Igludorf auf der Zugspitze:Wo die wilden Camper wohnen

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Igludorf auf der Zugspitze: Eine Künstlerin arbeitet an Eisfresken im Restaurant des Schneehotels auf dem Zugspitzplatt.

Eine Künstlerin arbeitet an Eisfresken im Restaurant des Schneehotels auf dem Zugspitzplatt.

(Foto: Sebastian Beck)

Null Grad, 15 Schlaf-Iglus, Tausende Kubikmeter Schnee: Auf dem Zugspitzplatt entsteht Jahr für Jahr ein Hotel der Eisklasse.

Von Viktoria Spinrad, Garmisch-Partenkirchen

Noch einmal hoch mit dem riesigen Eisen und einmal runter entlang der Wand, dann tritt David ein Stück zurück und betrachtet sein Werk. Eine noch halbfertige Eisblume, vorgezeichnet im Schnee. Ihr Schöpfer trägt Fellmütze und dicke Handschuhe. In der Hand hält er ein Gerät, das wie eine überdimensionierte Käsereibe ausschaut. Tatsächlich dient es dem gelernten Holzhauer beim Auskerben der Wand. "Eigentlich ist das für Gasbeton" sagt er. Aber wer eine betonharte Schneewand verzieren will, muss improvisieren.

Igludorf auf der Zugspitze: Eigentlich ist David Holzbauer aus Bremen. Was ihn aber nicht davon abhält, sich Jahr für Jahr in bayerischem Schnee und Eis zu verewigen.

Eigentlich ist David Holzbauer aus Bremen. Was ihn aber nicht davon abhält, sich Jahr für Jahr in bayerischem Schnee und Eis zu verewigen.

(Foto: Sebastian Beck)

Willkommen im Iglu-Dorf auf der Zugspitze, einem Kunst-Hotel aus Schnee und Eis auf 2030 Meter Höhe. Eine Woche vor Weihnachten herrscht hier noch Baustelle. Im Hauptraum steht ein Gerüst, auf dem zwei weitere Künstlerinnen Fische und fiese Ungetüme ins Eis kerben. "Funky Monster", lautet das Motto heuer, man hätte es sich denken können: Im gesamten Komplex starren einem langarmige Fische, grinsende Bücherwürmer und vieräugige Gorillas entgegen.

Jan Wernet, Dreitagebart, Skimütze, klopft gegen die Wand. "Alles stabil", sagt er. Als Standortleiter weiß er, wie aufwendig es ist, Jahr für Jahr ein Hotel aus Schnee und Eis zu schaffen. Etwa sechs Wochen vor der weihnachtlichen Eröffnung werden Tausende Kubikmeter Schnee mit Schneefräsen und einem Pistenbully über große Ballons verfrachtet - so entsteht der Hohlraum. Ist die Schneedecke dick und fest genug, wird die Luft wieder rausgelassen. Die Arbeiter bauen Holztüren ein, verlegen kilometerweise Stromkabel, installieren die Lichter, stellen die Eisskulpturen auf und richten die Eisbar ein.

Igludorf auf der Zugspitze: Jan Wernet erklärt, wie das Schneehotel auf dem Zugspitzplatt gebaut wird.

Jan Wernet erklärt, wie das Schneehotel auf dem Zugspitzplatt gebaut wird.

(Foto: Sebastian Beck)

Seit 16 Jahren geht das so zwischen Gletscherabfahrt zwei und drei. Nur im vergangenen Jahr gab's ein bitteres Ende. Da die Hotels wegen Corona schließen mussten, stampften die Arbeiter den Bau wieder vorzeitig ein. "Da blutet einem schon das Herz", sagt Wernet. Apropos Herz: Der Überlieferung nach hat es hier im Null-Grad-Hotel schon mehrere Heiratsanträge und Hochzeitsnächte gegeben. Hauptzeuge dürfte das Romantic-Iglu-Plus Zimmer sein. Zu Schnee-und Eiskunst, Thermomatten, Expeditionsschlafsack, USB-Anschluss und dem gemeinschaftlichen Whirlpool gibt's in der Eis-Suite noch eine private Toilette und Halbpension. Ein exklusives Vergnügen ab 458 Euro pro Nacht - anders dürften sich die Baukosten von mehreren Zehntausend Euro im Jahr auch kaum rentieren.

Igludorf auf der Zugspitze: Ein Zimmer im Iglu-Hotel auf dem Zugspitzplatt mit Eisfresken an der Wand.

Ein Zimmer im Iglu-Hotel auf dem Zugspitzplatt mit Eisfresken an der Wand.

(Foto: Sebastian Beck)

Das Konzept kommt aus der Schweiz, wo die "Iglu-Dorf GmbH" auch ihren Sitz hat. Der von außen zunächst unscheinbare Schneehaufen auf der Zugspitze ist die einzige deutsche Dependance. In Bayern gibt es aber auch einfachere Konzepte: Neben dem ebenfalls gehobenen "Iglu Lodge" in Oberstorf bieten Pfronten und Oberaudorf auch Do-it-Yourself-Versionen an, wo sich die Besucher ihr eigenes Iglu bauen können. Konkurrenz ist das keine für das Gesamtkunstwerk zwischen Seitenmoräne und Pistenabfahrt: Das Iglu-Dorf ist für diese Saison so gut wie ausgebucht, freie Zimmer gibt es fast nur noch unter der Woche. Bis Ende April geht die jährliche Gaudi. Um Haftungsprobleme zu vermeiden, wird der Bau um Ostern herum wieder vom Bagger plattgemacht - nur, um im frühen Winter wieder aufzuerstehen.

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