Gerhard Ittner festgenommen Auslieferung nach Deutschland noch unklar

Um mögliche Querverbindungen zwischen Neonazis überprüfen zu können, hatten Ermittler angekündigt, die Suche nach dem Zirndorfer zu intensivieren. Auch Zielfahnder wurden eingesetzt.

Am Ende führte ein anonymer Hinweis zu Ittner: Am 11. April wurde er in Montemor-o-Novo bei Lissabon gefasst und sitzt seither in Auslieferungshaft im Gefängnis von Beja. Ittner sei überrascht gewesen über seine Festnahme, heißt es aus Ermittlerkreisen. Portugiesische Gerichte müssen nun entscheiden, ob die Auslieferung nach Deutschland bewilligt wird.

Ittner hatte im September 2003 eine Kundgebung in Nürnberg organisiert, mit der er eigenen Angaben zufolge an die NS-Reichsparteitage erinnern wollte. Mit Gesinnungsgenossen hatte er zunächst vom früheren NS-Gelände zum Hauptmarkt marschieren wollen, nach juristischen Auseinandersetzungen bekam er schließlich einen Platz am Rand des Geländes zugewiesen. Unter anderem wegen der dort gehaltenen Rede musste sich Ittner von November 2004 an vor dem Landgericht verantworten.

Weil der Neonazi den Prozess als Bühne für ausschweifende ausländerfeindliche Erklärungen missbrauchte, erstreckte sich dieser über 18 Verhandlungstage; 17-mal erschien Ittner pünktlich, am Tag der Urteilsverkündung blieb er "unentschuldigt" fern, wie der Vorsitzende Richter notierte. Der Staatsanwalt beschuldigte Ittner, er habe in seiner Rede in der Nähe des Nürnberger Frankenstadions "den größten Verbrecher, Adolf Hitler, in Tonfall und in Gesten nachgeäfft".

Sollte sich nun nachweisen lassen, dass hinter den mit "Gerhard Ittner" gezeichneten Pamphleten, die dieser angeblich von Iran aus veröffentlicht haben soll, tatsächlich der Zirndorfer Neonazi steckt, könnte ihm zusätzlicher juristischer Ärger ins Haus stehen. Der Autor leugnet den Holocaust. Er kündigt an, die "staatliche Handlungsfähigkeit des Deutschen Reiches" werde "wiederhergestellt". Und er kündigt an, politisch Handelnde in Deutschland würden "bei Nürnberger BRD-Regime-Verbrecher-Prozessen zum Tode verurteilt".

Schon während des Prozesses gegen ihn hatte Ittner einer Staatsanwältin die Todesstrafe "wegen Hochverrats" angedroht. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg werde nun prüfen, ob neue Ermittlungsverfahren gegen Ittner eingeleitet werden, sagte Oberstaatsanwalt Alfred Huber der SZ.

Besonderes Augenmerk dürften die Fahnder dem Pamphlet auch deshalb widmen, weil der Autor als selbsternannter "Vertreter des Deutschen Reiches" darin das frühere NS-Parteitagsgelände glorifiziert - und den "Triumph des Willens", den er mit seiner Kundgebung dort "wieder gefeiert" habe. Alle drei mutmaßlichen NSU-Morde in Nürnberg wurden in unmittelbarer Nähe zu historisch belasteten Orten in der Südstadt verübt.