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Fürther U-Bahn-Schläger:"Brutaler als in München"

Der U-Bahn-Überfall in Fürth gibt Rätsel auf: Der 15-jährige Täter stammt aus einem gutsituierten Stadtteil, fiel aber häufig durch Prügeleien auf. Zuletzt wurde er von einem Sozialpädagogen betreut.

Der 15 Jahre alte Schüler aus Fürth, der in der Nacht zum Samstag ohne erkennbaren Grund einen 34 Jahre alten Mann in einem Fürther U-Bahnhof beinahe totgeprügelt hätte, stammt aus einem gutsituierten Fürther Stadtteil. Er war zuvor schon mehrmals durch Rüpeleien und Raufereien auf dem Schulhof aufgefallen.

Der brutale Überfall des Fürther U-Bahn-Schlägers - für den Leiter des Jugendamts ist es "ein absolutes Rätsel".

(Foto: Foto: dpa)

Das Fürther Jugendamt hatte dem Hauptschüler und dessen alleinerziehender Mutter deshalb einen Sozialpädagogen an die Seite gestellt. Der sollte zu dem Schüler einmal pro Woche Kontakt aufnehmen. Im August wurde die Betreuung jedoch eingestellt, weil sich der Jugendliche nicht an verabredete Termine oder Abmachungen halten wollte. Was in den Schüler gefahren ist, als er im U-Bahnhof "Klinikum" den 34-Jährigen verprügelte, ist dem Leiter des Fürther Jugendamtes, Josef Lassner, "ein absolutes Rätsel".

Kein Migrationshintergrund, kein Intensivtäter

Lassner stellt auch klar: Der betreffende Schüler "ist kein Junge mit Migrationshintergrund" - er ist Deutscher. Man könne den Schüler auch nicht zu den "Intensivtätern" rechnen - für derlei Gewaltexzesse war der 15-Jährige bislang nicht bekannt.

Umso rätselhafter scheint nun der brutale Überfall auf den 34-Jährigen zu sein. Laut Polizei zeigen die Videobilder Szenen, die an den Fall in der Münchner U-Bahn im Dezember 2007 erinnern. Damals hatten zwei 17 und 20 Jahre alte Männer einen Rentner zusammengeschlagen.

Im Unterschied zu dem Fall in Fürth war das Videomaterial damals veröffentlicht worden. Diesmal halten Polizei und Staatsanwaltschaft die Bilder zurück. "Selbst wenn wir den Täter nicht nach 22 Stunden gefasst hätten, hätten wir das Video keinesfalls in voller Länge an die Medien gegeben", erklärt ein Polizeisprecher.

Videoaufnahmen werden nicht freigegeben

Mit der Nürnberger Staatsanwaltschaft sei abgesprochen, dass in solchen Fällen allenfalls Teile des Videos veröffentlicht werden. Der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Träg nennt die Bilder aus dem Fürther U-Bahnhof "brutaler als jene in München". Der Täter habe "offenbar mit noch höherer Intensität auf sein Opfer eingeschlagen und eingetreten". Diese Bilder werde die Staatsanwaltschaft nicht freigeben. "Sowohl aus Gründen des Opfer- als auch des Täterschutzes", erklärt Träg.

Laut Polizei ist auf dem Video ein Passant zu sehen, der kurz nach ein Uhr nachts den auf einer Bank kauernden Schüler anspricht - offenbar in der Absicht, diesem Hilfe anzubieten. Nach einem kurzen Wortwechsel treibt der 15-Jährige sein Opfer mit Faustschlägen die Rolltreppe hoch.

Oben angekommen stößt der Täter den Mann mit voller Wucht gegen einen Fahrkartenautomaten, das Opfer geht zu Boden. Der Täter bearbeitet den Kopf seines Opfer mit den Fäusten, zuletzt tritt er mehrmals auf den am Boden liegenden Mann ein. Am Gesicht des Opfers bleibt kaum ein Knochen heil, es erleidet schwere Brüche an Nase, Jochbein und Kiefer.

Festnahme auf Volksfest

Der jugendliche Täter wurde 22 Stunden nach der Tat auf einem Fürther Volksfest festgenommen, in einem Bierzelt. Er versuchte, die Festnahme zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt war der Schüler schwer alkoholisiert. Er behauptet, dies auch zum Tatzeitpunkt gewesen zu sein. Als Grund für die Tat gibt er an, er sei "einfach ausgeflippt".

Politiker warnen davor, die Tat zum Wahlkampfthema zu machen. Karl Freller, Nürnberger CSU-Vize, will den Vorfall nicht "noch unnötig emotional aufladen". Schon im hessischen Landtagswahlkampf sei dieser "Schuss nach hinten losgegangen". Ein CSU-Präsidiumsmitglied hofft, dass "sich daran nun alle in der Partei halten werden".

In der SPD sorgt die Zurückhaltung für Aufatmen. "Offenbar ist die CSU doch noch lernfähig", sagt die Abgeordnete Helga Schmitt-Bussinger. Christine Stahl von den Grünen glaubt die Gründe zu kennen. "Bei einem Schüler ohne Migrationshintergrund fällt es der CSU natürlich schwer zu polemisieren."