Steigerwald:"Windkraft und Nationalpark nicht gegeneinander ausspielen"

Lesezeit: 2 min

Steigerwald: Der Steigerwald im Drei-Franken-Eck weist uralte und ökologisch höchst wertvolle Buchenwälder auf, wie man sie sonst kaum noch findet in ganz Europa.

Der Steigerwald im Drei-Franken-Eck weist uralte und ökologisch höchst wertvolle Buchenwälder auf, wie man sie sonst kaum noch findet in ganz Europa.

(Foto: Sebastian Beck)

Der Chef des Landesbunds für Vogelschutz kündigt entschiedenen Widerstand an, falls der Steigerwald für Windräder freigegeben wird. Umweltorganisationen wollen die alten Buchenwälder dort unter strengen Schutz stellen.

Von Christian Sebald, Bamberg

Der Vorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), Norbert Schäffer, warnt davor, mit dem Bau von Windrädern einen Nationalpark im Steigerwald verhindern zu wollen. "Wir sind ein Umweltverband und klar für die Windkraft", sagte Schäffer. "Wer aber glaubt, Windräder in ökologisch wertvollen Wäldern oder gar auf dem Gebiet eines potenziellen Nationalparks aufstellen zu können, wird auf unseren schärfsten Widerstand stoßen." Aus Schäffers Sicht gibt es in Bayern außerhalb der Wälder ausreichend Platz für Windräder. Dazu müssten die Staatsregierung und die regionalen Planungsverbände nur die entsprechenden Vorranggebiete ausweisen. "Man darf Windkraft und einen Nationalpark nicht gegeneinander ausspielen", sagt Schäffer.

Anlass der Warnung ist ein Besuch von Wirtschafts- und Energieminister Hubert Aiwanger und Umweltminister Thorsten Glauber (beide FW) im Steigerwald. Die Minister informierten sich dort über die Windkraft-Pläne des Marktes Geiselwind, der Stadt Iphofen und des Landkreises Kitzingen. Dabei plädierte Aiwanger dafür, Naturparks und Landschaftsschutzgebiete für Windparks zu öffnen. "Geiselwind war seiner Zeit immer voraus und wollte bereits 2011 Windräder errichten", sagte Aiwanger. "Die Pläne sind aber an den Hürden der 10-H-Abstandsregel, dem Naturpark und dem Landschaftsschutzgebiet in der Region gescheitert."

Wirtschafts- und Umweltministerium werden laut Aiwanger nun auf die Bezirksregierungen, die sechs Steigerwald-Landkreise und die Kommunen dort zugehen. "An einem runden Tisch werden wir Pläne entwickeln, wie hier von Kommunen, die das wollen, Windräder gebaut werden können", sagte Aiwanger. Die Pläne sollen übertragbar sein auf andere Regionen. Allein auf Geiselwinder Flur könnten 20 Windräder errichtet werden. So sagte es Ernst Nickel, der Bürgermeister der 2500-Einwohner-Ortschaft, die an der A3 liegt und die wegen ihres Freizeitparks eine gewisse überregionale Bekanntheit hat, dem BR.

Das Nein zum Nationalpark steht im Koalitionsvertrag

Aiwangers Worte haben Schäffer sofort auf den Plan gerufen. Der LBV, der Bund Naturschutz und viele andere Umweltverbände, dazu die Grünen, die SPD und neuerdings auch die Landtags-FDP treten vehement für einen Nationalpark im Steigerwald ein. Denn in dem stillen Höhenzug im Drei-Franken-Eck stehen uralte und ökologisch höchst wertvolle Buchenwälder, wie man sie sonst kaum noch findet in ganz Europa. Das Naturwaldreservat Waldhaus nahe dem Klosterort Ebrach etwa wird in einem Atemzug mit den berühmten Buchenurwäldern in der Ukraine genannt.

CSU und FW blockieren die Ausweisung eines Nationalparks allerdings vehement. Beide Parteien haben ihr Nein sogar in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten. Viele CSU- und FW-Politiker sind wie der Anti-Nationalpark-Verein "Unser Steigerwald" der Überzeugung, dass ein Nationalpark der lokalen Bevölkerung nur Nachteile und Einschränkungen brächte. Naturschützer halten es nun für möglich, dass der eine oder andere Nationalpark-Gegner mehr Windräder in der Region dulden würde, wenn sich damit das Schutzgebiet ein für allemal verhindern lassen würde. Ein Nationalpark und gleichzeitig viele Windräder im Steigerwald schließen einander aus.

Inzwischen wird die Forderung nach dem Nationalpark wieder offensiver vorgebracht als in den vergangenen Jahren. Unlängst fand in Bamberg ein Sommerfest für das Schutzgebiet statt. "Es war ein schöner Erfolg", sagt Schäffer. Besonders gefreut hat Schäffer das Bekenntnis des Alpinisten Alexander Huber zu einem Nationalpark im Steigerwald. Huber ist der eine der beiden weltberühmten Huber-Buam, die schier zahllose Kletterrekorde aufgestellt haben. Und er ist bekennender Naturschützer. Auf dem Nationalpark-Fest sagte Alexander Huber nun: "Wenn wir es in Bayern nicht mal schaffen, einen Nationalpark Steigerwald zu machen, können wir von Brasilien nicht erwarten, seine Wälder zu schützen."

Zur SZ-Startseite

SZ PlusEnergiekrise und Ukraine-Krieg
:"Den wahren Schock erwarten wir erst 2023 oder 2024"

Gas gilt jetzt als knappes Gut, im Großhandel haben sich die Preise bereits verfünffacht. Münchens Stadtwerke-Chef Florian Bieberbach erklärt, was auf die Verbraucher zukommt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB