Frankens Bayern - Bayerns Franken Immer Probleme mit der Idendidäd

Kann es sein, dass die Franken "ihre" Bayern im Grunde ja doch heimlich lieben? Falls ja, dann wird diese Liebe jedoch nur selten erwidert, was den manchmal zu spürenden fränkischen Minderwertigkeitskomplex zusätzlich verstärken dürfte. Eindeutig ist aber, dass den Franken die Einigkeit und Entschlossenheit fehlte, um sich zu einer echten Regionalbewegung zu entwickeln, so wie es bei Basken oder Bretonen der Fall war. Selbst die Revolution von 1848 führte nur zu einem kurzen Auflodern des separatistisch-revolutionären Feuers.

Ein Drittel der Bewohner des Freistaats sind Franken. Auch diese Stärke haben die Franken nicht zu nutzen verstanden, indem sie zum Beispiel eine eigene Partei gegründet hätten. Nur ein Verein, der "Fränkische Bund", bemühte sich um die Autonomie Frankens, scheiterte aber damit vor dem Bundesverfassungsgericht.

Bricht nun ein goldenes fränkisches Zeitalter an?

Die fränkische Strategie, sich gegenüber der bayerischen Übermacht zu behaupten, ist offensichtlich eine andere. Sie beruht auf zwei Säulen. Erstens weisen die Franken besonders lautstark auf ihre Benachteiligung im Freistaat hin - da gelten die ebenfalls nicht verwöhnten bayerischen Schwaben als vergleichsweise zurückhaltend. Zweitens sind die Franken längst ausgezogen und haben sich im gesamten Freistaat listig breitgemacht.

Insbesondere die Landeshauptstadt ist fränkisch infiltriert, und wer sich über "Idendidäd" unterhalten möchte, findet in München ausreichend Gesprächspartner. Im Proporzgeschachere um Posten und Pöstchen spielen sie ihre fränkische Karte geschickt aus. Was vielleicht noch fehlt, ist ein eigener "Tatort" - ein Wort, das aus fränkischem Munde allerdings nicht sehr attraktiv klingt.

Nach Gustav Ritter von Kahr, Hanns Seidel und Hans Ehard rückt nun zum vierten Male ein Franke an die Spitze des Freistaats. Nicht berücksichtigt ist hier der aus Mittelfranken stammende Sozialdemokrat Martin Segitz. Er regierte Bayern im Jahr 1919 zwei Wochen lang. Segitz stammte übrigens aus Fürth, was offenbar schon damals kein Glück brachte, wenn man in Bayern etwas werden wollte (der Fürther Ludwig Erhard machte ja auch woanders Karriere).

Bricht nun mit Günther Beckstein ein goldenes fränkisches Zeitalter an? Wird der Hardliner aus Nürnberg-Langwasser knüppelhart landsmannschaftliche Belange durchsetzen? Die Erwartungen sollten nicht zu hoch angesetzt werden. Den Bayern wurde unlängst in einem Wochenmagazin vorgeworfen, dass sie streberhaft besonders gute Deutsche sein wollten. Es ist anzunehmen, dass der unter besonderer bayerischer Beobachtung stehende Franke Beckstein als besonders guter Bayer ein besonders guter Deutscher sein möchte. Anzeichen dafür gibt es: Das Wort "Identität" spricht Beckstein völlig fehlerfrei aus.

Frank-Markus Barwasser, Jahrgang 1960, ist geboren und aufgewachsen in Würzburg, Unterfranken. Die bekannteste Figur des Kabarettisten ist der fröhliche Kleinbürger Erwin Pelzig.