Fränkisches Seenland:Mehr Arbeitsplätze, mehr Gäste - und mehr Verkehr

Vertreter von Center Parcs werben in Gunzenhausen für ihre Ferienanlage. Die könnte die ganze Region verändern

Von Clara Lipkowski, Gunzenhausen

Seit Monaten wird hin- und herdiskutiert, nun liegen erste Fakten und Zahlen zu einem möglichen Center Parcs am Brombachsee vor: 165 Hektar Gesamtfläche könnten bebaut werden, 58 Hektar Wald müssten gerodet werden, 1800 Parkplätze für gut 800 Bungalows entstünden, ein eigener See von 2,7 Hektar, kein Shoppingcenter, aber lokale Geschäfte. Und käme der Ferienpark, er würde nicht nur das Ufer-Areal am Großen Brombachsee grundlegend verändern, auch die umliegende Region würde sich wandeln.

Es waren technische, logistische Fragen, die am Dienstag in Gunzenhausen abgearbeitet wurden. Der Kreistag von Weißenburg-Gunzenhausen war in einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen. Denn es hatte sich Besuch angekündigt. Zum zweiten Mal waren die Manager von Center Parcs mit etlichen Experten und Gutachtern in die Stadthalle gekommen. Mit einer Informationsoffensive für all die Skeptiker und Interessierten, denn das Thema bleibt umstritten.

Der Verkehr als ein Beispiel: An mindestens einem Knotenpunkt auf dem Weg zum Park bräuchte es künftig Entlastung, in Thannhausen in der direkt betroffenen Gemeinde Pfofeld. Vielleicht einen Kreisverkehr, eine Umgehungsstraße oder eine komplett neue Zufahrt? Das räumte Robin Wildhagen von Center Parcs ein. Ansonsten waren die Unternehmensvertreter bemüht, die positiven Effekte des Parks für die Region zu betonen. Zwar sei beim Verkehr noch Spielraum, sagte Wildhagen, das Wachstum der Region werde in der Verkehrsplanung mitkalkuliert. Klar ist aber, dass der Verkehr mehr würde: Mit 262 Fahrzeuge mehr pro Stunde würde an Montagen und Freitagen gerechnet, den Tagen, an denen die Gästen hauptsächlich an- und abreisen. Eine enge Kreuzung wie in Thannhausen würde das, Stand heute, überlasten.

Mit einem großen Zentralgebäude und etwa 800 Bungalows rechnet das Unternehmen derzeit, da sind die Planungen bereits geschrumpft. Ursprünglich waren bis zu 1000 angedacht. Auch Center Parcs leidet unter Corona, vor genau einem Jahr musste es seine Anlagen in Deutschland erstmals schließen. Einnahmeverluste machten dem Unternehmen wie der gesamten Branche zu schaffen, sagte Center-Parcs-Deutschlandchef Frank Daemen. Staatliche Mittel seien nur zum Teil geflossen, bislang 50 000 Euro Novemberhilfen.

Die Vorzüge des Parks seien vielfältig: Arbeitsplätze würden geschaffen, sagte Tourismusberater Dieter Popp, 1310 in Voll- und Teilzeit. 45 Millionen Euro mehr Umsatz würde in der Gastronomie generiert, 19,7 Millionen Euro kämen im Einzelhandel hinzu, rechnete er vor. Kritiker monieren, dass der Park vor allem für den Park selbst Wirtschaftskraft erzeugen könnte. Details gab es auch zur Belastung des Areals: Konkrete Gefährdungsbereiche durch Munitionsreste seien nun identifiziert. Außerdem will Center Parcs einen "Fledermauskorridor" zum See bauen. Naturschützer hatten vor der Verdrängung bedrohter Tierarten gewarnt. Weitere Informationen will das Unternehmen künftig online veröffentlichen. Viele Gegner des Projekts traten nicht in Erscheinung, einer hielt ein Plakat hoch.

© SZ vom 17.03.2021
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