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Geheime Anlage in Schwaben:Pressestelle des BND ignoriert alle Fragen

Es ist ein sonniger Mittwochmorgen, kurz vor acht Uhr. Die Zufahrt ist wenig gastfreundlich mit einem Stahltor, einer Überwachungskamera und einem "Betreten-verboten-Schild" versehen. Mitarbeiter kommen zum Dienst. Sie sitzen in Zivilautos und tragen allesamt Zivilklamotten. Kein Y-Kennzeichen ist zu sehen, keine Bundeswehr-Uniform. Schon ungewöhnlich für einen sogenannten Bundeswehr-Standort. Ebenfalls erstaunlich: Sogar der Augsburger Landrat Martin Sailer (CSU) war noch nie auf dem Gelände. "Ich war noch nie dort, und ich habe keinerlei Informationen über diese Anlage", sagt er. Ein Landrat, der eine Bundeswehr-Kaserne in seinem Beritt nie besucht und nicht kennt?

Doch es gibt Menschen, die den Elefantenkäfig schon einmal aus der Nähe gesehen haben und darüber reden - mehr oder weniger jedenfalls. Bürgermeister Karl Hörmann zum Beispiel oder ein langjähriger Angehöriger der Freiwilligen Feuerwehr Gablingen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Oder Helmut Kratzer, der ehemalige Hausmeister. Er wohnt in Gablingen und bekommt immer wieder Besuch von neugierigen Menschen. "Da geht aber nichts", sagt der 70-Jährige, "ich habe geschworen, dass ich keine Auskunft gebe." Dieser Eid gelte auch für die Zeit in Rente. Wir versuchen es trotzdem. Stimmt es, dass es zwölf unterirdische Etagen gibt? "Kein Kommentar", sagt Kratzer und lacht. Er hört die Frage wohl nicht zum ersten Mal. Eine Sache rutscht ihm dann doch raus: "Ich muss jetzt aufhören, heute Abend ist Sommerfest", sagt er. Ein Sommerfest, in Gablingen? "Nein, in der Kaserne drin", sagt Kratzer. Aha, auch Schlapphüte feiern Feste.

Bürgermeister Karl Hörmann ist ebenfalls eingeladen. "Ich weiß aber noch nicht, ob ich hingehe", sagt er. Ihn zieht es nicht auf das Gelände. "Ich werde zwar immer belächelt, aber ich weiß wirklich nicht, was hinter dem Zaun passiert." Ob er denn nicht neugierig ist, was da innerhalb seiner Gemeinde geschieht? "Nein. Das unterliegt der militärischen Geheimhaltung, und das respektiere ich." Daran habe auch die aktuelle Diskussion um den NSA-Lauschangriff nichts geändert.

Wenigstens verrät der Dienststellenleiter einige Details aus der sogenannten Fernmeldestelle Süd. "Unsere rund 150 Mitarbeiter arbeiten teilweise auch im Schichtbetrieb" schreibt Alois Nöbauer. Ob in Gablingen auch die NSA aktiv ist oder ob der BND seine hier gewonnenen Erkenntnisse mit der NSA teilt? Nöbauer verneint. "Zwischen der FmSt Süd Bw und US-Behörden, insbesondere auch der NSA, gibt es keine Zusammenarbeit", schreibt er. "Entsprechend gibt es auch kein US-Verbindungsbüro an unserem Dienstort." Diese Ansage kann man glauben oder nicht. Klar ist: Falls es doch ein NSA-Büro gäbe, dann würden dies weder BND noch Bundeswehr verraten. Allerdings glaubt auch Erich Schmidt-Eenboom, dass der NSA nicht mehr in Gablingen präsent ist. "1998 wurde die Verbindungsstelle nach Bad Aibling verlegt, dort war die NSA bis Dezember 2003." Dann sei sie nach Griesheim bei Darmstadt gezogen. Und der BND übernahm Bad Aibling (Deckname Seeland-Torfstich). Übrigens gibt es noch viele weitere BND-Standorte in Bayern. In Stockdorf (Landkreis Starnberg, Deckname "Stellwerk") wird auch gelauscht, in Kreuzholzhausen bei Dachau verortet Erich Schmidt-Eenboom eine Kommunikationsanlage ("Mühle"). Und auf seiner Internetseite sucht der BND für "mehrere Dienststellen im Großraum München" Köche.

Auf die Frage nach den zwölf unterirdischen Etagen in Gablingen geht Dienststellenleiter Nöbauer in seiner Mail nicht ein. Die deutlichste Aussage hierzu macht der Gablinger Feuerwehrmann, der schon einige Übungen und Einsätze auf dem Gelände hatte. "Das ist Schmarrn", sagt er. Es gebe auf dem Areal sehr wohl einen Atombunker, diesen habe er sogar schon besichtigt. "Der ist im zweiten Untergeschoss", sagt er. Aber nicht inmitten des Elefantenkäfigs, sondern außerhalb, unter einem der Zweckbauten im Südwesten des Areals. Dennoch berichten Medien von einem Feuerwehr-Plan, der zwölf Etagen, 200 Büros und 400 Türen aufweise. "Da muss ich lachen", sagt der Feuerwehrmann. Geheimdienstexperte Schmidt-Eenboom ist anderer Meinung, er verortet die zwölf Stockwerke "im Zentralbereich" der Verwaltungsgebäude. "Als die Amerikaner da waren, war den BND-lern nur der Zutritt zu den obersten Etagen gestattet."

Die Pressestelle des BND ignoriert alle Fragen zum Standort Gablingen. Sie gibt nur eine allgemeine Auskunft: Derzeit habe der BND in Bayern 3000 Mitarbeiter, nach dem Umzug nach Berlin seien es "in dem dann in Pullach entstehenden Technikzentrum" noch 1000. Ob es weitere Standorte im Freistaat gibt? Keine Antwort. Nach Medienberichten sollen noch 500 Personen im Freistaat außerhalb Pullachs arbeiten. Bleibt noch die Frage nach dem vermeintlichen Tunnel bis Augsburg. Der einzige, der hierzu was sagt, ist der Feuerwehrmann: "großer Schwachsinn".

© SZ vom 03.08.2013/segi
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