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Auf Video dokumentiert:Jägerin tötet Hauskatze mit Kopfschüssen

Sie hatte das Tier im Großraum Augsburg in einer Lebendfalle vorgefunden. Der Verein "Soko Tierschutz" stellte das Video nun ins Internet und fordert: "Dieser Jägerin gehört sofort die Waffe und der Jagdschein weggenommen."

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Schwaben Nord laufen jetzt Ermittlungen gegen eine Jägerin, die vermutlich im Dezember 2020 in einem Waldgebiet bei Zusmarshausen im Kreis Augsburg eine Hauskatze mit drei Schüssen getötet hat. Kurz nach den Weihnachtsfeiertagen sei eine Anzeige eingegangen - "wegen eines möglichen Vergehens nach dem Tierschutzgesetz". Aber auch der Verein "Soko Tierschutz" hat mittlerweile Strafanzeige erstattet - in diesem Fall bei der Staatsanwaltschaft Augsburg.

Zwar dürfen nach dem bayerischen Jagdgesetz wildernde Katzen erschossen werden, wenn sie mehr als 300 Meter vom nächsten bewohnten Gebäude entfernt sind. Doch im konkreten Fall, der auf einem Video dokumentiert ist, geht der Bayerische Jagdverband (BJV) auf Distanz: "Für die weidmännisch jagenden Jäger gilt das ungeschriebene Verbot, kein Tier zu erlegen, das einen Namen tragen könnte", sagte BJV-Präsident Ernst Weidenbusch.

Auf dem Video, das den Strafermittlern vorliegt und das der Verein "Soko Tierschutz" ins Internet gestellt hat, ist zu sehen, wie die Jägerin der verängstigten Katze durch die Gitter der Lebendfalle zweimal in den Kopf schießt, das Tier aber noch weiterlebt. "Und leidet", wie Friedrich Mülln, der Vorsitzende von Soko Tierschutz, betont. Laut Tierschutzgesetz, so schreibt Mülln in seiner Strafanzeige, stehe "es unter Strafe, einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zuzufügen". Und weiter: "Unter Rohheit werden danach Handlungen verstanden, die sich durch Gleichgültigkeit sowie durch Emotionslosigkeit auszeichnen." Hinzu komme, dass die verwendete Kastenfalle in Bayern für die Jagd verboten sei. Die Jägerin ihrerseits will zu dem Vorfall keine Stellungnahme abgeben: "Aufgrund des laufenden Verfahrens möchte ich mich momentan nicht dazu äußern", sagte sie am Montag.

Aus Sicht des Bayerischen Jagdverbandes hat die Frau entgegen Prinzipien gehandelt, die bereits in der Ausbildung vermittelt werden. "Wir lehren unseren Jagdschülern, versehentlich gefangene Katzen grundsätzlich in ein Tierheim zu verbringen, wenn der Besitzer nicht bekannt ist", erklärte BJV-Präsident Weidenbusch. Tierschützer Friedrich Mülln will beim Betrachten des Videos gar erkannt haben, "dass die Katze eine Plakette um den Hals trägt". Auf die Schützin kommen nun - abgesehen von den polizeilichen Ermittlungen - weitere Konsequenzen zu: Ein Jägerausschuss soll prüfen, ob die Frau "gegen die Grundsätze der deutschen Weidgerechtigkeit" verstoßen hat. "Der Ausschuss empfiehlt in einem solchen Fall den Behörden, dass der Jägerin der Jagdschein entzogen wird", hieß es.

© SZ vom 04.01.2021 / dm/kbl/van
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