Mitten in FürthSchmutzig? Nix da Berlin. Ferdd!

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Die Hornschuchpromenade in Fürth. Denkmalgeschützt, gewiss doch. Künftig aber sollte die Stadt mit ganz anderem werben.
Die Hornschuchpromenade in Fürth. Denkmalgeschützt, gewiss doch. Künftig aber sollte die Stadt mit ganz anderem werben. Foto: Olaf Przybilla

Fürth, Stadt der Superlative. Denkmäler, wohin das Auge reicht. Und neuerdings auch noch: Deutschlands Hotspot für Schmutzigkeit. Wow!

Glosse von Olaf Przybilla

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Superlative sind schick, vor allem, wenn sie keiner auf dem Schirm hat. Großstadt mit der höchsten Denkmaldichte pro Einwohner in Bayern? Vor 20 Jahren wurde in Fürth – Ansprache für Eingeweihte: „Ferdd“ – flott mal durchgezählt. Ergebnis: nix Regensburg. Ferdd!

Kamen natürlich gleich die Zweifler: Haben die da sämtliche historische Milchkannen mitgezählt? Zweifler aber gibt’s immer, das muss man aushalten. Jedenfalls ist Fürth aus der Zeit der Titel „Denkmalstadt“ geblieben.

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Es kommt aber noch besser. Stadt mit der schmutzigsten Straße Deutschlands? Da geht doch gleich das Kopfkino los. Schmutzig, das ist Berlin, 1920. So was aber räumt eine legendär verruchte Metropole wie Fürth mit Grandezza ab.

Schmutzig? Nix da Berlin. Ferdd!

Anschnallen bitte, liebe Fürth-Touristen, wir erreichen nun die Theresienstraße, Deutschlands Hotspot für Schmutzigkeit. Sehen Sie hier: links wie rechts zwei- bis dreistöckige Wohnhäuser, Straßenrandbebauung, kaum Geschäftswelt. Beachten Sie bitte hier: eine Spur für Autofahrer in westlicher Richtung. Eine Spur für Autofahrer in östlicher Richtung. Insgesamt also: zwei Spuren.

Ja, liebe Staunende. So ist: Ferdd!

Die Comödie in Fürth. Habitat der Komödianten Martin Rassau und Volker Heißmann, besser bekannt als „Waltraud und Mariechen“.
Die Comödie in Fürth. Habitat der Komödianten Martin Rassau und Volker Heißmann, besser bekannt als „Waltraud und Mariechen“. Foto: Daniel Karmann/dpa

Nicht genug damit. Eckhaus zu Straßenbeginn, die „Comödie Fürth“, Habitat von Waltraud und Mariechen. Was lange nicht alles ist: hier, eine Ampel. Dort gleich ums Eck, ein Altglascontainer. Nicht weit entfernt davon: eine staatliche Berufsschule. An deren Parkplatz, Achtung: eine Messstelle.

Sie sagen: Pardon, hier ist es weder sonderlich vermüllt noch im Ansatz verrucht? Sie haben nichts verstanden. Das hier? Sind Fakten: „Neue Datenauswertung von Coway Europe auf Basis der offiziellen Messdaten des Umweltbundesamtes“. Ergebnis: Nirgendwo ist die Luft schmutziger als in: Ferdd!

Gut, jedenfalls einmal. Im Monat Juni. An der einzigen Messstation der Stadt, Kreuzung Hirschen-/Theresienstraße, gleich an Altglascontainer und Ampel. Und auch nur, was den Feinstaub betrifft.

Sie sagen: Wenn diese zweispurige, nicht exorbitant befahrene 08/15-Stadtstraße, wenn dieser Max Mustermann unter den Asphaltpfaden der Republik Nummer eins unter „Deutschlands schmutzigsten Straßen“ (Coway Europe) ist – dann ist Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung Frankens Antwort auf Fred Astaire?

Nichts haben Sie verstanden. Das hier ist der aktenkundige Juni-Monatswert: 22, 57 µg/m³. Gegen den konnten gefährlichste Mitbewerber nicht anstinken. Krefeld nicht, nicht Duisburg, nicht einmal Ludwigshafen. Berlin ohnehin nicht.

Dass der Fürther Jahresmittelwert 2025 signifikant darunter lag? Dass niemand ansatzweise erklären kann, warum im Juni 2026 (und zuvor ein wenig schon im Mai) plötzlich diese exzeptionelle Meldung zustande kommt? Fürs Marketing ist das komplett schnurz.

Sollen es Landwirte aus dem Fürther Knoblauchsland gewesen sein, die da ihre staubige Ladung durch die Stadt kutschierten. Oder zeltende Berufsschüler, die im Sommer ihres Lebens unter der Messstation qualmten.

Alles das zählt nicht. Was zählt, ist der Spitzenwert. Und also: „Denkmalstadt Fürth“, das war einmal. Nicht mal mehr Oberstudienräte lockt man damit. Auf dem Autobahnschild muss es künftig heißen: „Fürth – so herrlich schmutzig“.

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