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Freie Wähler:Im Bett mit dem Sumo-Ringer CSU

Hubert Aiwanger auf dem Landesparteitag der Freien Wähler in Regensburg

Hubert Aiwanger auf dem Landesparteitag der Freien Wähler.

(Foto: dpa)

Die Freien Wähler zeigen sich auf ihrem Parteitag in Regensburg immer noch berauscht von der Aussicht, in Bayern endlich mitregieren zu können.

Dieser Parteitag dürfte als ziemlich einmalig in die Geschichte der Freien Wähler eingehen. Und zwar nicht nur, weil die 300 Delegierten ihrem Parteichef Hubert Aiwanger, dem Parteivorstand und der neuen Landtagsfraktion einstimmig das Plazet gegeben haben, die Koalitionsverhandlungen mit der CSU fortzusetzen - ohne den Hauch einer Ahnung, wie viel aus ihrem Wahlprogramm sich am Ende im Koalitionsvertrag wiederfinden wird. Sondern auch, weil der Beschluss ohne jede Diskussion gefallen ist.

Dabei sind die FW bekannt für ihre Debattierfreude. An diesem Samstag in Regensburg ist alles ganz anders. Kurz nach zwölf Uhr beendet Aiwanger seine dreiviertelstündige Grundsatzrede. Keine fünf Minuten später geben die Delegierten ihm den Freibrief für den Abschluss des Koalitionsvertrags. Aiwanger zeigt sich überwältigt. "Danke für den grandiosen Vertrauensbeweis", ruft er, "wir werden euch nicht enttäuschen."

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Auch zwei Wochen nach ihren ausgezeichneten 11,6 Prozent bei der Landtagswahl bleiben die Freien Wähler im Ausnahmezustand. Der FW-Generalsekretär und Münchner Abgeordnete Michael Piazolo etwa. Piazolo, 59, Hochschullehrer und seit zehn Jahren im Landtag, ist eigentlich ein zurückhaltender Mensch. Aber nicht an diesem Samstag. "Das müsst ihr euch auf der Zunge zergehen lassen", ruft er den Delegierten zu. "Wir dürfen heute entscheiden, wir dürfen es wirklich, ob wir weiter Koalitionsverhandlungen mit der CSU führen - wer hätte das vor zehn Jahren gedacht, als wir erstmals in den Landtag eingezogen sind." Unten im Saal brandet sofort tosender Applaus auf.

Aiwanger übt sich in seiner Rede in seiner noch sichtlich ungewohnten Rolle als künftiges Regierungsmitglied. Auch wenn er wie immer frei spricht und mit bisweilen waghalsigen Formulierungen. Zum Beispiel, als er ausführt, dass eine Regierungsbeteiligung für ihn "nur ein notwendiges Übel ist, um die Zukunft des Landes zu gestalten". Schließlich sei es einzig die Unzufriedenheit mit der CSU gewesen, die ihn in den Achtzigerjahren dazu gebracht habe, in die Politik zu gehen. Ansonsten würde er, sagt der gelernte Agraringenieur, "heute Bäume pflanzen und Schweine füttern".

Natürlich warnt Aiwanger den künftigen Koalitionspartner. "Ich habe ja selbst immer wieder gesagt, dass man gut aufpassen muss, wenn man mit jemanden ins Bett geht, der vier Mal so schwer ist wie man selbst", ruft er in Anspielung auf die alte Übermacht der CSU. "Denn dann wird man schnell erdrückt."

Inzwischen aber seien die FW vor der Gefahr gefeit. "Denn erstens haben wir den Sumo-Ringer abgespeckt, er ist jetzt nur noch drei Mal so schwer wie wir", erklärt Aiwanger. "Zweitens sind wir die Schnelleren und Athletischeren und sofort aus dem Bett draußen, wenn es zusammenbricht." Und immer wieder tönt er selbstbewusst: "An uns Freien Wählern vorbei kann Bayern nicht mehr stabil und bürgerlich regiert werden, ohne uns geht in Bayern nichts mehr."