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Gesundheit:Es gibt nicht genug Experten - schon gar nicht auf dem Land

Dass Tempis überhaupt notwendig ist, liege daran, dass es generell nicht genug Schlaganfallexperten gebe - und auf dem Land erst recht nicht. "Es reicht ja nicht, wenn sich bloß ein Facharzt auskennt", sagt Hubert. "Man braucht mindestens sechs, sieben Leute." So eine Abteilung aufzubauen, lohne sich für manche Krankenhäuser mit wenigen Patienten einfach nicht. Hinzu komme: Viele Ärzte wollen nicht aufs Land ziehen.

Die Videokonferenz mit Andreas Scholz ist beendet. Seine Situation, sagt Bergner, sei nicht kritisch. Sein Blutdruck soll gesenkt, von seinem Kopf eine Computertomographie gemacht werden, dann soll er in die Schlaganfallstation eingeliefert und dort weiter überwacht werden, zur Vorsorge. Bergner tippt diese Anweisungen in ihren Computer und schickt sie nach Burglengenfeld. Sie ist diejenige, die entscheidet. Die Ärzte dort sind dann diejenigen, die handeln.

Der Neurologe Gordian Hubert vom städtischen Klinikum Harlaching koordiniert das Schlaganfall-Netzwerk.

(Foto: Robert Haas)

Die Schlaganfallstation in Burglengenfeld und in den anderen Kliniken des Netzwerks hat das Team von Gordian Hubert aufgebaut. Der Arzt besucht alle Krankenhäuser und schult Ärzte. Auch für Pflegekräfte, Physio-, Ergo- und Sprachtherapeuten werden Schulungen veranstaltet.

In Bayern gibt es insgesamt fünf Netzwerke, die so ähnlich wie Tempis funktionieren. Damit sei der Freistaat gut abdeckt, meint Hubert. In Norddeutschland sehe die Lage anders aus. Auch in Osteuropa gibt es so etwas nicht. Hubert findet, dass die Menschen überall das gleiche Recht auf eine gute medizinische Versorgung haben. Deshalb hält er Vorträge über sein Projekt - zum Beispiel in Bratislava. Und er überlegt, wie die Versorgung in Bayern besser werden könnte.

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen, erzählt Hubert, können große Blutgerinnsel im Gehirn besser mit einem Katheter entfernt werden als nur mit blutverdünnenden Medikamenten. Diesen Katheter setzen Ärzte in der Leiste ein, führen ihn bis zum Gehirn und ziehen dann das Gerinnsel heraus. Aber das klappt nicht per Video. "Wir planen, von München aus mit einem Helikopter zu den Krankenhäusern zu fliegen, um diese Therapie anzubieten."

Bis es soweit ist, könne es noch bis Ende des Jahres dauern. Aber wenn alles gut geht, fliegt dann von Harlaching ein Hubschrauber los - nach Eggenfelden in Niederbayern zum Beispiel oder nach Burglengenfeld in der Oberpfalz.

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