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Gerissene Schafe:Wolf als Täter überführt

Wolf aus dem Freigelände im Nationalpark Bayerischer Wald

Der Wolf, auch Canis lupus, ist wieder in Bayern unterwegs. Dieses Exemplar lebt allerdings im Freigelände im Nationalpark Bayerischer Wald.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)
  • Nachdem eine Schafherde in Miesbach angefallen worden war, liegen jetzt die Ergebnisse des Gentests vor: Ein Wolf war dafür verantwortlich.
  • Jetzt wird diskutiert, was mit ihm geschehen soll. Das seltene Tier ist "streng geschützt" - und ein Abschuss nur in Ausnahmefällen zugelassen.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr wurde ein Wolf in Bayern nachgewiesen. Das bestätigte das Landesamt für Umwelt (LfU) nach einer Genuntersuchung. Das Tier hatte Anfang August eine Schafherde im oberbayerischen Miesbach angegriffen. Dabei starben zwei Tiere, eines direkt durch die Attacke des Wolfes, eines musste später getötet werden, weil es zu schwer verletzt war.

Die Speichelproben der Schafe ergaben, dass der Wolf wohl aus Italien, Frankreich oder der Schweiz nach Bayern gewandert sein muss. Vor allem junge Rüden streiften auf der Suche nach einem eigenen Revier und einer Partnerin weiträumig umher, heißt es aus dem LfU. Bis zu 850 Kilometer Luftlinie könne ein Wolf in nur sechs Monaten zurücklegen.

Der Wolf ist geschützt

Franz Hage vom Alpwirtschaftlichen Verein Allgäu zeigt sich da wenig beeindruckt. "Wo der Wolf nicht hingehört, gehört er erschossen", sagt er. Und zu den Almwirten auf die Weide gehört das Tier seiner Meinung nach nicht. Zwar wird den Bauern der Schaden von einem Ausgleichsfonds ersetzt, auch der Schafsbesitzer aus Miesbach wurde für seinen Verlust umfassend entschädigt. Die Zahlungen seien aber nur "Larifari", sagt Hage, sie lägen unter dem wahren Wert der Tiere.

Just kurz bevor in Miesbach der Wolf zuschlug, schienen die Alpwirte Unterstützung von Landwirtschaftsminister Helmut Brunner zu bekommen. Auf einer Almbegehung sagte er, "wolfsfreie Zonen" müssten "möglich" sein.

Wie dies zu bewerkstelligen sei, sagte er allerdings nicht. Das Landesamt für Umwelt weist aber darauf hin, dass der Wolf "streng geschützt" ist und ein Abschuss nur in Ausnahmefällen zugelassen werden könne.

Laut Plan ist Bayern "Wolfserwartungsland"

Auch deshalb hatte die Forderung nach "wolfsfreien Zonen" des Landwirtschaftsministers beim Bund Naturschutz (BN) für Verwirrung gesorgt. Im Wolfsmanagementplan, den auch das Landwirtschaftsministerium miterarbeitet hat, stehe klar, dass Bayern ein "Wolfserwartungsland" sei und damit Wölfe prinzipiell auch im Freistaat heimisch werden könnten, sagt BN-Sprecher Kai Frobel.

Dort stehen auch eine Reihe von Maßnahmen, wie Wolf und Mensch gut zusammen leben und Herden geschützt werden könnten, etwa durch speziell trainierte Herdeschutzhunde. Insgesamt eine Million Euro im Jahr würde das den Freistaat nach Berechnungen des BN kosten.

Die bisherigen Mittel seien "völlig unzureichend", so Frobel. Es gibt jedoch keine Anzeichen, dass sie aufgestockt werden sollen - trotz des Wolfes von Miesbach.

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