Die Wahl steht vor der Tür. Und die Zahlen sind aus weiblicher Sicht ernüchternd. Zumindest in der Kommunalpolitik. Nicht mal ein Viertel der in Bayern auf diesem Gebiet aktiven Menschen sind Frauen. Noch weniger sind es im Verhältnis an der Spitze der Rathäuser, nur in jedem zehnten hat eine Bürgermeisterin das Sagen. Bis Frauen in der bayerischen Politik endlich zahlenmäßig angemessen repräsentiert werden, dürfte es noch eine Weile dauern.
Aber das ist nicht überall so. Andere Wahl, andere Welt, andere Verhältnisse: Nur fünf Tage nach der bayerischen Kommunalwahl am 8. März wird im Freistaat schon wieder gewählt. Allerdings nur in Bad Kissingen, wo die 68. Fränkische Weinkönigin ermittelt wird. Dieses Amt ist nicht nur sehr traditionsreich, sondern vor allem: fest in weiblicher Hand. Also mehr als fest. Seit 1950 wird in dieser Wahlmonarchie ein Oberhaupt gekürt – und stets war es eine Frau.
Was möglicherweise auch daran liegen könnte, dass sich bislang nur Frauen um diesen Posten beworben haben. Aber die Zeiten ändern sich, und so mischen hier neuerdings auch Männer mit. Oder genauer gesagt: ein Mann. In Maximilian Lang, 23, aus der Weinbaugemeinde Hüttenheim, die zu Willanzheim im Landkreis Kitzingen gehört, stellt sich erstmals in der Geschichte ein männlicher Bewerber zur Wahl.
Dabei tritt er gegen drei Konkurrentinnen an, um Nachfolger der amtierenden Weinkönigin Antonia Kraiß zu werden und dann bei rund 400 Terminen im Jahr den Frankenwein zu repräsentieren. Ein Männeranteil von nur 25 Prozent unter den aktuell Kandidierenden. Und ein einziger Bewerber in 76 Jahren. Das sind bei einer Wahl aber mal ganz andere Zahlen.
Da darf es nicht überraschen, dass es hier für den Exoten unter den Anwärterinnen und Anwärtern keine sprachliche Extrawurst gibt: Gesucht wird vom Weinbauverband, so wie es immer war, per Ausschreibung explizit eine Weinkönigin. Sollte der männliche Bewerber gewinnen, dürfte er sich aber immerhin Weinkönig ohne „in“ am Ende nennen.
Dafür bekommt er aber, so hat der BR in Erfahrung gebracht, auch keine Krone. Sondern eine prunkvolle Kette. Man könnte sagen: So eine Art Bürgermeister-Amtskette für männliche Weinköniginnen – wie man es aus der von Männern dominierten Politik halt gewohnt ist.

