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Fridays for Future:"Mehr bewirkt als 30 Jahre Klimaberichte"

Munich for Future Demo Am 21 Juli haben sich mehr als 10 000 Menschen für eine bessere Klimapoliti

Fridays for Future: Mehr als 10 000 Menschen gingen zuletzt in München für eine aktivere Klimapolitik auf die Straße.

(Foto: imago)

Wissenschaftler Georg Feulner macht der engagierten Jugend Komplimente. Die Schüler selbst zeigen sich wissbegierig und vorsichtig optimistisch.

Georg Feulner vom Potsdam-Institut für Klimaforschung hat der demonstrierfreudigen Jugend ein großes Kompliment mitgebracht: "Letztlich hat Fridays for Future wahrscheinlich mehr bewirkt als 30 Jahre Klimaberichte schreiben", sagt der Wissenschaftler in der Diskussion zur bayerischen Klimapolitik im Pirckheimer-Gymnasium in Nürnberg. Tatsächlich hat sich im vergangenen halben Jahr schon einiges bewegt, und das hat am Freitag wahrnehmbare Auswirkungen auf das Gesprächsklima.

Allein, dass sich nach den beiden großen Klimakonferenzen der Staatsregierung der bayerische Ministerpräsident noch einmal Zeit nimmt, mit Schülern und Jugendlichen im recht überschaubaren Kreis zu sprechen, kommt an. "Es ist wichtig, nicht nur zu demonstrieren, sondern sich auch anzuhören, was die Politik zu sagen hat", findet Nick, 19. Der Student ist selbst kein regelmäßiger Demonstrant, und ist am Freitag in seine ehemalige Schule gekommen, um zu hören, was die verschiedenen Seiten zu sagen haben.

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Überhaupt sind unter den Schülern wenige Hardcore-Aktivisten, obwohl bei den großen Klimakonferenzen auch hier ganze Klassen gefehlt haben, wie ein Schüler verrät. Manch einer sieht die Veranstaltung als Gelegenheit, dazuzulernen. "Mir wurde bewusst, dass ich mich noch viel mehr informieren sollte", sagt etwa Neuntklässlerin Laura. Sie hat sich erst vor kurzem der Fridays-for-Future-Bewegung angeschlossen.

Bei der Zukunftskonferenz im April war es hochemotional und teilweise aggressiv hergegangen, jetzt ist die Stimmung deutlich moderater. Insgesamt habe sie den Eindruck gewonnen, "dass man doch in die gleiche Richtung möchte", lautet die Bilanz einer 22-jährigen Studentin. Markus Söder stellt auf dem Podium einige Verbesserungsmaßnahmen in Aussicht und schmettert nichts wirklich ab. Den Vorschlag eines Mitglieds der Katholischen Landjugend will er sich noch mal genauer anschauen. Der würde dem Kabinett gerne einen Nachhaltigkeitsbeirat zur Seite stellen. "Ja, warum nicht, gute Idee."

Unzufrieden ist am Ende allerdings Elftklässler Lukas, weil der Ministerpräsident auf seine Frage, ob man nicht mit einem Tempolimit schnell den Benzinverbrauch mindern könnte, auswich und lieber über die "ökologische Umgestaltung der KfZ-Steuer" sprach. "Das Tempolimit allein bringt nichts", so Söder.

Neuntklässler Gabriel nimmt einen insgesamt guten Eindruck mit. "Er scheint ja für seine Partei recht grün zu denken", sagt er über den Ministerpräsidenten. Der Gymnasiast selbst engagiert sich bei Fridays for Future und freut sich, dass die Bewegung in den vergangenen Monaten dem Thema Klima so viel Aufmerksamkeit verschafft hat. Grund zum Feiern ist das aus seiner Sicht aber noch nicht. "Etwas wirklich Großes haben wir noch nicht umgekrempelt." Es sei deshalb wichtig, dass der Protest nicht im Sand verlaufe und weiter demonstriert wird - "natürlich ist das anstrengend".

"Ich glaube, dass wir vor allem in den Köpfen von den normalen Leuten was bewegt haben", sagt Josephine aus der neunten Klasse. Dass sich viele darüber Gedanken machen, ob sie mit dem Auto fahren, Plastik verwenden, in den Urlaub fliegen. Auch Neuntklässlerin Laura ist der Ansicht, dass schon viel Bewegung in die Klimapolitik gekommen sei. Sie habe keine akute Zukunftsangst, aber "wenn wir jetzt nicht handeln, dann ist es zu spät", sagt sie. Ähnlich wie ihr geht es Sophie aus der elften Klasse: "Es ist natürlich wichtig, dass in den nächsten fünf Jahren einige markante Schritte gemacht werden." Ob das auch passiert? "Ich sehe zuversichtlich in die Zukunft." Auch Elftklässlerin Lilly ist für verhaltenen Optimismus: "Man sollte einen Mittelweg finden:" Aufpassen, dass die Leute nicht lasch werden - aber auch nicht die Angst schüren, dass die Welt untergeht.

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