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G-7-Gipfel in Elmau:Luxus für die Staatschefs

The spa area of the new building of the hotel castle Elmau in Kruen near the southern Bavarian resort of Garmisch-Partenkirchen

"Man weiß, dass wir alles können": Pools mit Bergblick im Schlosshotel Elmau.

(Foto: REUTERS)
  • Beim G-7-Gipfel wird er die Staatschefs behebergen, jetzt hat Dietmar Müller-Elmau Journalisten durch sein Schlosshotel geführt.
  • Für 40 Millionen Euro hat Müller-Elmau neben sein Stammhaus das sogenannte Retreat gebaut, in dem die Politiker wohnen werden.
  • Er präsentiert Pools mit Bergblick - das Schönste an dem Hotel sei jedoch die Landschaft.

Für einen Schloss-Herrn empfängt Dietmar Müller-Elmau seine Gäste ziemlich lässig am Portal seines Hotels. Er parliert, charmiert, strahlt Contenance aus. Ein Mann, der in seinem Reich ruht, den auch die Buchung von Obama und Merkel nicht aus dem Gleichgewicht wirft. Und schon gar nicht der Besuch des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann, der Journalisten am Tagungsort über die Vorbereitungen des G-7-Gipfels am 7. und 8. Juni informieren will. Bis Müller-Elmau auf dem Laptop eines Fotografen ein Bild sieht, das seinen Neubau zeigt und im Vordergrund ein großes Baustellenschild.

Der versprochene Blick in eine der Suiten, in denen die sieben Staats- und Regierungschefs möglicherweise wohnen, wird kurz darauf abgesagt. Müller-Elmau mag keine Baustellen-Bilder von seinem Reich mehr sehen. "Sie haben nichts von solchen Bildern, und ich auch nicht", sagt der Schlossherr. Für 40 Millionen hat Müller-Elmau neben sein Stammhaus das sogenannte Retreat gebaut. Seit zweieinhalb Jahren laufen die Arbeiten, an diesem Samstag kommen die ersten Gäste. Der Tag vor einer solchen Eröffnung ist mit der anstrengendste, den ein Hotelier mitmachen muss. Am Freitag wuseln noch 400 Handwerker durch die Gänge und Suiten. In 20 Stunden muss alles perfekt sein. Und dann auch noch die Presse. "Kommen Sie morgen, jederzeit, dann zeige ich Ihnen die fertigen Suiten", sagt Müller Elmau. Aber bitte keine Fotos von Staub saugenden Zimmermädchen und Handwerker mit Schraubenzieher in der Suite von Angela Merkel oder Francois Hollande.

Drei Außenpools mit Blick auf die Berge

Müller-Elmau schickt trotz des Zeitdrucks seine Arbeiter in Zwangsmittagspause, führt durchs Parterre, zeigt die neue Terrasse mit dem atemberaubenden Blick. "Das ist Bayern", sagt der Hotelchef und lässt seine Blicke von der Terrasse über die verschneiten Gipfel des Wettersteingebirges schweifen. Alleine drei Außenpools hat man von hier aus im Blick. Das Wasser ist schön warm, es ist klar und glatt wie ein Spiegel. Ein Bilderbuchtag, praktisch alle Mitreisenden fragen sich, warum Ministerpräsident Horst Seehofer sich diese Bühne entgehen lässt. Aber er hat den Termin kurz vorher abgesagt, wie einen ganzen Schwung vergleichbarer Auftritte zuvor. Über die Gründe wird allenthalben gerätselt. Müller-Elmau blickt um sich. "Auch der Putin würde sich hier entspannen." Der russische Staatschef aber darf bekanntlich nicht kommen, so wird eine der 13 Suiten leer bleiben oder anderweitig Verwendung finden.

Schlosshotel Elmau

Einblicke ins Heiligtum

Immerhin, die Balkone der 13 Suiten sind zu sehen.120 bis 200 Quadratmeter seien die Suiten groß. Schlicht seien sie, "ohne Protz, ohne Schnickschnack", sagt Müller-Elmau. "Schöner als die Landschaft kann es ohnehin nicht werden."

Der Hotelier ist alles andere als bescheiden

Er sinniert über sein selbst geschaffenes Paradies: "Man hat wunderbar viel Platz, um sich aus dem Weg zu gehen, das sind ideale Voraussetzungen für einen Familienurlaub." Es ist eine äußerst selbstbewusste Coolness, mit der Müller-Elmau durch seine erweiterte Anlage führt. Er steht da, Hemd über der Hose, wie man auch einen griechischen Finanzminister empfangen könnte. Ob es spezielle Wünsche der G-7-Teilnehmer an seinen Betrieb gebe? "Sie brauchen in diesem Hotel keine Wünsche anmelden, man weiß, dass wir alles können." Man nehme nur den Spa. "Ich hab noch keinen schöneren gesehen, das kann ich so sagen."

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Innenminister Joachim Herrmann stößt hinzu, er kommt mit dem Hubschrauber, so wie es auch die Staatschefs tun sollen. Die Rotoren kreisen, auch Herrmanns Gedanken drehen sich immer stärker um den Gipfel. Er schaut sich das blitzblanke Hotel genauso an wie das Eislaufzentrum in Garmisch, das noch den Geist vergangener Jahrzehnte atmet. Hier soll das Pressezentrum entstehen. Die Krawalle von Frankfurt beschäftigen den Innenminister. Er kündigt eine Rückkehr von Grenzkontrollen für die G-7-Tage an, wie sie das Schengen-Abkommen in Sonderfällen ausdrücklich zuließen. Die könnten auch normale Urlauber auf der Rückreise vom Pfingsturlaub in Italien treffen - "möglicherweise schon am Brenner".

Innenminister Herrmann scherzt über mögliche Randalierer

Herrmann treibt seine Scherze und spielt auf Gewaltbereite an, die mit Pflastersteinen im Kofferraum unterwegs sein könnten und behaupten, sie bräuchten diese für die Hausrenovierung daheim. "Wenn Sie wirklich Ihren Vorgarten neu gestalten wollen, sollten Sie es vielleicht nicht zwei Tage vor dem Gipfel machen." Der Ernstfall beginne erst kurz vor dem Treffen, macht er klar. "Sie können an Pfingsten immer noch spazieren gehen, und wenn Sie das ohne Waffen tun, würden Sie uns das Leben erleichtern." Müller-Elmau sieht solche Fragen entspannt: "Ich bin Gott sei dank nicht für die Sicherheit zuständig."

Der Betrieb muss weiterlaufen, auch in einem bald weltberühmten Gipfelhotel. Die Gäste hier haben schon im Alltag Trubel genug, sie müssen nicht auch noch begafft werden, wenn sie vom Hotel hinüber ins Badehaus gehen. Der Mann im blauen Bademantel und die Frau in apricot brauchen das nicht laut auszusprechen. Ihre Blicke genügen.

© SZ vom 21.03.2015/tau
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