Die Blütezeit der Postkarte, die ist lange vorbei. Das war in der Zeit um 1900, als deutschlandweit jährlich eine Milliarde davon verschickt wurden. Darunter waren viele Humorpostkarten. In Bayern wurden etwa welche mit Bergen, Dirndl und Lederhose oder Dackeln verschickt. Solche Karten kennt man heute noch. Auch wenn lustige Bilder eher per Social Media viral gehen.
Wie jedenfalls die Postkarte seit dem 19. Jahrhundert dabei half, bestimmte Klischeebilder von Bayern zu verbreiten, dem geht aktuell eine Ausstellung im Kloster Seeon nach. Obacht, Bayern! Ein Land und sein Klischee in historischen Humorpostkarten heißt die auf einem Buch von Dietlind Pedarnig basierende Schau und sie ist bis zum 15. März zu sehen.
Wie bei einer Postkarte auch, heißt es dafür aber, auf Reisen zu gehen. Und wenn wir damit schon im Umland von München sind, ergibt es doch Sinn, sich dort auch nach anderen sehenswerten Ausstellungen umzusehen. Etwa in Freising. Dort läuft bis zum 11. Januar mit Imagine all the Pieces eine Ausstellung der Münchner Malerin Judith Milberg im Diözesanmuseum.
Da geht es, um, ja eigentlich alles. Das heißt um: Schöpfung, Welt, den Kosmos. Seine Darstellung findet das in weitgehend abstrakter Malerei, die in der Natur ihren Ursprung hat. Genaueres dazu lässt sich am 16. November um 18 Uhr bei „Milberg meets Milberg“ erfahren, wenn die Künstlerin mit ihrem Mann, dem Schauspieler Alex Milberg, im Museum über ihre Werke spricht.

Unter dem Titel Göttlich! werden übrigens im Diözesanmuseum ebenfalls bis zum 11. Januar noch mehr als 60 „Meisterwerke der italienischen Renaissance“ gezeigt. Die Werke von Künstlern wie Sandro Botticelli oder Andrea Mantegna sind Leihgaben aus Italien. Um die zu sehen, müsste man also eigentlich viel weiter fahren. Auf jeden Fall weiter als bis nach St. Afra bei Augsburg, wo bis 23. November mit Schwarz sehen eine interessante Ausstellung im dortigen Diözesanmuseum läuft. Als Auftakt einer Reihe mit dem Titel „Farbe bekennen“ geht es darin um die „Symbolkraft schwarzer Gewänder“, um Schwarz als Farbe des Todes und der Trauer. Aber auch um die Trauerfeierlichkeiten für Kaiser Karl V. als besonderes historisches Bei- und Schauspiel.
Wo wir in Augsburg sind: Im Schaezlerpalais wird bis zum 25. Januar unter dem Titel Seht wie würdevoll! eine Ausstellung mit „spanischer Meistergrafik von Goya und Dalí“ gezeigt. Im Falle von Francisco de Goya sind das Blätter aus der gesellschaftskritischen Grafikfolge „Los Caprichos“ aus der Zeit um 1800, auf die Salvador Dalí in den 1970ern mit surrealistischen Heliogravüren reagierte. Auch hier kommen die Bilder von weiter her, aus Nordspanien, angereist.
Ein Sprung zum und nach Tegernsee, ins Olaf Gulbransson Museum. Dort läuft noch bis zum 25. Januar die Ausstellung Raus in die Natur!, mit Landschaftsmalerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die gezeigten Werke entstanden „en plein air“, also „im Freien“, wohin es in Frankreich Künstler wie Camille Corot, Charles-François Daubigny oder Théodore Rousseau zog. Und wovon sich in Deutschland bald auch Otto Modersohn, Fritz Overbeck oder Paula Modersohn-Becker anstecken ließen.
Dann im Zickzack-Kurs weiter nach Nürnberg, wo auch da bis zum 25. Januar im Kunsthaus im KunstKulturQuartier die US-Fotografin Ruth Orkin zu entdecken ist. Through Her Lens heißt die bisher umfangreichste Ausstellung der Fotografin in Deutschland, die in den 1940er- und 1950er-Jahren ihre Zeit hatte. Damals publizierte sie in Zeitungen und Magazinen wie der New York Times, Life oder Look. Außerdem war sie in den Fünfzigern an der legendären Ausstellung „The Family of Man“ beteiligt. Trotzdem sind ihre Bilder heute kaum bekannt, mit denen sie oft subtil oder auch subversiv die Rolle der Frau in der amerikanischen Gesellschaft aufzeigte.
Für seinen subversiven Humor ist auch der Brite Martin Parr bekannt, von dem das Neue Museum Nürnberg bis zum 22. Februar unter dem Titel Grand Hotel Parr Fotobücher ausstellt. Es ist die erste große Fotobuch-Retrospektive des Fotografen, mit mehr als 200 Werken, in denen dieser wie so meist die Absurditäten unserer globalen Konsum- und Freizeitkultur aufspießt. Inszeniert ist die Ausstellung in Anlehnung an eine Hotelanlage, mit Rezeption, „Dining Room“ oder „Fashion-Boutique“. Zum Flanieren, Chillen, Staunen oder auch zum Fremdschämen. Was zu einem Hotel- oder Kunst-Trip halt alles so dazu gehört.

