Den Lokführer hat es erst in seinem Sitz zusammengestaucht, dann hoch und schließlich zur Seite geschleudert. „Mir hat’s im Prinzip den Sitz unterm Arsch weggezogen.“ Als er den Zug nach einer Notbremsung zum Stehen gebracht habe, sei wegen einer „Riesen-Staubwolke“ nichts mehr zu sehen gewesen. „Wie ein Erdbeben“ habe sich das angefühlt, was am 3. Juni 2022 um die Mittagszeit geschah. Damals war in Garmisch-Partenkirchen eine Regionalbahn wegen gebrochener Betonschwellen entgleist; mit schlimmen Folgen. Fünf Fahrgäste kamen ums Leben, viele wurden verletzt. An diesem Donnerstag nun schildert der Lokführer des Unglückszugs als Zeuge bei Gericht jene schrecklichen Sekunden und Minuten im Detail. Das Landgericht München II versucht in einem langen Prozess herauszufinden, was zu der Tragödie führte. Zwei Eisenbahner aus der Region Garmisch-Partenkirchen sind wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung angeklagt.
Prozess um Zugunglück bei GarmischLokführer über Streckenzustand: „Da kann ich alle zwei Kilometer was melden“
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Im Prozess um das Zugunglück von Garmisch-Partenkirchen schildert der Lokführer, wie er das Unglück erlebt hat. „Wie ein Erdbeben“, sagt er – und wirft mit seiner Aussage ein weiteres Schlaglicht auf die Zustände bei der Bahn.
Von Klaus Ott

Missstände bei der Bahn:„Da müsste doch eigentlich eine Alarmglocke läuten“
Der Prozess zum Zugunglück in Garmisch-Partenkirchen legt gravierende Sicherheitslücken offen. Es gab kein Warnsystem beim Überschreiten von Fristen für die Beseitigung von Mängeln. Ob es das heute gibt, lässt die Deutsche Bahn offen.
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