Gammelfleisch-Skandal Ekelfleisch landet in Berliner Dönern

Ein Großteil des verdorbenen Fleisches aus Bayern könnte in Berlin verkauft worden sein. Mehr als 200.000 Döner könnten Gammelfleisch enthalten.

Berlin ist nach Angaben der Gesundheitsverwaltung doch mehr vom bayerischen Fleisch-Skandal betroffen als noch am Dienstag angenommen. Die Lebensmittelaufsicht gehe nun von 14 Tonnen minderwertigem Fleisch aus, das aus Bayern an einen Berliner Döner-Hersteller geliefert und später gegessen wurde, sagte die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, Regina Kneiding.

Rund 200.000 Döner könnten bayerisches Gammelfleisch enthalten.

(Foto: Foto: ddp)

Die Staatsanwaltschaft Memmingen sprach sogar davon, im Juli seien 20 Tonnen ungenießbares Fleisch nach Berlin geliefert worden. Staatsanwalt Jürgen Brinkmann sagte dazu: "Nach meinem Wissen sind die 20 Tonnen nach Berlin gegangen." Das habe der Beschuldigte bei seiner Vernehmung angegeben. Es werde aber geforscht, ob Fleisch auch an andere Orte geliefert worden sei

Das Fleisch, das aus Schlachtabfällen bestand, sei an Döner-Ständen in Berlin und Brandenburg verkauft worden. Am Dienstag war zunächst von 1,7 Tonnen Ekelfleisch die Rede.

Aus der Gammelfleisch-Lieferung könnten mehr als 200.000 Döner hergestellt worden sein. In einem Döner sind nach Angaben des Fleischerverbands Bayern maximal 100 Gramm Fleisch enthalten.

Sollte die gesamte Lieferung von 20 Tonnen Schlachtabfällen zu Dönerfleisch verarbeitet worden sein, wären dies je nach Fleischmenge mindestens 200.000 Stück.

Kritik an den Lebensmittelkontrollen kommt indes vom Verband Unabhängiger Prüflaboratorien. Als viel zu lasch kritisierte Präsidiumsmitglied Gero Beckmann die staatlichen Lebensmittelkontrollen. "Da wird viel zu wenig durchgegriffe", sagte er.

Vor allem das Strafmaß sei zu gering. Jede Kleinstadt treibe mehr Geld über Strafzettel für Falschparken ein als durch Ahndung von Verstößen gegen das Lebensmittelrecht. Die Entsorgung von einer Tonne Fleischabfälle koste die Unternehmen zwischen 100 und 140 Euro, sagte Beckmann. Deshalb entwickelten sich verschlungene Wege. Die Abfälle vagabundierten quer durch Europa.

Scharfe Kritik übte Präsidiumsmitglied Beckmann im ZDF auch am Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, Gerd Lindemann, der die Kontrollmechanismen gegen Gammelfleisch gelobt hatte. "Das ist ja lächerlich", sagte Beckmann. In Deutschland werde lediglich jeder zweite Betrieb kontrolliert, jeder fünfte falle bei Prüfungen auf.

Der Lebensmittelhygieniker verwies auf die hohe Beanstandungsquote bei Döner-Fleisch, die seit Jahren zwischen 40 und 75 Prozent liege.

Die schon seit längerem von Fachleuten und Politikern geforderte Einfärbung von ungenießbaren Schlachtabfällen sei "ein sinnvoller und richtiger Vorschlag", sagte Beckmann. Er kritisierte, das seit letztem Jahr verbindliche EU-Lebensmittelhygienerecht sei in Deutschland noch immer nicht umgesetzt worden.