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Früherer CSU-Chef Erwin Huber:Dann eben Wurmsham

Der frühere CSU-Chef Erwin Huber ist sich für nichts zu schade: Nachdem er die absolute Mehrheit seiner Partei bei der Landtagswahl 2008 verloren hatte, reihte er sich wieder unten ein. Die Geschichte von einem, der nicht aufhören kann.

Eine Feierlichkeit der neuen Art im Energiewendeland: Heute wird ein Trafo-Häuschen eingeweiht. Ein Feld bei Roßbach, Kreis Rottal, tiefstes Niederbayern. Neben dem Umspannwerk steht ein Festzelt, ein paar Dutzend Gäste sind gekommen. Weil der Pfarrer in der Bibel natürlich nichts über Fotovoltaik gefunden hat, sagt er: "Lasst uns dankbar sein für all die Gaben."

Straßenbahn statt Limousine: "Man muss sich erstmal im Kopf klarmachen, dass man nur noch die zweite Geige spielt", sagt Erwin Huber.

(Foto: Robert Haas)

Jetzt sagt Roßbachs Bürgermeister Josef Grübl noch ein paar Worte: "Ein Umspannwerk", erklärt er, "ist eine Anlage, die leise und unbeachtet vor sich hinbrummt." Und: "Erst wenn der Strom weg ist, wird uns bewusst, wie sehr unser Leben davon abhängt."

Strom weg? Leise und unbeachtet vor sich hinbrummen? Grübl könnte auch Erwin Huber gemeint haben, der ein paar Meter neben ihm steht.

Der Ex-Minister, der Ex-Chef der CSU, der Alles-mal-Gewesene dieser Partei - er ist Ehrengast. "Herr Staatsminister", begrüßen sie ihn, als hätte Huber nach der Wahlniederlage 2008, bei der die CSU auf 43,4 Prozent abstürzte, nicht alles abgeben müssen: seine Ämter in der Regierung und in der Partei.

Geblieben sind dem Landtagsabgeordneten der Vorsitz im Wirtschaftsausschuss und Auftritte wie dieser: "Gut habt ihr es gemacht!", ruft er den Mitarbeitern vom Energiekonzern zu und referiert über Stromtrassen und Energiemärkte.

Huber, 65, hat sich schon wieder hinters Steuer seines BMW geklemmt. Um sechs Uhr klingelte der Wecker, 6.30 Uhr schnappte er sich die Zeitung. Dann nimmt er die Termine wahr, für die sich andere zu schade sind.

Dieser Mittwoch bei ihm sieht so aus: 10.30 Uhr Trafo-Station, 14 Uhr Referat bei der Senioren-Union in Ergolding zum Thema "Ist unser Geld noch sicher?", 16.15 Uhr Besichtigung Drei-Quellen-Gemeinde Wurmsham, 19.30 Uhr Hauptversammlung CSU Niederaichbach. Fast 250 Kilometer wird Huber zurücklegen.