bedeckt München 26°

Geiselwind:Verdammter Damm

Stau auf Autobahn 3

Lärmbelastung, Staus - und nun kommt auch noch eine Baustelle an der A 3 bei Geiselwind dazu.

(Foto: dpa)

Für Anwohner ist eine Autobahn meist mehr Geißel als Fortschritt. Und wenn dann noch der Wind dazukommt, wie in Geiselwind, liegen alle Hoffnungen auf Schallschutz. Allerdings nur kurzfristig.

Glosse von Olaf Przybilla

Es gibt unspektakulärere Autobahnabschnitte als den bei Geiselwind. Gerade hat man den Steigerwald passiert, da zeichnet sich auf der einen Seite ein mörderischer Autohof ab, auf der anderen die Achterbahnwindungen eines Freizeitparks. Und dann bleibt da immer der Gedanke: Woher eigentlich kommt dieser Ortsname - und was bitte ist mit besagter Geißel gemeint: der Autohof, das Freizeitland oder die Autobahn?

Man muss sich nicht schämen für derlei Fragen. Denn so orthografisch fragwürdig sie sein mögen, im Wappen der fränkischen Marktgemeinde ist abgebildet, dass die Bewohner Geiselwinds sich Ähnliches auch schon gefragt haben. Zu sehen ist dort Geißel und Windhund. Was man heute aber wohl anders lösen würde. Inzwischen glaubt man zu wissen, dass das "Wind" auf die Wenden, also Slawen, zurückgeht, die Geißel auf einen gewissen Gisilo. Im 9. Jahrhundert hatten die Einheimischen also offenbar noch nicht den Eindruck, Opfer einer Geißel zu sein.

Was sich geändert hat seither, sehr sogar. Seit dem Bau der A 3, die sich den Ruf einer europäischen Magistrale redlich verdient, hat es mit der Geißel eine eigene Bewandtnis. Und mit dem Wind auch: Kommt er aus Süden, sind die Leute im Hauptort die Gelackmeierten. Ist Nordwind, verstehen die Leute im Ortsteil gegenüber ihr eigenes Wort kaum noch.

Geiselsüdwind oder Geiselnordwind, gemeinsam hat man gekämpft für bessren Nachtschlaf, schönere Grillfeste und Lebensgenuss. Bis vor fünf Jahren der Grundstein gelegt wurde für einen Schallschutzdamm. Und jetzt muss man sich Geiselwind als eine glückliche Gemeinde vorstellen. Oder, Herr Bürgermeister?

Ernst Nickel lacht kurz und erzählt von dem Moment, als Offizielle ihm gesagt haben: "Wir haben schlechte Nachrichten für Sie: Der Damm muss weg." Der war da noch nicht ganz fertig, aber fast. Aber wohl nicht stabil genug. Seither hat, so sagt es der Bürgermeister, "eine neue Firma die ehrenvolle Aufgabe, den ganzen gepfuschten Damm wieder abzutragen".

Momentan ist man mittendrin. Zum Autobahnlärm kommt nun also noch der Dammwiederabtragungslärm - fünf Jahre nach der Grundsteinlegung. "Kannst du nur noch den Kopf schütteln", sagt der Bürgermeister. Wie so etwas passieren kann? Die Antwort, mein Freund ...

© SZ vom 07.05.2021/vewo
Zur SZ-Startseite
A99 bei München, 2019

Münchner Osten
:Zehn Spuren für den Autobahnring

Der nächste Schritt beim Ausbau der A99 zwischen den Anschlüssen Aschheim und Kirchheim beginnt. Auf Jahre gibt es entlang der Strecke dann Einschränkungen durch Großbaustellen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB