Franz Josef Strauß Der Lobbyist im Staatsamt

Es kam anders. Diverse Innovations-Offensiven gehören seitdem zum festen politischen Instrumentarium der Staatsregierungen. Edmund Stoiber startete später sogar eine High-Tech-Offensive nach der anderen. Und der jetzige Ministerpräsident Günther Beckstein hat die Bildung zur Sozialpolitik des 21. Jahrhunderts ernannt.

Strauß machte mit seinen Hobbies Politik. Für den flugbegeisterten Privatpiloten waren die Luft- und Raumfahrt Zukunftsindustrien par excellence. Ohne Strauß wäre der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB), wohl kaum entstanden.

Den Roten auch was geben

Es war ein sicheres Geschäft. Teure Militärjets wie der Tornado und später der Eurofighter wurden vom Steuerzahler finanziert. Zivile Flugzeuge dagegen mussten sich auf dem Markt verkaufen. Um den militärischen Flugzeugbau in Bayern durchzubringen, "müssen wir den Roten auch was geben", hat der Strauß-Vertraute und MBB-Vize Sepp Hort einmal gesagt.

Gemeint waren die norddeutschen Bundesländer, die schließlich Teile eines neuen Passagier-Jets produzieren durften. Als ziviles Standbein hatte Strauß den Airbus auserkoren.

In Kooperation mit den Franzosen und mit Zustimmung Bonns sollte eine eigene europäische zivile Flugzeugproduktion der amerikanischen Konkurrenz die Stirn bieten. Durch ein Netzwerk geschickt platzierter Spezis stellte Strauß sicher, dass seinen Airbus-Plänen niemand in die Quere kam.

So sollte Erich Riedl, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, zum Beispiel dafür zu sorgen, dass im Aufsichtsrat der Lufthansa Leute saßen, "die das Thema kapieren". Denn der Airbus musste zunächst mit vielen Millionen Mark Steuergeldern subventioniert werden. Gegen den heftigen Widerstand der FDP. Otto Graf Lambsdorff sprach vom "Milliardengrab", mit dem es ein schnelles Ende haben müsse, erinnert sich Riedl vergnügt.

Spektakuläre Reisen ins Ausland

Der Strippenzieher von einst ist heute Regierungsberater Angolas. Immer wieder antichambrierte Strauß in Bonn, um frisches Geld zu besorgen. Bundeskanzler Helmut Kohl und sein Finanzminister Stoltenberg gewährten es schließlich, um den polternden Bayern ruhig zu stellen. "Wenn wir es nicht machen, kriegen wir ihn nicht mehr los", hat Stoltenberg nach einem Zwei-Stunden-Gespräch gesagt.

Wurde ihm Bayern zu eng, pflegte Strauß zu spektakulären Reisen ins Ausland aufzubrechen. Bei der Gelegenheit brachte er als Aufsichtsratschef der Airbus-Industrie auch gleich Aufträge mit nach Hause. Er flog sogar nach Albanien, um sich bei Parteichef Enver Hodscha für ein Bus- und Lkw-Geschäft stark zu machen. Einmal soll Außenminister Hans-Dietrich Genscher deshalb der Kragen geplatzt sein: "Wir sind keine Industrielobbyisten!"

Neue Autobahnen, der Großflughafen im Erdinger Moos und der Main-Donau-Kanal sollten Bayern besser an die Verkehrsströme anbinden. Als Dieter Hildebrandt, Gerhard Polt und Gisela Schneeberger in der Satire-Sendung "Scheibenwischer" den umstrittenen Kanalbau aufs Korn nahmen, tobte Strauß. Der Bayerische Rundfunk drohte gar, sich aus dem ARD-Programm auszublenden, wenn so ein "Unflat" noch einmal ausgestrahlt werde.

Den schleichenden Tod der Maxhütte vermochte jedoch auch ein Strauß nicht zu verhindern, ebenso wenig wie den Untergang von Traditionsunternehmen wie Grundig. Und wie hätte Strauß das Milliardenprojekt Transrapid realisiert? Möglicherweise als europäisches Gemeinschaftsprojekt wie den Airbus, sagen seine Mitstreiter von einst.

Doch ob die Rezepte von damals heute noch helfen würden, das ist nicht gewiss. Vor allem, wenn man sich das europäische Gemeinschaftsprojekt als Vorortzug auf der Strecke zwischen München und dem Flughafen Franz Josef Strauß vorstellt.