Schloss Elmau:Wie sich die Region auf den G-7-Gipfel vorbereitet

Lesezeit: 3 min

Schloss Elmau: Der Zaun, den Arbeiter gerade in einem weiten Umkreis um Schloss Elmau ziehen, wird insgesamt 16 Kilometer lang und bis zu drei Meter hoch.

Der Zaun, den Arbeiter gerade in einem weiten Umkreis um Schloss Elmau ziehen, wird insgesamt 16 Kilometer lang und bis zu drei Meter hoch.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Die Menschen in Elmau und Garmisch-Patenkirchen wissen zwar schon von 2015, was auf sie zukommt. Zugleich hat sich in den vergangenen Jahren von der Corona-Pandemie über Klimaproteste bis zum Krieg in der Ukraine einiges verändert. Das wirkt sich auch auf das Sicherheitsrisiko aus.

Von Matthias Köpf, Garmisch-Partenkirchen

Die rund 150 Menschen in der Garmischer Bayernhalle wissen ganz gut, was da Ende Juni auf sie zukommen wird. Die allermeisten von ihnen haben 2015 schon einmal einen G-7-Gipfel auf Schloss Elmau erlebt, und mindestens ein Viertel der Zuhörer in Saal war damals in irgendeinem Amt oder einer Einsatzzentrale beruflich damit befasst. Viele Frage gibt es da nicht mehr. Man wolle sich auch dieses Mal wieder als guter Gastgeber erweisen, versichern die Garmisch-Partenkirchner Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) und Landrat Anton Speer (FW) bei dieser Informationsveranstaltung für die Bürger.

Nur derjenige, der an dem Abend den Bundeskanzler als den eigentlichen Gastgeber des Gipfels vertritt, ist nach eigenen Worten überhaupt erst zum zweiten Mal in der Gegend, und das erste Mal sei er als Kind eher widerwillig mit seinen Eltern zum Wandern da gewesen. Dafür ist der Berliner Regierungssprecher Steffen Hebestreit diesmal bei der Anfahrt gleich in eine größer angelegte Kontrolle der bayerischen Polizei bei Eschenlohne geraten. Und ziemlich genau das ist es eben, was von 26. bis 28. Juni wieder auf alle Menschen hier zukommen wird.

Schloss Elmau: Für Landrat Anton Speer (FW) ist der zweite deutsche Gipfel in Folge "Ehre und Aufgabe zugleich". Gerissen haben sich er und die Menschen in der Region um beides nicht.

Für Landrat Anton Speer (FW) ist der zweite deutsche Gipfel in Folge "Ehre und Aufgabe zugleich". Gerissen haben sich er und die Menschen in der Region um beides nicht.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

"Eine Ehre und Aufgabe zugleich" ist der neuerliche Gipfel nach den Worten, die sich der Landrat dafür vor einer Weile zurechtgelegt hat, aber Hebestreit hat da so eine Ahnung: "Ich vermute mal, ein bisschen Ärger wird da auch dabei sein." Der Bundesregierung sei jedenfalls sehr bewusst, dass die im Herbst recht kurzfristig getroffene Entscheidung, den deutschen Gipfel zum zweiten Mal in Folge in Elmau stattfinden zu lassen, in der Region "nicht nur Begeisterung ausgelöst" habe.

Was sie ausgelöst hat, sind hektische Aktivitäten in Behörden und Planungsstäben, die ihre Konzepte von 2015 aus der Schublade gezogen und der neuen Situation angepasst haben. Neu sind im Vergleich zu damals nach den Worten von Landrat Speer etwa die Flüchtlingskrise, die Corona-Pandemie, die verschärften Klimaproteste und der Krieg in der Ukraine. All das wird den Gipfel nicht nur inhaltlich prägen, wie Hebestreit erläutert. Sondern auch in Form eines zusätzlichen Sicherheitsrisikos.

Dem will die Polizei laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wieder mit etwa 18 000 Beamten begegnen, die auch aus anderen Ländern und von der Bundespolizei kommen werden. Viele werden nicht direkt in der Gipfelregion Dienst tun, sondern etwa bei der ebenfalls wieder erwarteten Großdemonstration in München oder am Flughafen. Von dort sollen die wichtigsten Gäste per Hubschrauber nach Elmau geflogen werden. Erlaubt das Wetter keine Flüge, geht es über Land.

Für diese "Protokollstrecke" kündigt der Rosenheimer Polizeipräsident Manfred Hauser eine je vierstündige Vollsperrung am ersten und letzten Gipfeltag an. Doch während das 1975 von Helmut Schmidt und Valéry Giscard D'Estaing erfundene G-6-Treffen nur mit den Staatschefs und einigen wenigen Begleitern auskam, wird laut Hebestreit nun jede einzelne G-7-Delegation mehrere Hundert Menschen umfassen. Die meisten werden auf der Straße anreisen. Trotzdem sollen alle touristischen und gewerblichen Ziele stets erreichbar bleiben.

Nur das Elmauer Tal wird komplett abgeriegelt. Gerade vollenden Arbeiter den 16 Kilometer langen Zaun, der sich dort durch den Wald Richtung Wettersteinwand zieht. In deren Rinnen liegt noch Schnee, die Laubbäume beginnen hier auf 1000 Metern Seehöhe gerade erst auszutreiben. Dafür spitzt zwischen den Fichten neben der Straße ein von Stacheldraht umrankter Gittermast mit Funkantennen hervor, und ganz hinten glänzt der Wanderparkplatz schwarz vor frischem Asphalt, auf dem mehrere Landeplätze für Hubschrauber markiert sind. Die Bäume wurden ausgegraben und umgetopft, nach dem Gipfel soll der Asphalt wieder weichen.

Schloss Elmau: Als Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen ist Elisabeth Koch (CSU) den Anblick von Zäunen und Containern inzwischen gewohnt. Mit dem Ergebnis ihrer steten Forderungen nach staatlicher Unterstützung zeigt sie sich vorerst zufrieden.

Als Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen ist Elisabeth Koch (CSU) den Anblick von Zäunen und Containern inzwischen gewohnt. Mit dem Ergebnis ihrer steten Forderungen nach staatlicher Unterstützung zeigt sie sich vorerst zufrieden.

(Foto: Angelika Warmuth/dpa)

Am Parkplatz beim Schloss stapeln Kranlaster Container auf. Hier sollen kleine Presserunden möglich sein, doch ein Großteil der 3000 erwarteten Journalisten wird im Medienzentrum am Parkplatz der Garmischer Hausbergbahn arbeiten. Zäune und Container dominieren auch hier und am örtlichen Skistadion, in dem ein behelfsmäßiges Justizzentrum samt Arrestcontainern entsteht. Das Kongresshaus und die Zugspitzrealschule, wo der Stab der bayerischen Polizei Quartier nimmt, sind ebenfalls umzäunt.

Den Anblick von Zäunen sind die Menschen im Ort inzwischen gewöhnt. Hebestreit aber wird nicht der einzige bleiben, der zum ersten Mal an einem Gipfel in Elmau teilnimmt. 2015 war noch keiner der jetzigen G-7-Chefs im Amt. Als Gäste werden die Regierungschefs von Indien, Indonesien, Senegal und Südafrika die Männerrunde vergrößern, als einzige Spitzenpolitikerin wird EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erwartet.

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