Maget über SPD-Spitzenkandidatur "Ude kann eine Machtperspektive bieten"

Landtagsvizepräsident Franz Maget weiß, was es bedeutet, für die Bayern-SPD als Spitzenkandidat in eine Wahl zu ziehen. Im Interview spricht der Vertraute von Münchens Oberbürgermeister über das plötzliche Interesse Udes an einer Kandidatur, wie sich die Debatte um die dritte Startbahn am Münchner Flughafen im Wahlkampf auswirken könnte - und welche Rolle Udes Frau Edith spielt.

Interview: Birgit Kruse

Franz Maget zählt nicht nur zu den engsten Vertrauten von Münchens Oberbürgermeister Christian Ude. Der Landtagsvize weiß auch, was es heißt, für die Bayern-SPD als Spitzenkandidat in eine Landtagswahl zu ziehen - so wie Ude es nun angekündigt hat. Vom Jahr 2000 bis 2009 war Maget Oppositionsführer im bayerischen Landtag. Zwei Mal trat er in dieser Zeit gegen die CSU an, 2003 und nochmals im Jahr 2008, als die SPD in Bayern mit 18,6 Prozent das schlechteste Wahlergebnis ihrer Nachkriegsgeschichte einfuhr. Doch Maget hadert nicht mit der Vergangenheit. Er ist zuversichtlich: Die Vorzeichen für eine mögliche Spitzenkandidatur und einen Wahlsieg von Christian Ude stünden besonders gut.

Franz Maget: "Ude hat gemerkt, dass er ein politischer Mensch ist."

(Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Herr Maget, Sie sind ein enger Vertrauter Christian Udes und haben schon früh mit ihm über die Möglichkeit einer Spitzenkandidatur gesprochen. Jetzt wird es allem Anschein nach so kommen. Wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Ereignisse?

Franz Maget: Ich bin sehr zufrieden. Ich glaube, dass das für die bayerische SPD eine ausgesprochen gute Lösung wäre, wenn Christian Ude Spitzenkandidat wird. Er ist das richtige Gesicht für die SPD. Und er meint es ernst.

sueddeutsche.de: Landtagswahlen sind erst in zwei Jahren. Christian Ude hat jedoch schon jetzt den Wahlkampf eröffnet. Wie will er den Spannungsbogen so lange halten?

Maget: Ja, es ist jetzt ein wenig früh. Teile der bayerischen SPD sind von der Bereitschaft Udes auch überrascht worden. Allerdings haben wir genug Zeit, uns auf eine spannende Landtagswahl vorzubereiten. Christian Ude wird jetzt erst einmal seinen Urlaub antreten. Im September oder Oktober müssen wir dann die Weichen stellen. Wichtig ist, dass alle bei diesen Entscheidungen mitgenommen werden.

sueddeutsche.de: Aber geplant war der Zeitpunkt so sicherlich nicht, oder?

Maget: Er war so nicht geplant. Das stimmt. Aber es war immer klar, dass unter den in Frage kommenden Spitzenkandidaten auch Christian Ude ist.

sueddeutsche.de: Was könnte geschehen, dass Ude seine Kandidatur doch wieder zurückziehen muss?

Maget: Er selbst spricht davon, dass seine Kandidatur nur scheitert, wenn noch eine Bombe platzt. Es wird aber keine Bombe platzen. Ich deute das als eine hundertprozentige Zusage von ihm.

sueddeutsche.de: Und die parteiinterne Debatte um die dritte Startbahn am Münchner Flughafen ist kein Stolperstein? Ude ist für den Bau - die Bayern-SPD hat sich in einem Parteitagsbeschluss aber bereits dagegen ausgesprochen.

Maget: Richtig. Die Landeshauptstadt ist einer der drei Gesellschafter des Flughafens. Neben Bund und Land hat auch München und damit der Oberbürgermeister dem Bau zugestimmt. Das war richtig so. Aber wir werden das Thema nochmal ausführlich diskutieren müssen, alle Argumente hören und gegeneinander abwägen. Außerdem muss der eindeutige Beweis erbracht werden, dass der Bau unbedingt nötig ist. Wenn das der Fall ist, dann soll gebaut werden. Ich war immer ein Befürworter des Baus, ebenso wie Christian Ude.

sueddeutsche.de: Neben der dritten Startbahn gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt, der bei einer Spitzenkandidatur Udes eine Rolle spielt: die Zustimmung seiner Frau Edith von Welser-Ude.

Maget: Es ist immer gut, seine Frau in eine solche Entscheidung einzubinden. Aber Sie können sicher sein: Christian Ude hätte sich nicht getraut, in seinen Äußerungen so weit zu gehen, wenn er nicht auch hier den Rückhalt seiner Frau hätte.

sueddeutsche.de: Woher kommt bei Ude das plötzliche Interesse für die Landespolitik?

Maget: Er hat gemerkt, dass er ein politischer Mensch ist.

sueddeutsche.de: Jetzt erst? Kurz vor dem Ende seiner politischen Laufbahn?

Maget: So geht's doch im Leben immer. Je mehr man sich mit dem Abschied aus der Politik beschäftigt, umso mehr merkt man: Ich kann doch nicht ohne die politische Herausforderung leben. So schätze ich auch Christian Ude ein. Er ist ein politischer Kopf. Münchner Oberbürgermeister zu sein, ist sein Lebenswerk.