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G-9-Volksbegehren in Bayern:Vergebliches Werben

G8 Abitur Schule

Das Volksbegehren will das neunjährige Gymnasium zurückholen.

(Foto: dpa)

Obwohl schon 25.000 Menschen unterschrieben haben, wollen SPD und Grüne das Volksbegehren zum G 9 der Freien Wähler nicht unterstützen. Sie signalisieren aber ihre Bereitschaft zu einer Reform des Gymnasiums - unter einer Voraussetzung.

Die erste Hürde von 25.000 Unterschriften für die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium haben die Freien Wähler genommen - nun versucht ihr Vorsitzender Hubert Aiwanger die anderen Oppositionsparteien und die Lehrerverbände hinter sich zu vereinen. Er appellierte an SPD und Grüne sowie Lehrerverbände, Detailkritik am Gesetzentwurf zum G 9 hintanzustellen und das Volksbegehren zu unterstützen. "Es sollten alle Beteiligten die Chance erkennen. Wenn wir die Gelegenheit jetzt nicht nutzen, dürften Reformen für viele Jahre auf sich warten lassen", sagte Aiwanger. "Ich erwarte mir, dass alle Beteiligten das Volksbegehren unterstützen."

Bei der späteren Ausgestaltung eines neunjährigen Gymnasiums seien die Freien Wähler "gesprächsbereit", sagte Aiwanger. "Wir nehmen die Kompetenz der Lehrerverbände mit dazu." Aiwanger räumt ein, dass der Gesetzentwurf der Freien Wähler Schwächen aufweise. Dass ihr Konzept beispielsweise vorsieht, den Unterrichtsinhalt lediglich auf neun Jahre zu strecken, sei dem Umstand geschuldet, dass Volksbegehren in Bayern nur dann zulässig sind, solange sie den Staatshaushalt nicht beeinflussen. Das heißt vereinfacht, das G 9 darf nicht mehr kosten. Vor allem daran entzündet sich die Kritik von Lehrerverbänden, aber auch von SPD und Grünen. Aiwanger sagte nun, die Lehrerverbände müssten in einem ersten Schritt akzeptieren, dass sie nicht sofort all ihre Vorstellungen einbringen könnten. "Später können sie mit ihren Qualitätsansprüchen kommen", sagte Aiwanger.

Doch der Bayerische Philologenverband, der derzeit selbst an einem Konzept für ein neunjähriges Gymnasium arbeitet, will sich vom Volksbegehren der Freien Wähler nicht unter Druck setzen lassen. "Wir möchten uns Zeit lassen", sagte dessen Vorsitzender Max Schmidt. Das Modell der Freien Wähler lehnt der Verband ab. "Das ist keine Weiterentwicklung." Die Inhalte auf neun Jahre zu strecken, genüge nicht. "Wir sind absolut sicher, dass wir nicht mit den Ressourcen auskommen werden, die die Freien Wähler angeben", sagte Schmidt.

Bei der Opposition sorgte der Erfolg der Freien Wähler immerhin für Bewegung. SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher und seine Grünen-Amtskollegin Margarete Bause telefonierten miteinander zu diesem Thema. Zwischen beiden herrschte zuletzt Funkstille. Rinderspacher erklärte zwar, das Konzept der Freien Wähler sei "nach wie vor problematisch", weil sie die Verbände nicht mit im Boot haben". Gegen den Willen der Lehrer sei eine Reform nicht machbar. Aiwangers Gesprächsangebot sei aber positiv. "Ich würde es begrüßen, wenn wir neue Pläne diskutieren könnten, wie wir die Geschwindigkeit aus den Gymnasium herausnehmen", sagte Rinderspacher.