Porträt über Albert Füracker:Freundschaft auf den zweiten Blick

Hier der zurückhaltende Füracker, dort der ungeniert rempelnde Söder: Wie passt das? Die Älteren in der CSU erinnern sich noch an weniger einträchtige Zeiten. Als Söder 1995 zum Landeschef der Jungen Union gewählt wurde, standen die Oberpfälzer mit Füracker auf der gegnerischen Seite. Als Söders Stellvertreter an der JU-Spitze habe er dann aber gemerkt, wie "stark, kreativ und ideenreich" Söder sei, erinnert sich Füracker: "Es gibt keinen anderen mit dieser Energie." Es war Freundschaft auf den zweiten Blick. Endgültig zusammengefunden haben sie 2008 nach Fürackers Einzug in den Landtag, fünf Jahre später wurde er Söders Finanzstaatssekretär.

Vermutlich harmonieren beide auch deshalb, weil sie eine unterschiedliche Definition von Erfolg haben, wie sie etwa am Ausstoß von Pressemitteilungen abzulesen ist. Söder hielt nie viel davon, dass ein Amt zur Person kommen müsse; mindestens die Hälfte des Weges legte er gleich selbst zurück. Füracker dürfte sein Ziel bereits erreicht haben. Sollte er eines Tages Ministerpräsident oder Parteichef werden wollen, lässt er es sich jedenfalls nicht anmerken. Egal ist ihm sein Image nicht. Nachdem er bei seiner Anzapf-Premiere beim Maibock neun Schläge gebraucht hatte, flüchtete er dieses Jahr freiwillig in die Selbstironie. "Mal sehen, ob diesmal nach dem Anzapfen noch genügend Bier da ist", sagte er.

Füracker wird oft unterschätzt

Die Erwartungen nach unten schrauben, um sie dann zu übertreffen, so könnte es auch jetzt beim Haushalt sein. Die Rücklagen dürften nach den jüngsten Steuerschätzungen weniger schrumpfen als zunächst angenommen. Er fühle sich durch die neuen Zahlen bestätigt, sagt Füracker auch mit Blick auf die Opposition. Der Albert sei bescheiden, wolle seine Arbeit aber durchaus gewürdigt wissen, berichten Parteifreunde. Er pflege das "selbstbewusste Understatement" eines Landwirts.

Als Füracker als frischer Abgeordneter öfter zur Regierungsbank rannte, hielt der SPD-Haushaltssprecher Harald Güller ihn für einen arroganten Gschaftlhuber. Jetzt sagt Güller, Füracker habe sich in die Materie "stark eingearbeitet" und trete sehr verbindlich auf - anders als Söder, der nur freundlich gewesen sei, wenn er etwas gebraucht habe. Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann fordert Füracker auf, "nicht nur den treuen Erfüllungsgehilfen seines früheren und heutigen Chefs Söder zu mimen, sondern auf einen soliden und zukunftssicheren Haushalt zu pochen. Er muss sich freischwimmen". CSU-Leute sagen, Fürackers Schicksalsjahre als Hüter der Finanzen stünden ihm erst noch bevor. Man solle sich aber nicht täuschen: Der Minister werde immer noch unterschätzt.

© SZ vom 14.05.2019/jael
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