Geklaute Statue in Niederhöcking Heilige Familie auf Zwangsurlaub

Helle Aufregung in Niederhöcking: In der Kirche fehlte zwei Tage lang die Statue der Heiligen Familie. Ein reuiger Kirchendieb hat sie zurückgebracht - bei der Beichte. Ein Anruf beim Pfarrer.

Interview: Kathrin Haimerl

Die Kirche im Dorf, die Heilige Familie in der Kirche: In der niederbayerischen Pfarrgemeinde Niederhöcking bei Landau ist alles wieder da, wo es sein soll. Zwei Tage lang hat in der Kirchengemeinde helle Aufregung geherrscht: Aus der Kirche haben Unbekannte eine barocke Holzarbeit gestohlen: die Darstellung der Heiligen Familie im Wert von etwa 2000 Euro.

Heil zurück: Diese Holzstatue der Heiligen Familie ist wieder da, wo sie hingehört. In der Kirche im niederbayerischen Niederhöcking.

(Foto: dpa)

Wenige Tage später trieb einen der Diebe dann wohl das schlechte Gewissen: In einer Kirche nahe Deggendorf übergab er dem dortigen Pfarrer die Figur - im Beichtstuhl.Und der wiederum brachte die Statue zurück an ihren Platz in Niederhöcking. Ein Anruf bei Pfarrer Friedrich Teetz, der nun seine Heilige Familie aus Holz wieder zurück hat. Teetz betreut seit 1994 die Pfarrgemeinde Niederhöcking.

sueddeutsche.de: Herr Teetz, wie haben Sie das Verschwinden der Heiligen Familie Ihrer Gemeinde erklärt?

Friedrich Teetz: Nach dem Segen habe ich sie gebeten, sich noch kurz hinzusetzen. Dann habe ich ihnen erklärt, dass die Statue gestohlen wurde. Und ich habe sie aufgefordert, dafür zu beten, dass die Figur wieder zurückkommt. Zu Maria und Josef sollen sie beten, habe ich gesagt. Dass sie uns helfen möge, dass wir unsere Heilige Familie wieder heil zurückbekommen.

sueddeutsche.de: Jetzt ist die Statue also zurück in ihrer Vitrine?

Teetz: Nein. Sie ist zwar zurück in der Kirche. Aber wir müssen uns noch besprechen, was wir damit machen. Wir wollen ja nicht gleich die nächsten Diebe auf den Plan rufen.

sueddeutsche.de: Wann haben Sie bemerkt, dass die Figur fehlt?

Teetz: Das war am Montag gegen zwölf Uhr. Eine Frau wollte eine Kerze in der Turmkapelle anzünden, dort, wo die Vitrine ist. Da hat sie die Vitrine gesehen, die war offen - und die Heilige Familie nicht mehr da. Zufällig war das die Frau von unserem Kirchenpfleger. Der hat mir dann gleich Bescheid gegeben.

sueddeutsche.de: Und die Kirche war nicht zugesperrt?

Teetz: Nein. In der Früh wird sie aufgesperrt und am Abend wieder zugesperrt. Damit die Leute reinkönnen zum Beten. Dafür ist eine Kirche ja da.

sueddeutsche.de: Das Beten hat ja anscheinend gewirkt.

Teetz: Ja, Gebete sind nie umsonst.

Sueddeutsche.de: Trotzdem: Dass die Statue so schnell wieder da ist, hätten Sie sich wohl nicht gedacht.

Teetz: Nein.. obwohl.. am Mittwoch habe ich noch gesagt: Vielleicht bekommen wir sie ja bald wieder.

sueddeutsche.de: Wie ist denn die Figur wieder zurückgekommen?

Teetz: Am Mittwochabend nach dem Gottesdienst war ich noch in der Kirche. Da kam ein Priester rein, ging auf mich zu und meinte: 'Ich hab was für dich'. Dann sind wir zu seinem Auto gegangen. Und tatsächlich: da war die Statue. Die habe ihm ein Mann im Beichtstuhl gegeben unter dem Beichtgeheimnis, hat er gesagt. Und mehr durfte er auch nicht sagen.

sueddeutsche.de: Wie hat Ihre Gemeinde reagiert?

Teetz: Das war natürlich für die Leute ergreifend. Also, die einen haben gesagt: Wie kann man nur etwas aus einer Kirche stehlen! Umso größer war dann die Begeisterung, als die Statue wieder da war.