Fritz Schösser Der Grantler aus der DGB-Loge

"Ich freue mich am Wahlabend, wenn ich nicht recht habe": Fritz Schösser hält seine Kritik an der SPD nicht für parteischädigend - und die Genossen schweigen.

Von Katja Auer

Die Muppet Show gefällt Fritz Schösser übrigens sehr gut. Auch die beiden Opas, Waldorf und Statler, die stets schlechtgelaunt das Geschehen auf der Bühne mit bissigen Kommentaren begleiten. Florian Pronold, der SPD-Landesgruppenchef im Bundestag, hat nach Schössers jüngsten Äußerungen zur bayerischen SPD dieses Bild bemüht und erklärt: Der DGB-Chef sei ein "verbitterter alter Mann", der sich benehme wie der Opa in der Muppet Show. Der Vergleich ist boshaft, aber nicht ganz von der Hand zu weisen.

Der Geist, der stets verneint. DGB-Chef Fritz Schösser sieht sich selbst als Arbeiterführer, seine Parteifreunde von der SPD betrachten ihn immer mehr als notorischen Quengler ähnlich den alten Herren aus der "Muppet Show".

(Foto: Foto: dpa)

Denn wie Waldorf und Statler zur Muppet Show, so gehört Schösser zur SPD. Und genau wie die beiden gibt er den scharfzüngigen Kritiker - meist dann, wenn es der SPD nicht wirklich gut bekommt. Dass er seiner Partei damit schaden könnte, das ficht Schösser nicht an. Als DGB-Chef müsse er schließlich für die Arbeitnehmer kämpfen. Dahinter müsse das Parteimitglied Schösser zurücktreten, sagt er.

"Die SPD wird schlecht abschneiden"

Der 61-jährige Fritz Schösser ist seit seinem 14. Lebensjahr Mitglied der Partei, saß erst im Landtag, dann im Bundestag, schon sein Vater und sein Großvater waren SPD-Mitglieder. Schösser nennt die SPD seine "politische Heimat". Die erscheint ihm nur oft nicht arbeitnehmerfreundlich genug. Und dann gibt Schösser den grantigen Opa. Wie im Frühjahr 2007, als er drei SPD-Bundestagsabgeordnete, darunter Florian Pronold, als Redner bei den Kundgebungen am 1. Mai ausgeladen hatte, weil sie der Rente mit 67 und der Gesundheitsreform zugestimmt hatten.

Nun hat Schösser prophezeit, dass die SPD bei der Landtagswahl in zweieinhalb Wochen schlecht abschneiden werde. Die CSU werde zwar Stimmen verlieren, aber die absolute Mehrheit behalten, sagte Schösser. Und SPD-Spitzenkandidat Maget sei angesichts der bundespolitischen Situation der SPD ein "armes Schwein". Ein Affront für die wahlkämpfenden Genossen.

Den "einen oder anderen Ruck auszulösen" sei sein Anliegen gewesen, sagt Schösser. Er weiß recht gut, dass er polarisiert, aber wenn man in einer Volkspartei nicht seine Meinung sagen dürfe, ja, wo denn dann? Er kämpft für die Arbeitnehmer, und deren Interessen würden in der SPD immer noch am ehesten vertreten. Nur manchmal glaubt er, die Partei an ihre ureigensten Aufgaben erinnern zu müssen. "Ich glaube an den Gedanken der Sozialdemokratie", sagt Schösser. Dem bayerischen Wähler traut er so viel Einsicht offenbar nicht zu, "aber ich freue mich am Wahlabend, wenn ich mit meiner Prognose nicht recht habe".

Lesen Sie auf der nächsten Seite, von wem Schösser harsche Kritik einstecken muss.