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Fraueninsel:Ex-Fährmann vom Chiemsee soll Ticket-Erlöse eingesteckt haben

Die Preise der Lastenfähre auf die Fraueninsel sind klar geregelt, doch offenbar wurde nicht immer nachvollziehbar abgerechnet.

(Foto: Imago)
  • Die Bewohner, Wirte und Handwerker der Fraueninsel mitten im Chiemsee sind auf die Lastenfähre angewiesen.
  • Deren früherer Fährmann war auch Zweiter Bürgermeister - und soll es mit der Abrechnung der Fahrpreise nicht so genau genommen haben.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun in dem Fall.

Die kleinste Gemeinde Bayerns hat nach dem jüngsten Stand der Statistik nur 235 Einwohner, aber auch die wollen versorgt werden. Außerdem braucht es Lebensmittel, Getränke und ausreichend Andenken für all die Ausflügler, die Tag für Tag von den Schiffen steigen. Die Bewohner der Fraueninsel mitten im Chiemsee, die Wirte und die paar Handwerker dort sind auf ihre Lastenfähre angewiesen. Der Fährmann ist ein wichtiger Mann - zumal, wenn er seit 1984 Mitglied im Gemeinderat und seit fast 22 Jahren Zweiter Bürgermeister war. Das ist er seit Dienstagabend beides nicht mehr. Und wegen der Fähre ermittelt schon seit einiger Zeit die Staatsanwaltschaft in Traunstein.

Deren Sprecher bestätigt die Ermittlungen, sie seien aber noch nicht abgeschlossen, der Ausgang sei offen. Es geht um Untreue, genauer: um Fährgebühren, die nicht in der Gemeindekasse angekommen sind. Mit dieser ganzen Sache habe sein Ausscheiden aus dem Rat aber nichts zu tun, sagt der inzwischen ehemalige Zweite Bürgermeister. Das und die Gemeindepolitik seien zwei Paar Stiefel, und für die Arbeit im Gemeinderat sei es eben "besser, wenn ich nicht mehr dabei bin". Er mache als Ruheständler mit seinen 65 Jahren jetzt Platz für andere, jüngere Gemeinderäte. Wegen der Fähre habe er einen Anwalt.

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Die Regel, dass man so einen Mandatsverzicht bei den Ratskollegen gut begründen muss, gilt in Bayern schon seit 2014 nicht mehr. Hätte er nicht verzichtet, so hätten die besagten Kollegen am Dienstagabend, statt diesen Rücktritt formell zu akzeptieren, ein Ordnungsgeld gegen ihn beschlossen, denn an den Sitzungen hat er schon länger nicht mehr teilgenommen, und dafür wiederum müsste ein Gemeinderat schon gute Gründe nennen.

Der sonst nicht allzu sehr auf Öffentlichkeit bedachte Bürgermeister Georg Huber hat all das sogar im aktuellen Gemeindeblättchen dargelegt. Er ist genau so lang im Amt wie sein bisheriger Stellvertreter, beide haben dafür 2014 die kommunale Verdienstmedaille in Bronze bekommen. Am Tag nach der Sitzung ist Huber nicht zu erreichen, und auch im Rathaus in Breitbrunn, von wo aus die Verwaltungsgemeinschaft auch den Geschäftsbetrieb der Gemeinde Chiemsee besorgt, gibt man sich in der Sache mit der Fähre eher wortkarg.

Dort im Rathaus gehen einmal im Monat die Daten der übergesetzten Lieferwagen und Privatautos ein, von dort werden dann die Rechnungen verschickt. Doch als der Fährmann im vergangenen Jahr einmal länger ausgefallen ist, nach einer Knie-Operation, wie er selber sagt, da soll auf einmal ein Aufhilfsfahrer mit Bargeld dahergekommen sein, das ihm Fahrgäste gegeben hatten, wie sie es offenbar von früheren Überfahrten gewohnt waren.

Betreibervertrag für den Fährmann

Bargeld allerdings war bei der Verwaltung in Breitbrunn bisher noch nie angekommen. Wie lang das schon so gehen könnte, lässt sich nur grob eingrenzen, denn der Fährmann übte sein Amt schon sehr lange aus. Die heutige Fähre namens Frauenwörth II ersetzte vor gut 15 Jahren die alte Kampenwan d, und anders als die Vorgängerin ist sie komplett im Eigentum der Gemeinde Chiemsee.

Der Fährmann arbeitete von da an über einen Betreibervertrag gegen feste Entlohnung. Vor allem vormittags ist die Fähre immer gut unterwegs auf den knapp 900 Metern zwischen Gstadt und dem Steg am Nordende der Fraueninsel. 39 Euro kostet die Überfahrt zur Kernzeit regulär, in der Nebenzeit werden 67 Euro pro Fahrzeug fällig. Platz ist für vier oder fünf kleine Lieferwagen. Zur kaum bewohnten Herreninsel ist es teurer, hier gibt es aber noch eine Lastenfähre der Schlösserverwaltung ab Urfahrn.

Unabhängig von der Höhe des möglichen materiellen Schadens, die derzeit niemand beziffern mag, scheint jedenfalls mindestens ein Ruf ruiniert auf der sehr übersichtlichen Fraueninsel. Längst wissen alle, warum die Gemeinde Ende des vergangenen Jahres einen neuen Betreibervertrag abgeschlossen hat. Wer womöglich schon vorher was wusste, ist offen.

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