Mitten in Fürth:Historisches Duett

Frankens Underdog hat einen Lauf: Egal, was sie dort städtebaulich anfassen - es wird hübsch. Sogar ein versifftes Einkaufszentrum. Verantwortlich dafür zeichnet ein schwarz-rotes Pärchen.

Von Olaf Przybilla, Fürth

Fürth hat so vieles nicht. Nicht die Schönheit und Leichtigkeit Bambergs. Nicht die kunsthistorische Bedeutung und Winzerzünftigkeit Würzburgs. Die Lebendigkeit und das Unileben Erlangens nicht. Und die Größe und Geschichte Nürnbergs schon gar nicht.

Wenn Fürth in den vergangenen Jahrzehnten Beachtung fand, dann weil Großbetriebe böse Schiffbruch erlitten (Grundig, Quelle) - oder ein mitten im halbcharmanten Wohngebiet kickender Klub mit merkwürdigem Namen ("Greuther") auf den ersten Bundesligaheimsieg wartete. Das Bild von Fürth? Da sieht man ein improvisiertes Kleinstadion inmitten von Vororthäusern.

Was weniger bekannt ist: So imposant wie Fürth hat sich keine andere Stadt im Norden Bayern entwickelt zuletzt. Was auch immer die Stadtoberen anfassen - es gelingt. Nun erwarten Naivlinge, dass ein Ort hübscher wird, wenn da mal grundsätzlich Hand angelegt wird. Wer aber den Nürnberger Aufseßplatz kennt, der weiß, dass Rundumerneuerungen auch schnell mal im Handbuch des architektonischen Abgrunds landen können.

Der renovierte Fürther Markt dagegen? Eine Empfehlung. Das ehemalige Grundig-Areal? Lebt. Die Stadtbibliothek samt Kaffeehaus mit Ausblick? Gelungen. Das Areal rund ums Ludwig-Erhard-Museum? Passt. Die Promenade an der Rednitz? Wow. Der wunderbare Stadtpark an Wiesenlandschaft mit neu eröffnetem Café? Einer der lässigsten Orte im Freistaat.

Nein, Fürth hat nicht die Buntheit Berliner Kieze. Aber, auch wenn sich das abgedreht anhören mag, an einem schönen Herbsttag ist das Leben rund um die Gustavstraße nicht viel öder.

Jetzt aber: Mag eine Stadt einen Lauf haben, ein siffiges Innenstadteinkaufszentrum zum passablen Aufenthaltsort zu wandeln, das hat der Beton gewordene Kapitalismus mit seinen Nullachtfünfzehnläden grundsätzlich nicht im Kreuz. Oder?

Doch. "City Center" hieß früher einer der widerlichsten Orte Frankens. Neuerdings geht man da ins "Flair", bringt Kinder zum Indoorspielplatz und kauft beim veganen Metzger ein.

Es wird jetzt ja viel über die große Koalition geschimpft, die es abzulösen gilt. In Fürth dürfte das Duett aus Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD) und Wirtschaftsreferent Horst Müller (CSU) in die Geschichte eingehen.

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