Georgensmünd Er bot sich als Trainer an - für Gewaltprävention

Als er davon gehört habe, sei er "aus allen Wolken gefallen", sagt der Geschäftsstellenleiter der Gemeinde Georgensgmünd, Ralf Allgaier. Auch wenn sie Bescheid wussten im Ort, dass ein Einsatz geplant war bei P. Seit etwa neun Monaten sei der Mann auffällig gewesen. Er schaltete eine Anzeige in der Lokalzeitung, in der er kundtat, dass er das Grundgesetz ablehne. Und unterzeichnete sie, gemeinsam mit anderen "Reichsbürgern" aus dem Landkreis, mit Fingerabdruck. Seinen Personalausweis gab er bei der Gemeinde ab, den brauche er nicht, sagte er. Man habe ihm den wieder zurückgeschickt, sagt Allgaier.

Auf dem Grundstück des "Reichsbürgers" in Mittelfranken steht eine Flagge mit der Aufschrift ´Plan".

(Foto: dpa)

Wahrscheinlich haben manche im Ort die Anzeige in der Lokalzeitung gelesen. Aber so richtig ernst scheint das kaum jemand genommen zu haben in Georgensgmünd. "Ach, wissen Sie, das ist einfach ein Einzelgänger", sagt ein 58-Jähriger, der Wolfgang P. hat aufwachsen sehen. "Seit seine Oma gestorben ist, ist der immer verschrobener geworden", erzählt er, "das hat dem einen Schlag versetzt." Und mit dem Gerichtsvollzieher habe P. wohl auch zu tun gehabt, sagt Allgaier.

Auch anderen Behörden war Wolfgang P. bekannt. Zum ersten Mal klingelten Zollbeamte Ende Mai an dessen Haustür. Um Kfz-Steuern zu vollstrecken, die der Mann nicht zahlen wollte. Weil er sich beharrlich weigerte, schickte das Landratsamt zwei Mitarbeiter, um zu prüfen, ob der Mann zuverlässig ist. Eine Frau habe seine Mitarbeiter aber vom Grundstück gescheucht, sagt Landrat Herbert Eckstein. Bei einem zweiten Versuch habe Wolfgang P. die Landratsamtsmitarbeiter dann selbst "sehr harsch des Grundstücks verwiesen".

Als P. im Juli auch noch seinen Wohnsitz abmeldete, aber trotzdem in seinem Haus, das er von der Großmutter geerbt hatte, wohnen blieb, stattete ihm das Landratsamt im Juli einen weiteren Besuch ab - um zu kontrollieren, ob er seinen großen Waffenbestand ordentlich verwahrt. Da auch dieser Versuch scheiterte, wurde Wolfgang P. Anfang August ein Anhörungsschreiben übergeben, das er allerdings nicht ausfüllte. Stattdessen schrieb er noch am selben Tag direkt an Landrat Herbert Eckstein, um ihm mitzuteilen, "dass er sich an staatliche Maßnahmen nicht hält", wie Eckstein sagt. Daraufhin entzog ihm die Behörde die Waffenbesitzerlaubnis. Weil er auch darauf nicht reagierte, kam es schließlich zu dem folgenschweren Polizeieinsatz.

In Mittelfranken hatte sich P. als Trainer für fernöstliche Kampfkunst versucht, vor zwei Jahren wurde er ausgezeichnet. Wing Tsun heißt der Kampfstil, P. warb damit, bei ihm könne man etwas über "Gewaltprävention" lernen. Andreas Ertl leitet in München eine Akademie für diese Sportart. Er sagt: "Ich bin entsetzt." Man lehre diese Form der Selbstverteidigung auch an Schulen, wähle die Trainer sorgfältig aus. "Dieser Mann hat so ziemlich das Gegenteil von dem gemacht, was wir lehren." Die Staatsanwaltschaft Nürnberg hat gegen Wolfgang P. einen Haftbefehl beantragt - wegen versuchten Mordes.

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