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Garmisch-Partenkirchen:Bauern wollen Olympia nur auf US-Golfplatz

Das renitente Oberland wird Chefsache: Staatskanzleichef Schneider soll um Olympia willen direkt mit den Bauern verhandeln - die haben eigene Pläne.

In den Verhandlungen mit den Eigentümern von Grundstücken, die für die Olympischen Spiele 2018 in Garmisch-Partenkirchen benötigt werden, übernimmt jetzt die bayerische Staatsregierung die Führung. Sie verhandelt jetzt ohne den umstrittenen Garmischer Bürgermeister Thomas Schmid direkt mit den Landwirten. Staatskanzleichef Siegfried Schneider reiste dazu am Donnerstag nach Garmisch, um die Bauern davon zu überzeugen, ihre Grundstücke für die Olympiabewerbung 2018 doch noch zur Verfügung zu stellen.

Olympia-Konzept auf dem Prüfstand

Wanderwege und Seilbahnen in Garmisch-Partenkirchen: Geht es nach dem Willen der Landwirte, sollen die Winterspiele 2018 auf einem weitläufigen Golfplatz der US-Streitkräfte stattfinden.

(Foto: dpa)

Allerdings trifft er nicht auf Entgegenkommen: Die Bauern wollen weiterhin nichts von ihren Grundstücken hergeben, sondern schlagen einen weitläufigen Golfplatz der US-Streitkräfte als Olympiagelände vor. Das allerdings ist eine Variante, die die Regierung bereits geprüft und als "kaum zu machen" verworfen hatte: Denn der Golfplatz unterliegt dem Nato-Truppenstatut und gibt den Nutzern viele Privilegien. Auf dem Golfplatz, der der Bundesvermögensverwaltung gehört und langfristig an die Amerikaner verpachtet ist, sollen nach dem Wunsch der Bauern Sportstätten, Athletenunterkünfte, Parkplätze und ein Medienzentrum errichtet werden. Auf privaten Grundstücken sollen keine Spiele stattfinden - das ist weiter ihre Überzeugung.

Die Bauern stellten zudem ihren Bürgermeister Thomas Schmid ins Abseits. Sie nannten für ein Gespräch mit der Regierung eine Bedingung: Bürgermeister Schmid sollte nicht daran teilnehmen. Darauf ließ sich die Regierung ein. "Ziel ist es, die Olympischen Spiele in München und Garmisch-Partenkirchen zu bekommen", sagte Schneider der Süddeutschen Zeitung vor dem Treffen mit den Landwirten. "Die Bauern sind sich offensichtlich überrannt vorgekommen", sagte Schneider.

Er versuchte, einen wichtigen Vorbehalt der Bauern auszuräumen: "Die Garantien, die die Bewerbungsgesellschaft abgibt, gibt auch die Staatsregierung ab", sagte er zu Befürchtungen, dass die Bewerbungsgesellschaft nach den Spielen finanziell nicht mehr in der Lage sein könnte, für den Rückbau der Flächen zu sorgen. Es sei notwendig, das Vertrauen wieder zurückzugewinnen. "Das ist die Grundlage für jedes Geschäft", sagte Schneider.

Optimistisch zeigte sich auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Bewerbungsgesellschaft Michael Vesper, zugleich Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes: "Wir sind weiter zuversichtlich, dass die Gespräche mit den Eigentümern erfolgreich beendet werden können, freundlich, ohne Druck und auf Augenhöhe", sagte er. Auch Geschäftsführer Willy Bogner sagte, dass er den Gesprächen nicht vorgreifen wolle. Er gehe davon aus, dass die Mehrheit der Garmischer für die Spiele sei. Im Moment sei jede Spekulation um Alternativ-Standorte sinnlos. Nun seien die Gemeinde und die Politik in der Pflicht.

"Misstrauensbildende Maßnahme"

Staatskanzlei-Chef Schneider dürfte es in Garmisch schwer fallen, mit seinem Werben für Olympia Gehör zu finden. Zuletzt waren zu den Gesprächen im Rathaus immer weniger der geladenen Grundeigentümer erschienen. Vor allem viele der Landwirte hatten bekundet, dass sie keinen Gesprächsbedarf mehr sehen. Am Mittwoch hatte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) seinen Besuch abgesagt.

Noch in der vergangenen Woche hatte Brunner die Bauern in einem persönlichen Gespräch umstimmen wollen. Über die Absage zeigten sich Interessenvertreter der Landwirte konsterniert: Zwar hätten einige Eigner tatsächlich gesagt, dass sie ihr Land nicht hergeben wollten. Andere seien aber immer noch gesprächsbereit und fühlten sich vor den Kopf gestoßen. "Das ist ein Schauspiel ohne Grenzen", sagte Josef Glatz von der einflussreichen Garmischer Weidegenossenschaft. "Das war eine misstrauensbildende Maßnahme."

Am Mittwochabend hatte auch der Bürgermeister von Garmisch-Partenkirchen die Vorbehalte befördert. Punkt für Punkt hatte Bürgermeister Schmid (Christlich Soziale Bürger) mit seinen Gemeinderäten die Tagesordnung abgearbeitet. Doch zu Olympia sagte er kein Wort - obwohl die Gemeinderäte von CSU und SPD dringend nachfragten. Seinen Gemeinderäten verweigert Schmid jegliche Information über die Olympiabewerbung - über das bisherige Ergebnis der Grundstücksverhandlungen genauso wie über die Gespräche bei der Gesellschafterversammlung der Bewerbungsgesellschaft vergangene Woche. Dort war beschlossen worden, das Budget für die Bewerbung um drei Millionen Euro auf 33 Millionen zu erhöhen. An der Bewerbungsgesellschaft ist Garmisch mit acht Prozent beteiligt.

Am nächsten Dienstag will Ministerpräsident Horst Seehofer mit seinem Kabinett nach Garmisch kommen. Er will noch einmal gute Stimmung machen. Im Herbst müssen die Grundstücksverträge unterschrieben sein.