso sollten auch Fitnessstudios und Freizeitparks rechtzeitig zu den Pfingstferien öffnen dürfen und die Innengastronomie sollte zeitnah folgen", sagte er. "Wir haben im Vergleich zum letzten Jahr mit Tests und Impfungen einen deutlich höheren Sicherheitsstandard, den wir jetzt auch nutzen müssen."

Söder warb dagegen für "vorsichtiges Öffnen, Schritt für Schritt". Eine Lockerung kündigte er aber umgehend an: Auch beim Besuch von Alten- und Pflegeheimen sollen - wie vielfach gefordert - vollständig Geimpfte sowie Genesene mit negativ Getesteten gleichgestellt werden. "Da braucht es dann auch keinen Test mehr", erklärte der CSU-Chef.

Insgesamt betonte Söder, man habe im Kampf gegen Corona eine Menge erreicht. Man habe "die dritte Welle jetzt überstanden", sagte der Ministerpräsident. "Das Warten und die Vorsicht hat sich gelohnt."

Petra Reis-Berkowicz vom bayerischen Hausärzteverband begrüßte die Freigabe aller Impfstoffe in den Praxen. "Für die Praxen ist das eine riesengroße Überraschung", sagte sie dem Bayerischen Rundfunk. "Wir begrüßen die Freigabe." Die Voraussetzung aber müsse sein, dass es auch genügend Impfdosen gebe. "Das haben wir nach wie vor nicht. Wir bestellen nach Höchstmengen, bekommen dann aber am Donnerstag mitgeteilt, dass aber nur zwei Drittel oder die Hälfte geliefert wird." Zudem mahnte sie, der Impfarzt müsse weiter das Heft in der Hand haben. "Das müsste dann auch bitte von der Bevölkerung, den Patienten so akzeptiert werden." Forderungen nach einer sofortigen Impfung könne und dürfe es nicht geben. Es müsse klar sein: "Wir bestellen ein nach unserer internen Priorisierung", sagte sie.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die Freigabe aller Corona-Impfstoffe in Arztpraxen. Solange es nicht genügend Impfstoff gebe, setze die Politik mit einer solchen Entscheidung einen "Spaltpilz" in die Gesellschaft, sagte Vorstand Eugen Brysch am Mittwoch in Dortmund der Deutschen Presse-Agentur. "Nicht die Priorisierung ist der Hemmschuh beim Impffortschritt, sondern einzig der Mangel an Impfstoff." Die Entscheidungen in Bayern wie auch in Baden-Württemberg seien ein Beispiel, "wie man sowohl den Impfdruck auf Ärzte erhöhen kann" als auch Frust in der Gesellschaft schaffe.

© dpa-infocom, dpa:210512-99-568423/7

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB